Notizen zur Umgangssprache 5: -nya

Oktober 21, 2009

Das Suffix -nya ist eines der wichtigsten Morpheme im Indonesischen und nimmt in jeder grammatischen Darstellung einen großen Platz ein. Das Suffix findet sowohl in der Umgangs- als auch der Standardsprache Verwendung. Im folgenden gehe ich von zwei Quellen aus, die sich mit dem umgangssprachlichen Gebrauch dieses Suffixes beschäftigen, Kapitel 2.8 von Sneddons CJI und Kapitel 5 von Englebretson 2003. Es gilt jedoch die Warnung von Sneddon, daß „the functions of -nya are many and varied and are not entirely well-understood.“

-nya als Possessivmarker

Die Verwendung von -nya als anaphorisch gebrauchtes Possessivpronomen der 3. Person ist eine der Hauptfunktionen dieses Suffixes.

(1) padahal ibu-nya nggak suka ramai kan.

Dieser Satz illustriert gleichzeitig, daß die dritte Person hier aus Höflichkeitsgründen sich auf den Gesprächspartner beziehen kann, um eine direkte Ansprache zu vermeiden (namanya siapa usw.).

Eine für die Umgangssprache typische Verwendung wird von Sneddon Ligatur genannt:

(2) Itu méja-nya Pak Bun.

Diese Konstruktion soll aus dem Javanischen stammen. Sie kann auch bei Pronomen auftreten, inkl. der ersten Person, was in der Standardsprache nicht möglich ist.

(3) Abu-abu, kayak-nya handphone-nya aku.

(4) Égo-nya dia kalah besarnya sama elu.

Eine weitere Verwendung von -nya als Posssessivmarker spielt auch eine Rolle in der Topic-Comment-Konstruktion, die sowohl im Standardsprache als auch in der Umgangssprache vorkommt.

-nya als Identifizierbarkeitsmarker

Eine weitere Funktion von -nya ist es, Definitheit bei Nomen auszudrücken (Identifizierbarkeit im Diskurs bei Englebretson). In dieser Hinsicht ähnelt -nya hier dem Demonstrativpronomen itu, wie auch in IRG (2.7, 2.50) beschrieben. Laut Sneddon kann sich itu nur auf Referenten beziehen, die im Diskurs schon einmal explizit eingeführt worden sind, während dies bei -nya auch auf implizit als definit verstandene zutreffen kann.  Z.B. folgt im untenstehenden Beispiel die Definitheit von penjahatnya „der Kriminelle“ aus dem Kontext des Films, um den es geht:

(5)
A: Kayak kemaren gua nonton film Bone Collector. Sampe gua takut naik taksi.
B:  Loh émang kenapa?
A: Iya karena émang penjahat-nya nyetir taksi.

Eigennamen und Pronomen, die in der Regel definite und identifizierbare Referenten haben, können anders als in der Standardsprache in der Umgangssprache mit -nya markiert werden, und auch zusammen mit itu auftreten:

(6) Terus untungnya Erikanya itu, udah ngerti itu lho.

(7) Tapi kan nggak ada itunya.

Dies gilt auch für Interrogativpronomen, wo es zu Konstruktionen wie Yang mana-nya oder Apa-nya? kommen kann.

Sneddon faßt einiges davon auch als emphatische Funktion auf, die auch auf andere Wortarten ausgedehnt werden kann, wie Adverbien:

(8) Elu oke-lah di sini. Tapi di sini-nya elu botak begini.

(9) Iya, saya penyanyi dulu-nya.

-nya als Nominalisierer

Die Verwendung von -nya als Nominalisierer scheint eine sekundäre Ableitung von seiner Funktion als Identifizierbarkeitsmarker zu  sein. Dies ist im Standardindonesischen recht häufig, wobei hierbei nur intransitive Prädikate in Frage kommen wie Adjektive oder intransitive Verben. Transitive Verben können nur in einer valenzreduzierten Form mit di- auftreten, wie das folgende Beispiel aus IRG, S. 302, zeigt:

(10) Lalu lintas menjadi macét karena ditutupnya beberapa jalan.

Wichtig ist dabei zu beachten, daß hier -nya keineswegs sich auf den Urheber der Handlung bezieht, sondern dieser vielmehr ungenannt bleibt. Diese nominalisierten Prädikate werden in der Regel von einer Nominalphrase gefolgt, die das Prädikat näher modifiziert, wie beberapa jalan im oberen Beispiel. Laut Sneddon sind solche Nominalattribute eher selten in der Umgangssprache. Die Nominalphrase, die in der Standardsprache typischerweise das nominalisierte Prädikat modifizieren würde, wird in der Regel in der Umgangssprache kurz davor eingeführt:

(11) Bokap gua uda meninggal. Meninggal-nya itu taun sembilan lima.

(12) kan itu beli-nya di Kupang.

