Das Wort für Gott…

April 9, 2009

im Indonesischen lautet Tuhan, was „Herr“ bedeutet. In der vereinfachten Form tuan wird ist dies auch eine Anrede für hochgestellte Personen, kann aber auch den „Herrn“ im Gegensatz zum „Knecht“ bezeichnen, wie z.B. in tuan pabrik „Fabrikbesitzer“, tuan tanah „Landbesitzer“ etc. Auch wenn meist in der Umgangssprache in der Regel  das h ausfällt, wird dies bei dem Wort für Gott meist beibehalten, und selbst wenn nicht, wird in der Regel wert auf eine unterschiedliche Schreibweise gelegt.

Ein weiteres Wort für Gott ist déwa, das aus dem Sanskrit stammt und eher in Richtung „Gottheit“ geht; entsprechend gibt es eine weibliche Form déwi. Dies sind die Bezeichnungen, die z.B. für die balinesischen Gottheiten verwendet werden. Für den Gott einer monotheistischen Religion eignet sich dieses Wort nicht.

Kommen wir zum dritten Wort: das aus dem Arabischen stammende Allah. Dies wird natürlich von vielen Muslimen verwendet, aber auch von einigen Christen. Dies kann zu Konflikten führen, da gerade in Malaysia einige Muslime dr Auffassung sind, daß hinter der Verwendung dieses Wortes durch Christen Missionierungsbestrebungen stünden: so hatte es im Januar 2008 einen Konflikt in dieser Hinsicht gegeben, weil eine katholische Zeitung das Wort Allah verwendete und die Regierung die Lizenzverlängerung der Zeitung davon abhängig machen wollte, ob die Zeitung davon absieht, dieses Wort zu verwenden oder nicht (Language Log, New York Times Lede Blog). Dieser Streit flackerte jetzt im März wieder auf (Jakarta Post, Jakartass, FP Passport Blog).

Jetzt hat die indonesische Sängerin Agnes Monica, die katholisch ist, den Zorn der malaysischen Mullahs (zumindest in der Provinz Selangor) auf sich gezogen, mit ihrem neuesten Song, „Allah peduli“ (God cares)

Der Text ist wie folgt:

Banyak perkara
Yang tak dapat kumengerti
Mengapakah harus terjadi
Di dalam kehidupan ini
Satu perkara
Yang kusimpan dalam hati
Tiada sesuatu ‚kan terjadi
Tanpa Allah peduli
Allah mengerti Allah peduli
Segala persoalan yang kita hadapi
Tak akan pernah dibiarkanNya
Ku bergumul sendiri
S’bab Allah mengerti

(Im Musikvideo variiert sie die letzte Zeile ganz am Schluß allerdings als S’bab Allah, Yésusku mengerti)

Wortliste folgt unten

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Tag der Deutschen Einheit

Oktober 3, 2008

Heute ist der Tag der Deutschen Einheit. Aus diesem Anlaß eine kurze Notiz dazu, wie man dies auf indonesisch sagt. Der Tag der Deutschen Einheit heißt hari persatuan Jerman, während die deutsche Wiedervereinigung penyatuan kembali Jerman genannt wird. Teilweise findet man auch die Ausdrucksweise persatuan kembali Jerman, welche aber eindeutig in der Minderheit ist und auch als Fehler anzusehen ist (wobei sich manche Muttersprachler auch nicht sicher zu sein scheinen).  In Malaysia heißt es übrigens penyatuan semula Jerman. Der Ausdruck persatuan ulang dagegen scheint eine ad-hoc-Bildung der indonesischsprachigen Wikipedia zu sein, da er nur dort auftritt. Zudem gibt es noch den Ausdruck reunifikasi

