ber-si-Verben

Mai 24, 2008

In diesem japanischen Blogeintrag dreht es sich um ein ganz interessantes Wort: bersimaharajalela. In einer einer Artikelserie übersetzt der Blogautor Kapitel aus der Stilfibel Membina Bahasa Indonesia Baku („Richtiges Indonesisch erlernen“) von Yus Badudu ins Japanische. Yus Badudu führt den folgenden Satz aus einer Zeitung an:

  • Jamu Jawa tradisional semakin bersimaharajaléla.

Er bemängelt, daß dieses Wort falsch gebraucht sei, denn bersimaharajalela könne nur im Zusammenhang mit Situationen gebraucht werden, denen der Sprecher negativ gegenüber steht, aber im Zeitungsartikel war eher etwas Positives gemeint. D.h. für Sätze wie den beiden folgenden (merajalela ist eine Variante mit derselben Bedeutung) wäre das Wort passend gewesen:

  • Penjahat-penjahat makin merajaléla saja di kota itu.
  • Karena angin berembus kencang, api makin merajaléla meruak ke kiri kanan membakar segala apa yang dapat dicapainya.

bersimaharajeléla/merajaléla bedeuten also im Fall von unbelebten Subjekten soviel wie „wüten, grassieren“ und im Fall von belebten Subjekten „ungehindert operieren“.

Für einen Fall wie oben wäre also eher etwas wie das folgende passend gewesen, mit tersebar „ausbreiten/verbreiten“:

  • Jamu Jawa tradisional makin tersebar.

Es gibt außerdem eine Variante bermaharajaléla, ohne si-. In dem folgenden Wahlspot zu den gerade abgehaltenen malaysischen Wahlen taucht das Wort am Ende auf:

  • Apabila pemerintah tidur, penjenayah bermaharajéla. Pada pilihanraya ini, undi untuk perubahan.

Ein paar Malaysianismen:

  • apabila „wenn“ (im Indonesischen nur im literarischen Kontext gebräuchlich)
  • penjenayah „Verbrecher“ (im Indonesischen eher penjahat).
  • pilihan raya: „Wahl“, raya „groß, wichtig“ dient dazu, pilihan, das eine Wahl im allgemeinen Sinne bezeichnen, als eine politische Wahl zu bezeichnen. (im Indonesischen pemilihan, meist noch näher bestimmt, wie pemilihan umum, was in Malaysia pilihan raya umum entspricht)
  • undi: wählen, die Stimme geben (im Indonesischen eher memilih)

Aber wenden wir uns jetzt der inneren Struktur dieses interessanten Wortes zu:

  • bersi-maharaja-léla

bersi- kann auch ber- sein, so daß also eher von ber-si- auszugehen ist. maharaja ist ein Wort aus dem Sanskrit und wurde auch ins Deutsche entlehnt, als Maharadscha „Großkönig“. In der Tat besteht aus zwei Bestandteilen, maha und raja, die jeweils mit dem lateinischen magnus und rex verwandt sind. léla bedeutet „Laune“ und wird meist in der Form selélanya „nach Belieben“ verwendet. merajaléla ist entsprechend me-raja-léla, halt ein einfacher raja anstelle eines maharaja.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist also in etwa wie „sich nach Gutdünken wie ein Großkönig (= tyrannischer Herrscher) aufführen“. Ein Kommentator im obengenannten Blog merkt an, daß es sich bei dem Wort bersimaharajaléla nicht um eine Ableitung mit der Struktur bersi-[maharaja-léla] handele, sondern um die Struktur ber-[si-maharaja-léla]. si wird ja als Diminuitivartikel eingesetzt. D.h. dadurch wird deutlich, daß es sich nicht um einen ehrerebietigen Herrscher, sozusagen sang maharaja, handelt, sondern um jemanden, der sich einbildet, ein kleiner Herrscher zu sein, si maharaja eben.