Manche Konstruktionen ähneln ihrer Struktur nach normalen Subjekt-Prädikat-Konstruktionen, nur mit dem Unterschied, daß das Verb nominalisiert ist:

(13) Dia udah dateng-nya telat.

-nya als Pronominalmarker

Zusammen mit seiner Funktion als Possessivmarker der 3. Person ist die andere wichtige Funktion von -nya die Verwendung als Pronominalmarker für die 3. Person, und zwar bei transitiven Verben als Objektpronomen in agensorientierten Formen und als Urheber bei patiensorientierten Formen. Was letzteres angeht, ist dies laut Englebretson nicht in der Umgangssprache von Yogyakarta nachweisbar. Sneddon gibt ein Beispiel aus der Umgangssprache von Jakarta:

(14) Kalo mama gua minta uang lima puluh ribu nih, dikasihnya dua ratus ribu.

In anderen Beispielen aus Englebretsons Yogyakarta-Korpus, die den Anschein ähnlicher Konstruktionen erwecken, bezieht sich -nya ausschließlich auf unbekannte oder irrelevante Urheber:

(15) udah nggak enak dilihat-nya.

Was die agensorientierten Formen angeht, bemerkt Sneddon, daß in der Standardsprache -nya nur stehen kann, wenn das Verb das meN-Präfix trägt. Dies ist in der Umgangssprache nicht der Fall:

(16) gimana cara dapetin-nya?

In der Standardsprache müßte die Form entsprechend mendapatkan-nya lauten.

-nya als Adverbialmarker

-nya kommt auch bei der Bildung von Adverbien ins Spiel. Z.B. wird im folgenden Beispiel aus dem Adjektiv biasa ‚gewöhnlich, normal‘ das Adverb biasa-nya ‚gewöhnlicherweise, normalerweise‘:

(17) Biasa-nya meréka tu paké jakét.

Auch gibt es ein Konstruktion mit se-nya, was ein Modaladverb bildet:

(18)
A: Kapan pindah La.
B: Ya e se-cepat-nya.

Englebretson geht nun en detail auf die Verwendungsweise von -nya als „framing device“ ein, d.h. -nya bildet eine Reihe von satzadverbialen Ausdrücken, die epistemische Bedeutung aufweisen. Ich habe an anderer Stelle eine auf Englebretson 2003 basierende Auflistung erstellt und möchte es an dieser Stelle bei drei Beispielsätzen belassen:

(19) kata-nya dikasih temennya

(20) untung-nya Si Agnes kerasa ya?

(21) pokok-nya temen-temen yang moto…

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Notizen zur Umgangssprache 4: in-Suffix

Oktober 12, 2009

Bei den transitiven Verben gibt es zusätzlich zu den Suffixen -kan und -i, die auch in der Standardsprache vorkommen, in der Umgangssprache zusätzlich noch ein aus dem Balinesischen stammende Suffix -in, womit sich Sneddon in Kapitel 2.7 beschäftig. Dieses kann in vielen Fällen anstelle von -kan und -i treten, wie z.B. die beiden folgenden Beispiele:

(1) Papi Sandy beliin Sandy organ.

(2) Gua ngedeketin dia untuk jadi pacar gua.

In der Standardsprache kann -i nicht nach auf -i endenden Verbstämmen folgen, in der Umgangssprache gilt dies für -in nicht: bukti-in ‚beweisen‘. Andererseits kann -in die Suffixe -kan und -i nicht ersetzen, wenn diese Suffixe zusammen mit den Präfixen ter- oder ber- auftreten.

Sneddon stellt zudem fest, daß einige Verben, die in der Standardsprache ohne -kan oder -i stehen, können in der Umgangssprache mit -i stehen, wobei der Gebrauch des Suffixes hier jedoch optional ist:

  • bantu(in) ‚helfen‘
  • coba(in) ‚(etwas) versuchen‘
  • jaga(in) ‚bewachen‘
  • liat(in) ’sehen‘
  • ajak(in) ‚drängen, einladen‘
  • tutup(in) ’schließen, bedecken‘
  • tunggu(in) ‚erwarten‘
  • ngajar(in) ‚lehren‘

Das folgende Beispiel zeigt, daß sogar in derselben Äußerung zwischen Formen mit und ohne -in variiert werden kann:

(3) Saya ngajarin daerah-daerah tertentu.. saya ngajar acting juga.

Schließlich weist Sneddon darauf hin, daß in manchen Fällen nicht dasselbe Verb mit den verschiedenen Suffixen auftritt, sondern in der Standard- und der Umgangssprache verschiedene Verbstämme zum Einsatz kommen:

  • ‚hinstellen, hinlegen‘: Standardsprachlich letakkan, umgangssprachlich taruh
  • ‚verstecken‘: Standardsprachlich sembunyikan, umgangssprachlich umpetin

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Notizen zur Umgangssprache 3: an-Suffix

Juni 19, 2009

Ich hatte in einem früheren Beitrag (Teil I und Teil II) die Verwendung dieses Suffixes in der Standardsprache und einige seiner Verwendungsweisen in der Umgangssprache beschrieben. Mithilfe von Kapitel 2.6 von CJI möchte ich nun hier ein vervollstädigtes Bild zeichnen. Es ist zu beachten, daß aufgrund dieser Vorgeschichte dies keine bloße Wiedergabe von CJI ist, sondern eine Synthese verschiedener Quellen, inkl. IndoSlang.