Die Wörter persatuan und penyatuan basieren beide auf der Wurzel satu „eins“, auf zwei verschiedenen, morphologisch zu unterscheidenden Ableitungen: das per-an-Zirkumfix und das peN-an-Zirkumfix. Das erstere ist üblicherweise eine Nominalisieurng des entsprechenden intransitiven ber-Verbs und das zweite die Nominalisierung des entsprechenden transitiven meN-Verbs. In diesem Fall wäre persatuan also eine Ableitung zu bersatu „eins, vereint sein“, und daher geht die Ableitung auch in Richtung „Einheit“, bezeichnet also den Zustand. Demgegenüber wäre penyatuan eine Ableitung zu menyatu(kan) „vereinigen“, die Ableitung bezeichnet also den Vorgang der „Vereinigung“. (Hinweis: persatuan kann auch „Vereinigung“ im Sinne einer Organisation, oder eben eines „Vereins“ bedeuten. Sprache läßt sich eben nicht immer in vorgefertigte Kategorien pressen.

Sneddon (S. 48) kennt weitere solche Gegensatzpaare:

 

  • perkembagan „Entwicklung“ von berkembang „sich entwickeln“, wohingegen pengembangan „Entwicklung“ von mengembangkan „entwickeln, aufbauen“. Der Unterschied zwischen den beiden Nomen kann anhand des folgenden Beispiels verdeutlicht werden: perkembangan bahasa Indonésia und pengembangan bahasa Indonésia können beide mit der „Entwicklung der indonesischen Sprache“ übersetzt werden. Aber im ersteren Fall ist es im Sinne eines genetivus subjectivus zu verstehen, es ist also die Sprache, die sich entwickelt, während es sich im letzteren Fall um einen genetivus objectivus handelt, es wird die Sprache also von jemanden entwickelt.
  • perbuatan „Tat, Handlung“ von berbuat „tun, machen“, und pembuatan „Herstellung“ von memuat „herstellen, machen“.
  • perkumpulan „Vereinigung, Verband“ von berkumpul „sich versammeln“ und pengumpulan „Sammlung“ von mengumpulkan „sammeln“.
Zuguterletzt noch ein Text aus dem Informationsangebot der deutschen Regierung:
Reunifikasi

Dengan terjadinya penggulingan secara damai di Jerman Timur pada tahun 1989, penyatuan kembali kedua negara Jerman semakin mendekat. Sekitar pertengahan tahun 1990 dimulailah perundingan mengenai perjanjian penyatuan di Berlin. Pada tanggal 3 Oktober 1990, RDJ menyatakan dirinya bergabung dengan Republik Federal Jerman berdasarkan Pasal 23 Undang-Undang Dasar RFJ. Pada tanggal 2 Desember 1990 diselenggarakan pemilihan umum pertama yang menentukan anggota parlemen federal, Bundestag, untuk seluruh Jerman.


Wortliste und Anmerkungen folgen weiter unten:

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ber-si-Verben

Mai 24, 2008

In diesem japanischen Blogeintrag dreht es sich um ein ganz interessantes Wort: bersimaharajalela. In einer einer Artikelserie übersetzt der Blogautor Kapitel aus der Stilfibel Membina Bahasa Indonesia Baku („Richtiges Indonesisch erlernen“) von Yus Badudu ins Japanische. Yus Badudu führt den folgenden Satz aus einer Zeitung an:

  • Jamu Jawa tradisional semakin bersimaharajaléla.

Er bemängelt, daß dieses Wort falsch gebraucht sei, denn bersimaharajalela könne nur im Zusammenhang mit Situationen gebraucht werden, denen der Sprecher negativ gegenüber steht, aber im Zeitungsartikel war eher etwas Positives gemeint. D.h. für Sätze wie den beiden folgenden (merajalela ist eine Variante mit derselben Bedeutung) wäre das Wort passend gewesen:

  • Penjahat-penjahat makin merajaléla saja di kota itu.
  • Karena angin berembus kencang, api makin merajaléla meruak ke kiri kanan membakar segala apa yang dapat dicapainya.

bersimaharajeléla/merajaléla bedeuten also im Fall von unbelebten Subjekten soviel wie „wüten, grassieren“ und im Fall von belebten Subjekten „ungehindert operieren“.

Für einen Fall wie oben wäre also eher etwas wie das folgende passend gewesen, mit tersebar „ausbreiten/verbreiten“:

  • Jamu Jawa tradisional makin tersebar.