Sneddon hat einen kurzen Abschnitt auf Verben auf ber-si-, und bemerkt, daß diese Verben in der Regel Varianten ohne si- hätten:

  • bersikeras, berkeras: (keras „hart“) beharren, bestehen (persist)
  • bersitegang, bertegang: (tegang „straff, stramm, gespannt“) ausharren, durchhalten (persevere)
  • bersikukuh, berkukuh: (kukuh „fest, beharrlich“) stur sein, beharren (be stubborn, persist)
  • bersijingkat, berjingkat: auf Zehenspitzen gehen

Die ersten drei sind ziemlich ähnlich, sie alle kommen von Adjektiven, die „hart, fest, straff“ bedeuten, mit si bezeichnen sie jeweils eine Person, die diese Eigenschaft aufweist, si keras „ein harter Kerl“, si tegang „strammer Typ“, si kukuh „Sturkopf“ (es ist nicht klar, ob diese Bezeichnungen im modernen Indonesischen tatsächlich so existieren, da gerade Spitznamen mit si ziemlich idiosynkratisch sind). Das ber- bildet dann das Verb, „sich wie ein harter Kerl verhalten“ usf. Was es mit bersijingkat auf sich hat, ist unklar, da im modernen Indonesisch jingkat keine eigenständige Bedeutung zu haben scheint.

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putus

Februar 28, 2008

Als die Entscheidung fiel, dieses Blog zu starten, wollte ich dies auf indonesisch verkünden. Was also heißt I decided to start a blog auf indonesisch? Der Maxime folgend, daß in der Umgangssprache fast alle Endungen weggelassen werden, schrieb ich also:

  • gue putus mulai blog

Und zing!, die lapidare Antwort darauf war:

  • ha? putus mulai blog? maksudnya? (Häh? Putus mulai blog? Was soll das heißen?)

Tja, ganz ohne kommt man auch in der populären Umgangssprache nicht aus, umso mehr ein Grund, daß das ganze mal sprachwissenschaftlich vernünftig erforscht werden sollte. Besser wäre es also gewesen zu sagen:

  • gue putusin mau mulai ngeblog

putus gehört also zu den Wörtern, die ohne Endung nicht als transitives Verb fungieren können, memutuskan in der Standardsprache und putusin in der populären Umgangssprache. Und auch mulai tendiert eher dazu, von einem Verb gefolgt zu werden, denn von einem Nomen, daher auch ngeblog statt blog. Ich habe Grund zur Annahme, daß man memulakan und was auch immer die umgangssprachliche Form davon ist (vielleicht mulain) verwenden muß, um es mit einem Nomen zu verbinden. Zumindest ein schneller Google-Vergleich geht in diese Richtung: mulai ngeblog ist viel häufiger belegt als mulai blog, wohingegen nur memulakan blog, nicht aber memulakan ngeblog vorhanden ist.

Das könnte in diesem Fall auch mit der Grundbedeutung von putus zusammenhängen, das bedeutet nämlich „abgetrennt, abgebrochen“. Ein paar Beispiele:

benangnya sudah putus „Der Faden ist durchtrennt“ (KII)

putus sekolah „die Schule abbrechen“ (KII)

dia berusaha bunuh diri karena putus cinta. „Er versuchte sich umzubringen, da er unglücklich verliebt (putus cinta) war.“ (MKPK)

jangan putus asa! „Gib die Hoffnung nicht auf!“ (MKPK)

kita putus „es ist vorbei mit uns“. Nicht ungewöhnlich in vielen Sprachen ist die Tatsache, daß ein Wort mit der Bedeutung „trennen, brechen“ auch die Bedeutung „Entscheidung“ annimmt, Belege gibt es aus dem Deutschen (entscheiden : scheiden), dem Lateinischen (decidere : caedere) und dem Chinesischen (決定 : 決裂) (zwei Hinweise: im Lateinischen kann auch die Ableitung noch „abtrennen“ bedeuten, aber nicht im Französischen oder Englischen, und im Chinesischen bedeutet beides, aber aufgrund der Tendenz im neuzeitlichen Mandarin zur Zweisilbigkeit ist eine Desambiguierung eingetreten).

Was das Indonesische hier ein wenig aus dem Rahmen fallen läßt, ist, daß die Ableitung memutuskan nicht nur „entscheiden“ bedeuten kann, sondern eben auch „scheiden“, das kann schon zu verwirrenden Situation führen. memutuskan pacar bedeutet z.B. „mit dem Freund/der Freundin Schluß machen“. Jetzt stellt sich die Frage, ob man dann sagt aku memutuskan mau memutuskan pacarku ;)…