Allgemeiner Überblick

Die Nachsilbe wird in der Standardsprache folgendermaßen verwendet, wie auch in einem früheren Beitrag beschrieben:

  1. Bildung von Nomen, abgeleitet von Nomen und Verben, teilweise mit Reduplikation
  2. Bildung von Adjektiven, in der Regel abgeleitet von Nomen und Adjektiven
  3. Bildung von Adverbien, in der Regel abgeleitet von Nomen, Verben und Adjektiven bei gleichzeitiger Reduplikation der Wurzel
  4. Bildung von reziprokalen Verben, wobei  hier noch das Präfix ber- hinzutritt und je nach Art der Analyse auch von einem Zirkumfix ber- -an die Rede sein kann.

Was 1.-3. angeht, gilt dies auch für die Umgangssprache, doch kommen zwei Verwendungsweisen hinzu, die für die Umgangssprache typisch sind:

  1. Komparativbildung bei Adjektiven, wie in dem besagten Beitrag ebenfalls kurz angeschnitten
  2. Ableitung von Adverbien von Adjektiven ohne Reduplikation der Wurzel

 Was 4. angeht, unterscheidet sich die Umgangssprache insofern, daß hier kein ber-Präfix auftritt, sondern mithin das -an-Suffix allein ausreicht, um ein reziprokales Verb zu bilden.

Komparativbildung bei Adjektiven

Komparativ bei Adjektiven, wobei dieselbe Konstruktion wie in der Standardspache, mit lebih laut Sneddon häufiger ist. baik „gut“ hat, wie in vielen Sprachen der Welt, in der Umgangssprache eine Suppletivform: mendingan.

(1) Yang kencengan dikit, dong.

(2) Pinteran gua dibandingin elu. 

Ableitung von Adverbien

Manche Adjektive bilden auch Adverbialformen vermittels -an,  wobei dies anders als in der Standardsprache, wo dies in der Regel mit einer Reduplikation der Wurzel einhergeht, in der Umgangssprache nicht der Fall ist. Generell gilt aber, daß dies nicht übermäßig produktiv ist, die Bedeutung schwer vorhersagbar ist und daher von Fall zu Fall gelernt werden sollte.

Beispiele sind Wörter wie benaran von benar, auch barusan von baru, wobei man das eingeschobene /s/ beachte.

(3) Murah! Beneran murah!

Bildung von reziprokalen Verben

Ich verzichte hier auf Beispiele, da dieser frühere Beitrag bereits viele enthällt. CJI weist jedoch darauf hin, daß es einige Verben auf -an in der Umgangssprache gibt, die kein Gegenstück auf ber- -an in der Standardsprache aufweisen. (4) zeigt ein nicht-reziprokales Verb, latihan „trainieren“, welchem in der Standardsprache berlatih entspricht, und (5) ein reziprokales Verb temenan „befreundet sein mit“, das in der Standardsprache berteman ist (es könnte sich hierbei um einen Fall von Haplologie handeln, ähnlich wie beim dt. Zauberer vs. Zauberin)

(4) Lagi latihan tablo.

(5) Mungkin gua lebih milih temenan sama céwék Barat.

 

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Notizen zur Umgangssprache 2: ke-Präfix

Juni 12, 2009

Die in Kapitel 2.3 und 2.4 behandelten Verbpräfixe ber- und meng- habe ich an anderer Stelle schon behandelt. In Kapitel 2.5 geht es um das ke-Präfix, das in der Umgangssprache einige Funktionen von ter- übernehmen kann, und welches von vielen Sprachpuristen als nichtstandardsprachlich abgelehnt wird.

Das ter-Präfix in der Standardsprache

Zunächst müssen wir uns in Erinnerung rufen, in welchen Funktionen ter- in der Standardsprache verwendet wird:

  1. Superlativ von Adjektiven: terbaik „am besten“, terendah „am niedrigsten“
  2. feststehende adverbiale Ausdrücke: terlalu „zu sehr“, termasuk „inklusive“, ternyata „klar“, terserah „das hängt von dir ab„, terutama „insbesondere“.
  3. Es kann auch mit Verben stehen: a. stativische Verben, die einen Zustand bezeichnen wie terletak „sich befinden“ oder tertulis „geschrieben stehen“; 3b. nonintentionale Verben („accidental verbs“), die ein unkontrollierbares Ereignis bezeichnet, je nach Verb kann dies ein ungewolltes, unerwartetes, urheberloses, unbeabsichtigtes oder plötzliches Ereignis sein;  3c.  abilitative Verben, die aussagen, daß das Subjekt in der Lage ist, die Handlung auszuführen (oder nicht, bei entsprechender Negation).