Es gibt außerdem eine Variante bermaharajaléla, ohne si-. In dem folgenden Wahlspot zu den gerade abgehaltenen malaysischen Wahlen taucht das Wort am Ende auf:

  • Apabila pemerintah tidur, penjenayah bermaharajéla. Pada pilihanraya ini, undi untuk perubahan.

Ein paar Malaysianismen:

  • apabila „wenn“ (im Indonesischen nur im literarischen Kontext gebräuchlich)
  • penjenayah „Verbrecher“ (im Indonesischen eher penjahat).
  • pilihan raya: „Wahl“, raya „groß, wichtig“ dient dazu, pilihan, das eine Wahl im allgemeinen Sinne bezeichnen, als eine politische Wahl zu bezeichnen. (im Indonesischen pemilihan, meist noch näher bestimmt, wie pemilihan umum, was in Malaysia pilihan raya umum entspricht)
  • undi: wählen, die Stimme geben (im Indonesischen eher memilih)

Aber wenden wir uns jetzt der inneren Struktur dieses interessanten Wortes zu:

  • bersi-maharaja-léla

bersi- kann auch ber- sein, so daß also eher von ber-si- auszugehen ist. maharaja ist ein Wort aus dem Sanskrit und wurde auch ins Deutsche entlehnt, als Maharadscha „Großkönig“. In der Tat besteht aus zwei Bestandteilen, maha und raja, die jeweils mit dem lateinischen magnus und rex verwandt sind. léla bedeutet „Laune“ und wird meist in der Form selélanya „nach Belieben“ verwendet. merajaléla ist entsprechend me-raja-léla, halt ein einfacher raja anstelle eines maharaja.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist also in etwa wie „sich nach Gutdünken wie ein Großkönig (= tyrannischer Herrscher) aufführen“. Ein Kommentator im obengenannten Blog merkt an, daß es sich bei dem Wort bersimaharajaléla nicht um eine Ableitung mit der Struktur bersi-[maharaja-léla] handele, sondern um die Struktur ber-[si-maharaja-léla]. si wird ja als Diminuitivartikel eingesetzt. D.h. dadurch wird deutlich, daß es sich nicht um einen ehrerebietigen Herrscher, sozusagen sang maharaja, handelt, sondern um jemanden, der sich einbildet, ein kleiner Herrscher zu sein, si maharaja eben.

Sneddon hat einen kurzen Abschnitt auf Verben auf ber-si-, und bemerkt, daß diese Verben in der Regel Varianten ohne si- hätten:

  • bersikeras, berkeras: (keras „hart“) beharren, bestehen (persist)
  • bersitegang, bertegang: (tegang „straff, stramm, gespannt“) ausharren, durchhalten (persevere)
  • bersikukuh, berkukuh: (kukuh „fest, beharrlich“) stur sein, beharren (be stubborn, persist)
  • bersijingkat, berjingkat: auf Zehenspitzen gehen

Die ersten drei sind ziemlich ähnlich, sie alle kommen von Adjektiven, die „hart, fest, straff“ bedeuten, mit si bezeichnen sie jeweils eine Person, die diese Eigenschaft aufweist, si keras „ein harter Kerl“, si tegang „strammer Typ“, si kukuh „Sturkopf“ (es ist nicht klar, ob diese Bezeichnungen im modernen Indonesischen tatsächlich so existieren, da gerade Spitznamen mit si ziemlich idiosynkratisch sind). Das ber- bildet dann das Verb, „sich wie ein harter Kerl verhalten“ usf. Was es mit bersijingkat auf sich hat, ist unklar, da im modernen Indonesisch jingkat keine eigenständige Bedeutung zu haben scheint.

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Indonesische Namen

April 12, 2008

Zur Zeit kursiert im Internet die Geschichte des Batman Superman.

Aufregung in der Blogosphäre: Is this name for real?

Ein Singaporer javanischer Abstammung hat den offiziellen Namen Batman bin Suparman. Das klingt jetzt erstmal wie ein Jux, aber die Geschichte scheint zu stimmen.