Ersetzung durch ke- bei nonintentionalen und bei abilitativen Verben

ke- kann in der Umgangssprache nur bei  3b. und 3c. an Stelle von ter- treten, welches jedoch auch in der Umgangssprache auftreten kann. Sehen wir uns zunächst Beispiele für 3a., 3b. und 3c. mit ter- in der Umgangssprache an, (1) ist ein Beispiel für 3a, (2) für 3b und (3) für 3c:

(1) gua suka ngeliat céwék-céwék yang rambutnya panjang dan terawat.

(2) tapi kalo dia terpaksa, ya gua kasian gitu.

(3) trus benda-benda yang tidak terlihat, misalnya kayak santet segala macem, itu lebih gampang masuk ke rumah.

Wie oben erwähnt, kann bei einem stativischen Verb wie in (1) ke- nicht an die Stelle von ter- treten, wohl aber ist es bei (2) und (3) möglich. (4) ist ein entsprechendes Beispiel für ein nonintentionales Verb und (5) für ein abilitatives:

(4) kadang-kadang Trisna bilang, „San, jangan kemakan ama cinta aja“.

(5) tulisannya kebaca, nggak?

Ein wichtiger Hinweis ist noch, daß in den Kombinationen ter- -kan und ter- -i weder das Präfix durch ke– noch das Suffix durch -in ersetzt werden kann.

ke-Verben ohne ter-Widerpart

Einige Verben in der Umgangssprache treten mit ke- auf, ohne daß sie in der Standardsprache sonst mit ter- stehen würden. Sie scheinen auch keine Ableitung darzustellen. Dies scheint ein Einfluß des Javanischen zu sein:

  • ketemu „treffen“, wofür in der Standardsprache in der Regel bertemu steht
  • kepengen „wollen“, welches in der Umgangssprache auch suffixlos pengen gebraucht wird. Beide entsprechen dem standardsprachlichen ingin
  • keterima „angenommen werden (Bewerbung o.ä.)“ hat in der Standardsprache kein *terterima, nur diterima. Gua ngelamar, belom tentu keterima. „Ich habe mich beworben, aber es ist noch unklar, ob ich angenommen werde.“
  • ketimbang „verglichen mit“ (ohne Präposition!) ist standardsprachlích dibandingkan dengan. Als Übergangsform zwischen Standardsprache und Umgangssprache gibt es auch dibandingin. Itu lebih puas ketimbang harus kerja. „Das ist besser als arbeiten zu müssen“.
  • ketewa „lachen“ hat zwar eine Entsprechung mit ter- in der Standardsprache, nämlich tertawa, aber es ist einer Erwähnung wert, weil die Form mit ter- in der gesprochenen Sprache praktisch nichtexistent ist. Selbst in Meetings fällt tertawa in Sneddons Daten nur ein einziges Mal.

Notizen zur Umgangssprache 1: initiales /s/

Juni 5, 2009

Dies ist der erste Beitrag, der auf Sneddons Colloquial Jakarta Indonesian basiert, eine Untersuchung der modernen Jakartaer Umgangssprache. Kapitel 2.0 und 2.1 besprechen von mir bereits in mehreren Beiträgen erwähnte phonologische Veränderungen in der Umgangssprache, 2.1 geht insbesondere auf den Wechsel von /a/ zu Schwa in manchen Wörtern in der Umgangssprache ein. In Kapitel 2.2 behandelt er vier sehr häufige Wörter, bei der in der Umgangssprache initiales /s/ entfällt:

  • saja wird zu aja („nur“)
  • sudah wird zu udah („gerade, schon“)
  • sama wird zu ama („mit“)
  • sampai wird stets zu sampe, und oft auch zu ampe („bis“)

aja und udah

Für saja und sudah gibt Sneddon auch Zahlen an: in Unterhaltungen und in (von Helfern durchgeführten informellen) Interviews werden die informalen s-losen Varianten zu mehr als 90% verwendet, aber auch in Meetings tritt aja zu über 50% und udah zu immerhin rund 30% auf.

(1) Dia diem-diem aja, ya?

(2) Udah siap-siap buat kuliah, belom?

ama

Das Verhältnis zwischen sama und ama ist komplizierter. sama gerade in der Umgangssprache ist ein so vielseitig verwendbares Wort, daß es einen eigenen Beitrag verdient. Die s-lose Variante kann, wenn auch nicht übermäßig häufig, auftreten, wo sama als Präposition verwendet wird wie in (3) und (4).

(3) Gua bingung ama nyokapnya dia loh.

(4) gua dijemput ama Fido.

sama kann auch als Adjektiv im Sinne von „gleich“ verwendet werden, wo es nicht ersetzt werden kann.

(5) Kebetulan hobinya sama.

Auch in verschiedenen Wendungen kann es nicht ersetzt werden, als Beispiel werden sama sekali (tidak) „überhaupt (nicht)“, sama dengan „dasselbe wie“ und kerja sama „zusammenarbeiten“ genannt. Letzteres steht aber mit der Präposition sama, welche dann wie in (6)  ohne /s/ stehen kann:

(6) Buka sekola balet, kerja sama ama orang Korea.

ampe

Sneddon gibt keine Zahlen, sondern sagt lediglich, daß sampai, welches laut den phonologischen Regeln der Umgangssprache stets sampe gesprochen wird, „manchmal“ auch sein /s/ verlieren kann.

(7) Kok brani sih ampe pinjem duit ke orangtuanya gitu?

Die Übersetzungen der Beispielssätze folgen

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Die Umgangssprache des Indonesischen

Juni 3, 2009

Bei jeder „großen“ Sprache*) gibt es gewisse Unterschiede, wie sie im Alltag verwendet wird, und wie sie in offiziellen Situationen verwendet wird, in der Schule und Universität, in der Privatwirtschaft und in der Regierung. Ersteres wird von Kindern ganz natürlich erworben, und letzteres muß mühsam erlernt werden. Der Einfachkeit halber werde ich das eine als Umgangssprache bezeichnen und das andere als Standardsprache.

Auch beim Indonesischen gibt es diese Unterschiede, die sich in Aussprache, Grammatik und Wortschatz zeigen. Verkompliziert wird das Bild jedoch dadurch, daß es zwar auf der einen Seite eine kodifizierte Standardsprache gibt, das sogenannte Bahasa Indonésia yang baik dan benar „das gute und richtige Indonesisch“, dem aber viele verschiedene regionale Varianten der indonesischen Umgangssprache stehen, die zweifelslos auch von den zahlreichen Regionalsprachen beeinflußt sind. In diesem Beitrag zur Verbmorphologie z.B. können selbst für Jakarta zwei Varianten unterschieden werden, das sogenannte Jakarta-Indonesisch und das Betawi, die Umgangssprache der altansässigen Einwohner Jakartas, die prozentual heute nur noch einen verschwindend geringen Anteil darstellen.

Eines der Anliegen dieses Blog ist es, neben den verschiedenen Aspekten der Standardsprache auch die Umgangssprache zu behandeln, zumal diese häufig im Indonesisch-als-Fremdsprache-Unterricht vernachlässigt wird, Beiträge zum Thema Umgangssprache sind hier zun finden. Zudem erwähne ich  in der Bibliographie u.a. zwei Bücher zum Jakarta-Indonesischen, Indonesisch Slang von Bettina David, und Colloquial Jakarta Indonesian von Robert Sneddon. Auch Searching for structure – The problem of complementation in colloquial Indonesian conversation von Robert Englebretson hat ein einführendes Kapitel, das die Eigenheiten der Umgangssprache, hier basierend auf der Variante von Yogyakarta, bespricht.

Gerade Sneddons Werk ist eine recht ausführliche Beschreibung der grammatischen Eigenheiten der indonesischen Umgangssprache, so daß ich in unregelmäßigen Abständen hier eine Serie von Beiträgen verfassen möchte, die die verschiedenen Bereiche anspricht, die Sneddon in CJI behandelt. Die Serie wird den Titel „Notizen zur Umgangssprache“ tragen.

*) bei nicht verschriftlichten Sprachen von Minderheiten ist es häufig so, daß die offiziellen Funktionen von der Amtssprache des betreffenden Landes übernommen werden. In Indonesien ist das Bild komplizierter, denn neben der einzigen Amtssprache Indonesisch gibt es an die 800 Regionalsprachen. Viele von ihnen haben eine sehr kleine Sprecherzahl, aber Sprachen wie das Javanische, Sundanesische, aber auch das Balinesische, haben Millionen von Sprechern und auch eine schriftsprachliche Tradition. Diese Sprachen, allen voran die größte Sprache, Javanisch, üben auch einen ungeheuren Einfluß auf das Indonesische aus, was vor allem in der Alltagssprache  zu vielen Entlehnungen geführt hat.


Präfixlose Verben

Mai 31, 2009

Wir wollen uns nun einem wichtigen Phänomen der Umgangssprache widmen, dem der präfixlosen Verben. Hierbei gibt es drei verschiedene Arten: Verben, die stets ohne Präfix auftreten (sog. kata aus), intransitive Verben, die in der Standardsprache normalerweise mit dem Präfix ber- stehen, und transitive Verben, die in der Standardsprache normalerweise mit dem Präfix meng- stehen. Um zu verstehen, wie diese Verben in der Umgangssprache verwendet werden, müssen wir auf dem aufbauen, was in der Standardsprache üblich ist.

kata aus

Einige häufig verwendete Verben stehen stets ohne Präfix. Sneddon listet die folgenden Verben (als Auswahl!) auf:

  • bangun „aufwachen“
  • benci „hassen“
  • cinta „lieben
  • datang „kommen“
  • duduk „sitzen“
  • gagal „scheitern“
  • hidup „leben“
  • ikut „folgen“
  • ingat „erinnern“
  • jatuh „fallen“
  • kembali „zurückkommen“
  • lenyap „verschwinden“
  • lulus „(Prüfung o.ä.) bestehen“
  • lupa „vergessen“
  • mandi „waschen“
  • masuk „betreten, hineingehen“
  • mati „sterben“
  • menang „gewinnen“
  • mulai „beginnen“
  • percaya „glauben“
  • pergi „gehen“
  • pindah „umziehen“
  • pulang „nach Hause gehen“
  • selesai „enden“
  • tahu „wissen“
  • tenggelam „sinken“
  • terbang „fliegen“
  • tiba „ankommen“
  • tidur „schlafen“

Diese Verben sind sämtlich intransitiv und stehen immer ohne Präfix. Man beachte, daß manche transitive Verben mit entsprechender Affigierung bilden können, z.B. menidurkan „zu Bett bringen“ von tidur „schlafen“, oder mencintai „lieben“ von cinta „lieben“.

intransitive Verben auf ber-

Die weitaus größte Anzahl von intransitiven Verben tritt mit dem ber-Präfix auf, das auch äußerst produktiv Verben von Nomen ableitet. In der Umgangssprache kann es laut Sneddons CJI bei einigen wenigen Verben weggelassen werden, wie z.B. bei (ber)jalan „gehen“, (be)kerja „arbeiten“ (ber)tanya „fragen“, (ber)pikir „denken“ und (ber)bicara „sprechen“. Diese Verben treten in der Umgangssprache mehrheitlich präfixlos auf, d.h. in der Umgangssprache sind sie zu den kata aus zu rechnen. (Eine weitere Kategorie sind ber- -an-Verben mit reziprokaler Bedeutung, bei denen in der Umgangssprache durchweg das ber- entfällt, was jedoch an anderer Stelle diskutiert wird.)

Ansonsten ist laut Sneddon dieses Präfix auch in der Umgangsprache recht häufig, wobei es selten zu be- reduziert werden kann, was einen Einfluß des Betawi darstellt: kita bedua „wir zwei“, bedarah „bluten“ und becanda „scherzen“. (In bekerja ist eine in der Standardsprache regelmäßige Reduktion aufgrund des /r/ in der Wurzel)

transitive Verben auf meng-

Mit einigen häufigen Verben kann auch in der Standardsprache Ausfall des Präfix eintreten, zu nennen wären hier makan, minum, minta, mohon. Teilweise gibt es auch Bedeutungsunterschiede: während dapat sowohl „können“ als auch  „bekommen“ bedeuten kann, hat die präfigierte Form mendapat nur die Bedeutung „bekommen“. Eine weitere Ausnahme stellt das Verb mengerti dar. Ursprünglich kommt dies von der Wurzel arti „Bedeutung“, aber das Präfix meng- scheint als Teil der Wurzel reanalysiert worden zu sein, denn in der Passivform fällt dies in der Regel nicht aus, so daß wir Formen wie dimengerti „verstanden werden“ vorfinden.

In der Umgangssprache steht in der Regel anstelle des meng-Präfix eine reduzierte Form ng-. Wie wir schon festgestellt haben, sind aber die Grenzen zwischen Umgangssprache und Standardsprache fließend, so daß Sprecher auch zwischen meng- und ng-Präfix hin- und herwechseln.Wouk (2004)  hat die Formen mit meN– und N– verglichen und kommt zum Schluß, daß neben einem Unterschied an Formalität meng-Formen einen geringeren Grad an Transitivität aufzuweisen scheinen als die ng-Formen.

Gleichzeitig ist es in der Umgangssprache sehr häufig, daß transitive Verben ganz ohne Präfix auftreten. Dies ist aber nicht komplementär wie bei ber-, sondern als ein Nebeneinander zu verstehen.  Wouk (2004a) vergleicht präfigierte und unpräfigierte transitive Verben. Die folgenden Formen wurden hier verglichen

  • die klar mit meN- oder N- markierten Verbformen wurden als actor trigger (AT) definiert
  • die klar mit di- markierten Formen und die Verbformen, die direkt ein enklitisches Pronomen aufweisen (kukontrak / saya kontrak „von mir gemietet“), wurden als patient trigger (PT) definiert.
  • alle affixlosen Verbformen, deren synktaktische und diskursivische Eigenschaften mit denen von AT und PT verglichen wurden.