Ein kurzer round-up aus der Blogosphäre:

  • Ursprünglich kam die Geschichte wohl im Blog Weird Asian News auf.
  • Schließlich erreichte die Geschichte auch den ehrwürdigen Sprachwissenschaftlerblog Language Log.
  • Selbst in der deutschsprachigen Blogosphäre schlug die Geschichte auf, der bekannteste Blog, der davon berichtete, war wohl der Hostblogger.

Einige Argumente, die dafür sprachen, daß die Geschichte kein Hoax ist:

  • das Sicherheitsfoto (ein wenig fragwürdig)
  • die Nummer der Ausweises (fehlt im obigen Foto, aber es kursieren Version, wo noch Teile der Nummer zu erkennen sind) ist ebenfalls stimmig
  • Dem Autor des Beitrags im Language Log ist es gelungen, zwei Belegstellen aus singaporianischen Blogs auf den Namen aus den Jahren 2005 und 2007 zu finden, die also offensichtlich vor dem jetzigen Wirbel geschrieben wurden.
  • die arabische Schrift ist eine akkurate Wiedergabe des Namens in der Jawi-Schrift.
  • der Name Suparman ist ein durchaus häufiger javanischer Name, von denen viele mit Su- (javanisch für „gut“) beginnen (Sukarno, Suharto) und manche auf -man enden.
  • Für Batman gibt es mehrere Erklärungsversuche:
    • Es könnte tatsächlich ein übler Scherz seitens der Eltern sein
    • u.U. eine Verkürzung des indischen Namens Batmanathan sein, was aufgrund des indischen Einflusses auf Java nicht überraschend sein würde, aber die Googletreffer weisen auf indische Personen hin, keine javanischen.
    • Fledermaus heißt kamprét, was auch manchmal als Übersetzung für „Batman“ verwendet wurde, bedeutet als Slangausdruck jedoch „Idiot, Lümmel, Straßenjunge“. Wenn es da nicht noch eine positive Nebenbedeutung gibt, auch unwahrscheinlich.

the Bandung-based rapper Iwa K released a song in the mid-90’s called “Batman Kasarung”, melding the Batman story with the Sundanese folk character Lutung Kasarung, a prince disguised as a monkey. So it appears that the Javanese parents of young Batman really were inspired by the comic book creation.

(Den Song kann man hier hören)

Der Rest des Beitrags soll sich damit beschäftigen, warum auf dem Ausweis Batman bin Suparman steht, und was dies bedeutet. Dafür müssen wir ein wenig in die indonesische Namensgebung einsteigen…

Indonesische Namen: Einzelnamen

Indonesier sind ja bekannt ja dafür, daß viele von ihnen nur einen Namen tragen, einen einzigen. In Zeitungen steht dann so etwas „X, der/die wie viele Indonesier nur einen Namen trägt/führt/hat„. Aber das Bild ist um einiges komplexer, denn in Indonesien bestehen sehr viele verschiedene Namensgebungssysteme nebeneinander her. Selbst wenn wir ethnische Besonderheiten wie die der Balinesen außen vor lassen (welches einen eigenen Eintrag wert ist), konkurrieren selbst in der Mehrheitsbevölkerung verschiedenen Prinzipien miteinander. In der Regel kann man aber sagen, daß im Indonesischen die im Deutschen allgemein übliche Aufteilung in Vor- und Familiennamen in der Regel nicht vorhanden ist!

Grundsätzlich ist zwischen Einzelnamen und Mehrfachnamen zu unterscheiden. Auf indonesisch heißt ersteres nama tunggal (so wie das Einzelkind anak tunggal heißt) und letzteres nama jamak (wobei nama keine Entlehnung aus dem Englischen oder Niederländischen ist, sondern schon viel früher aus dem Sanskrit entlehnt wurde). Bei einem nama tunggal handelt es sich also um das berühmte Beispiel von dem einzigen Namen, den viele Indonesier verwenden. Gerade in Java ist dies sehr häufig, wie die Beispiele der Politikergeneräle Sukarno, Suharto, Wiranto verdeutlichen. (Die Beispiele stammen alle aus diesem Wikipedia-Artikel „Nama Indonésia“ (I) und beziehen sich auf reale Persönlichkeiten.)

  • Name des Kindes Soeharto
  • Name des Vaters Kertosudiro
  • Name der Mutter Sukirah

Die Angewohnheit von Javanern (und anderen Indonesiern), nur einen Namen zu haben, führt regelmäßig zu Problemen: In Deutschland wird der Name als Vor- und Nachname eingesetzt: Soeharto Soeharto sozusagen. In den USA geht dies auch, obwohl oft auch der Name als Nachname angesehen wird und als Vorname Fnu (First Name Unknown) steht, was schon mal für einen gebräuchlichen indonesischen Namen gehalten wird. (Oder entsprechend als Nachname Lnu (Last Name Unknown)). Dies kann bei Behördengängen zu zahlreichen Problem führen.

In den Niederlanden wird häufig als Nachname Onbekend „Unbekannt“ eingesetzt, selbst bei Mehrfachnamen, wenn kein Familienname besteht, d.h. die Namen des Vaters und des Kindes nicht übereinstimmen.

Indonesische Namen: Mehrfachnamen

Der nama jamak kann hingegen nach verschiedenen Mustern vergeben werden:

Mehrfachname ohne Familiennamen: das Kind erhält mehrere Namen, die in keinem Zusammenhang mit den Namen der Eltern stehen.

  • Name des Kindes Siti Hartinah
  • Name des Vaters Soemohardjo
  • Name der Mutter Hatmanti

Mehrfachname mit dem letzten Namen als Familiennamen: Das Kind erhält mehrere Namen, von denen der letzte als Familienname verwendet wird, der in der Regel vom Vater weitervererbt wird (mit Ausnahme von matrilinearen Ethnien wie die der Minangkabau).

  • Name des Kindes Baharuddin Jusuf Habibie
  • Name des Vaters Alwi Abdul Jalil Habibie
  • Name der Mutter Tuti Marini Puspowardojo

Mehrfachname mit Patronymikon nach europäischem Muster: Das Kind erhält als letzten Namen, der auf den Namen des Vaters hinweist, mit einem Zusatz -putra, -putri „Sohn, Tochter“, analog dem russischen Vaternamen oder den isländischen Nachnamen.

Mehrfachname mit Patronymikon nach arabischem Muster: Das Kind erhält als letzten Namen den Namen des Vaters, ohne Zusatz.

Im Geburtsurkunden stehen immer die Namen des Vaters und der Mutter, also X, anak Y dan Z.

In Malaysia und Singapur: Sehr selten kommen patrilinear vererbte Familiennamen vor, aber in der Regel wird das Muster „Mehrfachname mit Patronymikon nach arabischen Muster“ bevorzugt, wobei hier ein Zusatz bin/binte (arabisch für „Sohn, Tochter“, abgekürzt b./bt(e).) eingefügt wird, der in Zeitungen u.ä. schon mal häufiger weggelassen wird.

  • Name des Kindes Anwar bin Ibrahim, in der Presse normalerweise Anwar Ibrahim genannt.
  • Name des Vaters Ibrahim bin Abdul Rahman
  • Name der Mutter Che Yan Hussein (andere Namensregeln, da ethnische Chinesin mit späteren Übertritt zum Islam)

Diese Situation wird durch gelegentliche Doppelnamen verkompliziert, die durch Namenszusätze erzeugt werden, die meist mit einem Namen zusammen stehen. Für männliche Namen sind dies:

  • Muhammad / Mohammad / Mohammed (oft abgekürzt als Mohd., Muhd., Md. oder M.)
  • Mat (malaiische Variante für Muhammad. Mat dient zudem als Rufname für Namen, die auf -mad oder -mat enden, wie z.B. Ahmad, Rahmat, Samad, etc.)
  • Ahmad
  • Abdul (wie im Arabischen ist dies kein eigener Name, sondern ein Zusatz mit der Bedeutung ‚Diener von‘, und muß von einem der Namen Gottes im Koran gefolgt sein; wie oben beim Vater von Anwar bin Ibrahim, Ibrahim bin Abdul Rahman — ‚Diener des Gnadenreichen‘)

Die häufigsten Zusätze bei weiblichen Namen:

Zurück zu Batman bin Suparman

Abschließend läßt sich also zum Fall des Batman bin Suparman sagen, daß er in Indonesien entweder lediglich Batman hieße oder Batman Suparman. Singapor (und Malaysia) scheinen zwingend die Führung mehrteiliger Namen vorzuschreiben, und dem müssen sich auch Nachkommen javanischer Einwanderer unterwerfen.