Im großen und ganzen kommt Wouk (2004a) zum Schluß, daß die affixlosen Verbformen sich eher wie AT-Formen verhalten und daher als Variante von diesen zu sehen sind, was auch dem von mir hier gewählten Ansatz entspricht. Jedoch gibt es Abweichungen in drei Punkten:

  • Modus: Während AT-Formen zu 60% im Indikativ stehen und zu 40% im Irrealis, gleichen sich PT-Formen und affixlose Verbformen darin, daß sie jeweils zu 80% im Indikativ auftreten.
  • Aktionsart: Während AT-Formen zu 70% bei punktuellen Verben (eine abgeschlossene Handlung bezeichnend) stehen, ist dies bei PT-Formen und affixlosen Formen nur bei rund 30%-40% der Fall.
  • Narrative Zeitachse: In der Diskurslinguistik wird zwischen Verben unterschieden, die eine Handlung in der narrativen Zeitachse bezeichnen („foregrounding“) und solchen, deren Handlung nicht auf der narrativen Zeitachse liegt („backgrounding“). Zwar ist eine  solche Einteilung bei Unterhaltungen naturgemäß schwierig, aber auch hier scheint der Trend klar: während AT-Formen nur bei 25% der Fälle auf der narrativen Zeitachse, geschieht dies bei PT-Formen und affixlosen Formen bei 40%-50%.

 Es läßt sich also festhalten, daß affixlose Formen im Grunde AT-Formen sind, die in einigen Aspekten eine geringere Transitivität aufweisen. Wichtig für den Lernenden: dies sind lediglich Tendenzen, doch die Ergebnisse deuten darauf hin, daß man als Nichtmuttersprachler die affixlosen Formen und die AT-Formen frei variieren kann. Ein Gespür für die genaueren Nuancen kann man nur durch langjährige Sprachpraxis erwerben.

Intransitive Verben auf meN-

Wie Sneddon feststellt, gibt es einige intransitive Verben auch auf meN-. Die Zahl ist bei weitem geringer als die der transitiven, aber die folgende Liste stellt nur einen Ausschnitt dar:

  • menangis  (Wurzel tangis) „weinen“
  • mendidih (Wurzel didih) „kochen“
  • menyerah (Wurzel serah) „aufgeben, kapitulieren“
  • mengungsi (Wurzel ungsi) „fliehen“
  • melapor (Wurzel lapor) „Meldung machen“
  • meledak (Wurzel ledak) „explodieren“
  • menyanyi (Wurzel nyanyi) „singen“
  • menyuruk (Wurzel suruk) „sich ducken, sich verstecken“
  • mengeluh (Wurzel keluh) „sich beschweren“
  • menelentang (Wurzel lentang) „sich auf den Rücken legen“
  • meluncur (Wurzel luncur) „rutschen“
  • menginap (Wurzel inap) „übernachten“
  • menikah (Wurzel nikah) „heiraten“
  • melompat (Wurzel lompat) „springen“

Wichtig ist, daß diese Verben in der Umgangssprache nie affixlos auftreten können. Jedoch kann auch hier das meng-Präfix gemäß den in der Umgangssprache üblichen Regeln zu ng– reduziert werden: menangis wird zu nangis, menikah zu nikah, und so fort.

Manchmal gibt es Variation bei manchen intransitiven Verben, die sowohl mit ber- als auch mit meN- stehen können, oder auch präfixlos. Bei manchen gibt es keinen Bedeutungsunterschied (Quelle Sneddons ICG):

  • bernyanyi, menyanyi „singen“
  • berderit, menderit „schreien“
  • berteduh, mendeuh „Zuflucht suchen“
  • berdengkur, mendengkur „schnarchen“
  • berbekas, membekas „eine Spur hinterlassen“
  • berdoa, mendoa „beten“
  • bersebar, menyebar „sich ausweiten“
  • berludah, meludah „spucken“

Bei manchen gibt es einen klaren Bedeutungsunterschied (Quelle Sneddons ICG):

  • tinggal „wohnen“ und meninggal „sterben“
  • pulang „nach Hause gehen“ und berpulang „sterben“
  • lari „rennen, fliehen, entkommen“ und berlari „laufen“

Das meng-Präfix in der Umgangssprache

Mai 27, 2009

In einem früheren Beitrag war davon die Rede, wie das meng-Präfix in der Standardsprache funktioniert. Nun wollen wir uns ansehen, wie dies in der Umgangssprache aussieht. Ich möchte mich bei der Beschreibung jedoch auf den Kernwortschatz beschränken, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Ich habe an anderer Stelle bemerkt, daß der Unterschied zwischen der informellen Umgangssprache und der formalen Standardsprache fließend sind. Gerade gebildete Sprecher neigen dazu, den Grad der Formalität der jeweiligen Situation anzupassen. Fremdwörter gehören typischerweise einem formalen Register an, so daß man hier problemlos den Regeln der Standardsprache folgen kann.
  • Angesichts der geringen Anzahl von Beschreibungen der informellen Umgangssprache fehlen gute linguistische Beschreibungen, die Verben aus dem Fremdwortschaft abdecken. Google liefert bei einzelnen Verben Hinweise, daß wie beim Standardwortschaft bei einigen häufig gebrauchten Verben eine entsprechende Anpassung auch hier zu erwarten ist, aber genauere Untersuchungen stehen hier noch aus.