Ein Pantun und ein Kinderlied

März 28, 2008

Ein Pantun ist eine traditionelle Form eines malaiischen Gedichts. Eine Strophe besteht normalerweise aus vier Versen zu je acht bis zwölf Silben. Das Reimschema ist abab, also ein Kreuzreim, wobei sich nur die letzte Silbe reimen muß. Ein Pantun kann sich auch über mehrere Strophen erstrecken, wobei dann der zweite und vierte Vers einer jeden Strophe als erster und dritter Vers der jeweils nachfolgenden Strophe verwendet werden. Üblicherweise muß man eine genaue Kenntnis der im Gedicht verwendenten Symbole haben, um alle Anspielungen zu verstehen.

Ich kenne nur ein einziges Pantun, welches aber praktischerweise auch zu den berühmtesten zählt:

Kalau ada sumur di ladang,
boleh kita menumpang mandi,
Kalau umur kita panjang,
semoga kita bertemu lagi.

Hier gibt es das in einer leicht abgewandelten Form:

Kalau ada sumur di ladang
harap boleh menumpang mandi
Kalau ada umur yang panjang
harap kita berjumpa lagi.

Ich habe am Ende eine Wortliste angefügt, aber bewußt keine Übersetzung eingeschlossen. Wer sich an einer poetischen Übertragung ins Deutsche versuchen möchte, ist dazu eingeladen, mir diese zwecks Veröffentlichung hier zuzuschicken! Dies gilt auch für die literarische Interpretation.

Dieses Pantun ist auch Bestandteil eines populären Volksliedes namens Rasa Sayange („Gefühl der Liebe“). Dieses Lied stammt aller Wahrscheinlichkeit aus Ambon in den Molukken, für dessen Malay-Variante es üblich ist, ein -e an sayang anzuhängen. (Genauere Informationen gibt es dazu nicht, aber es könnte der auch im Balinesischen gebräuchliche Genitivmarker für Nomen sein.) Hier ist ein indonesisches Video:

Der letzte Teil des Videos zeigt einen niederländischen Werbefilm über Batavia kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, der die Melodie von Rasa Sayange als Hintergrundmusik verwendet. Dies diente dem Ersteller des besagten Videos u.a. dazu, um die indonesischen Ansprüche auf das Lied als Kulturgut zu untermauern. Die malaysische Regierung verwendete nämlich ebenjenes Lied für eine Werbekampagne, die das harmonische Zusammenleben der ethnischen Gruppen anhand dieses Songs zu promoten versuchte. Das Lied wird dann auch in den verschiedenen Sprachen Malaysias gesungen. Interessanterweise fand das Pantun keine Erwähnung hier.

Es scheint in der malaysischen Version tatsächlich das besagte Pantun zu fehlen, denn auch im nachfolgenden Musikvideo für Kinder fehlt es. Es geht statt dessen hauptsächlich um die Frau (nona), die man von weitem sieht (lihat jauh). Man beachte auch, daß in Malaysia budak „Kind“ bedeutet (anak), während budak in Indonesien „Sklave“ bedeutet.

Es kann also ein Kinderlied zu diplomatischen Verwicklungen führen. Hier ein englischsprachiger Artikel der offiziellen Nachrichenagentur ANTARA darüber, daß der indonesische Militärchef Malaysia auffordert, kulturelles Fingerspitzengefühl zu zeigen.

Weitere Beiträge aus der Blogosphäre:

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benar und betul

März 21, 2008

Zwei Wörter, die ähnlich klingen und die sich zudem in ihrer Bedeutung überschneiden..

  • benar bedeutet grundsätzlich „wahr“: Kalau mémang benar dia ditangkap, mengapa polisi belum menélpon?
  • betul bedeutet grundsätzlich „richtig“: Mémang Anda betul bahwa kata Cina sudah diterima di dunia internasional.

Entsprechend auch die Bedeutung der abgeleiteten Verben: membenarkan heißt eher „richtigstellen, bestätigen, verifizieren“, und membetulkan eher „korrigieren“.

  • Ia membenarkan bahwa pada malam itu ia baru pulang sekitar jam sebelas.
  • Masih ada waktu untuk membetulkan kesalahnmu itu.

Außerdem kann membenarkan auch „für (moralisch) richtig erklären“, und membetulkan „etwas richtig hinstellen, positionieren“:

  • Saya tidak membenarkan tidakannya.
  • Saya harus membetulkan letak gambar itu.

Manchmal erscheinen die beiden Wurzeln jedoch austauschbar. Das fängt damit an, daß die feste Fügung, die „gutes und richtiges Indonesisch“ bezeichnet, Bahasa Indonésia yang baik dan benar ist und nicht etwa yang baik dan betul. Einige andere Ableitungen der beiden Wurzeln scheinen austauschbar zu sein:

  • betul-betul und benar-benar sind beides Adverbien, die „wahrlich, wirklich“ (genauso wie sungguh bzw. sungguh-sungguh) bedeuten:
    • Dia benar-benar bekerja keras.
    • Dia betul-betul percaya ada hantu yang tinggal di pohon ini.
  • sebenarnya und sebetulnya bedeuten beide „eigentlich, tatsächlich“ (engl. actually, in fact), wobei laut Quinn letzteres formaler ist:
    • Angin dingin tersebut, yang sebenarnya membawa air, tidak sempat menjadi air.
    • Selema sepuluh tahun terakhir ini, film Indonésia sebetulnya berjalan di tempat.

Meines Wissens kann man jedoch nur betul im Gespräch verwenden, um im Gespräch die Übereinstimmung mit dem Gesprächspartner zu unterstreichen.

Es kann jedoch vorkommen, daß trotz der grundsätzlich vorhandenen Unterschiede in der Grundbedeutung auch die Wurzeln betul und benar und die abgeleiteten Verben als Synonyme verwendet werden. Also auf der Hut sein…

Edit: Und noch ein Unterschied: kebenaran bedeutet, wie erwartet, „Wahrheit“ (in Malaysia auch noch „Erlaubnis“), aber kebetulan bedeutet nicht etwa „Richtigkeit“ sondern „Zufall“ und „zufällig“.

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Maulid Nabi

März 20, 2008

Heute ist ein staatlicher Feiertag in Indonesien, der Geburtstag des Propheten Mohammed. Es sei kurz angemerkt, daß dieser Feiertag in der islamischen Welt zwar eine lange Tradition hat, aber umstritten ist und von einigen als unzulässige Neuerung und verbotene Vergöttlichung des Propheten angesehen wird. Auch dieser indonesischsprachige Blogeintrag beschäftigt sich mit der Kontroverse.

Den Geburtstag des Propheten setzen die Sunniten auf den 12. Rabi‘-ul-Awwal an, die Schiiten auf den 17. Rabi‘-ul-Awwal. Da die Muslime Indonesiens mehrheitlich sunnitisch sind, fällt der staatliche Feiertag auf den ersten Termin.

Im folgenden ein paar Anmerkungen zum islamischen Kalender: jeder der 12 Monate besteht aus 29 oder 30 Tagen, und beginnt mit der ersten sichtbaren Mondsichel nach Neumond. Es gibt verschiedene Methoden, dies zu bestimmen, so daß es in verschiedenen Teilen der Welt zu geringfügigen Abweichungen um bis zu 1, 2 Tage kommen kann. Die traditionelle Methode besteht darin, daß Mondsichelsichtungskommittees den Nachthimmel beobachten und Meldung erstatten. In manchen Ländern wird berechnet, an welchem Tag der Monduntergang nach dem Sonnenuntergang stattfindet (s. diese Mondphasenseite, wenn man den ersten Tag, wo nach dem Neumond eine Sichel zu erkennen ist, als 1. Tag ansetzt, sollte der 12., also der heutige Feiertag, der 20. März sein). Wiederum gibt es Länder, in denen man den Vorgaben der Behörden in Mekka folgt.

Anders als beim Saka-Kalender gibt es keinen Schaltmonat, d.h. der islamische Kalender wandert im Lauf der Zeit durch die vier Jahreszeiten. Die Namen vieler Monate spiegeln jedoch dem Umstand wider, daß der Kalender in vorislamischer Zeit einen Schaltmonat hatte, da sie sich auf spezifische wiederkehrende Ereignisse wie Dürre und Sommer beziehen. Auch gab es in vorislamischer Zeit 4 sogenannte verbotene Monate, während derer nicht gekämpft werden durfte. Die Namen der Monate auf indonesisch, gefolgt von der deutschen Transliteration und weiteren Anmerkungen.

  1. Muharram (Muharram, „der verbotene Monat“, nach dem vorislamischen Verbot von Kampfhandlungen während dieses Monats; am 10. Muharram findet das Aschura-Fest („der Zehnte“) statt, einer der wichtigsten Feiertage der Schiiten)
  2. Safar (Safar, „der leere Monat“, gilt als unglücklichster Monat des Jahres)
  3. Rabiul awal (Rabiʿ al-auwal bzw. Rabiʿ al-awwal, „der erste Frühlingsmonat“, in diesen Monat fällt der Geburtstag Mohammeds)
  4. Rabiul akhir (Rabīʿ ath-thānī, auch Rabīʿ al-ʾāchir, „der zweite/letzte Frühlingsmonat“)
  5. Jumadil awal (Dschumada al-ula bzw. Dschumada al-auwal, „der erste Dürremonat, von Dschumda „ausgedörrtes Land ohne Regen“)
  6. Jumadil akhir (Dschumada ath-thani , auch Dschumada al-Akhir, „der zweite/letzte Dürremonat“)
  7. Rajab (Radschab, „der respektierte (Monat)“, nach dem vorislamischen Verbot von Kampfhandlungen während dieses Monats)
  8. Sya’ban (Schaʿban, „der Monat der Separation“, da in vorislamischer Zeit es zu diesem Monat Sitte war, sich auf der Suche nach Wasser in alle Himmelsrichtungen zu verstreuen.)
  9. Ramadhan (Ramadan, „der Monat der Sommerhitze“, von ramda „brennen“, der heilige Fastenmonat des Islams)
  10. Syawal (Schauwal, „der Tragemonat“, da in vorislamischer Zeit zu diesem Zeitpunkt Kamele trächtig waren. Am 1. wird das Zuckerfest begangen. Der Schauwal ist ein zweiter Fastenmonat, während dessen an sechs beliebigen Tagen gefastet werden soll.)
  11. Dzulkaidah (Dhu l-qaʿda, „Meister der Waffenruhe“, nach dem vorislamischen Verbot von Kampfhandlungen während dieses Monats)
  12. Dzulhijjah (Dhu l-hiddscha, „Meister der Pilgerfahrt“, ein weiterer heiliger Monat, da während dessen die Pilgerfahrt begangen wird, und zwar vom 8.-10. Tag, wonach sie dann in das Opferfest übergeht.

Der Kalender heißt auf indonesisch kalénder hijriyah (Kalender nach der Hidschra) oder kalénder Islam. Ein anderes wort für Kalender ist penanggalan, das sich von tanggal ableitet. In Malaysia ist es üblich, die arabische Bezeichnung zu verwenden, Takwim Hijrah. Der im Westen gebräuchliche Kalender heißt übrigens kalénder Maséhi, der „Kalender des Messias“. Und ein letzter Hinweis sei gestattet darauf, daß nabi „Prophet“ als eine Art Titel vor den Namen verschiedener Propheten verwendet wird, wie z.B. nabi Musa „der Prophet Moses“.