In der Standardsprache tritt das meng-Präfix in drei Allomorphen auf: meng-, meN- und me-:

  1. meng-: Bei Wurzeln, die mit Vokal oder h (h wird häufig in der Phonetik als Pseudofrikativ bezeichnet, da in der Regel keine Friktion vorliegt) bleibt meng– so, wie es ist.
  2. Assimilation von meng-: Bei Wurzeln, die mit einem Obstruenten (p, t, k, b, d, g, s, c, j) beginnen, tritt Assimilation an den Artikulationsort ein, mit gleichzeitigem Ausfall von stimmlosen Obstruenten mit Ausnahme von c, während stimmhafte Obstruenten (und c) erhalten bleiben.
  3. me-: Bei allen Sonoranten (m, n, ng, ny, l, r) wird meng- zu me-.

In der Umgangssprache kann man auch nicht mehr vom meng-Präfix sprechen, sondern eher vom ng-Präfix, da me- regelmäßig wegfällt. Das Präfix tritt in drei bis vier Allomorphen auf, die anders verteilt sind als die der Standardsprache:

  1. Assimilation von ng- mit Ausfall: bei stimmlosen Obstruenten (p, t, k, s, c) tritt genauso wie in der Standardsprache eine Assimilation der Anfangslautes der Wurzel ein, bei gleichzeitigem Ausfall derselben, d.h. effektiv wird nur der Anfangslaut zum Nasal mit gleichem Artikulationsort. D.h. pake „benutzen“ wird zu make, tulis „schreiben“ zu nuliskirim „senden“ zu ngirim, suruh „veranlassen“ zu nyuruh. Anders als in der Standardsprache stellt /c/ hierbei keine Ausnahme dar: cari „suchen“ wird ganz regelmäßig zu nyari.
  2. Assimilation von ng- ohne Ausfall: bei den stimmhaften Obstruenten (b, d, g, j) gibt es einige Sprecher, die ebenfalls das Präfix entsprechend assimilieren, und den Obstruenten beibehalten. Beispielsweise wird bayar „bezahlen“ zu mbayar, dukung „unterstützen“ zu ndukunggonggong „bellen“ zu nggonggong und jemput „abholen“ zu njemput. Dies entspricht den Gegebenheiten im Javanischen und tritt vor allem bei älteren Sprechern mit javanischen Hintergrund auf. Selbst bei diesen Sprechern scheint dies jedoch seltener aufzutreteden als die allgemein übliche Variante, nämlich nge-, welches weiter unten besprochen wird.
  3. ø-: vor Nasalen steht in der Regel eine Nullform, obwohl Sneddons CJI zwei Verben auf /n-/ erwähnt, die auch mit nge- belegt sind: nge-noda-in „beflecken“ von noda und nge-nilai „bewerten“ von nilai. In der Regel findet man jedoch Formen wie mainin „spielen“, nikmati „genießen“, nyanyi „singen“ usw.
  4. nge-: kann vor allen anderen Konsonanten stehen, mit Ausnahme von /p, t, k, s, c/. Bei /l, r, h, y/ ist es die einzig mögliche Form:  liat  „sehen“ wird zu ngeliatrasa „fühlen“ zu ngerasa, hancur-in „vernichten“ zu ngehancurin, yakin-in „überzeugen“ zu ngeyakinin*. Bei /b, d, g, j/ ist es die häufigere Form, die unter 2. genannten Beispiele wären entsprechend ngebayar „bezahlen“, ngedukung „unterstützen“, ngegonggong „bellen“ und ngejemput „abholen“. Bei den Nasalen /m, n, ng, ny/ ist es eher üblich, daß eine Nullform bzw. gar kein Präfix steht. Bei Vokalen steht ng-, wobei in der Umgangssprache zu beachten ist, daß wortinitiales /h-/ sehr oft ausfällt und dieselbe Regel zur Anwendung kommt. Beispiele: ajar „lehren“ wird zu ngajar, erti „verstehen“ wird zu ngerti**,  und das oben angeführte hancur-in „vernichten“ kann bei Ausfall von /h/ entsprechend ngancurin.

Zwei weitere Anmerkungen: anders als in der Standardsprache unterliegt auch das Präfix per- dem Ausfall, d.h. während es in der Standardsprache memperhatikan „beachten“ heißt, ist es in der Umgangssprache merhatiin. Es sollte aber beachtet werden, daß kausativisches -kan in der Umgangssprache häufig durch eine periphrastische Konstruktion mit kasih „geben“ ersetzt wird, was wir aber ebenfalls an andere Stelle besprechen wollen.

Die zweite Anmerkung bezieht sich auf den Einsatz von nge-, ähnlich menge- in der Standardsprache, bei einsilbigen Verbwurzeln, Wurzeln mit Konsonsantenclustern und bei als fremd empfunden Wurzeln:

  1. ngepak „packen“, ngetés „testen“, ngecék „prüfen“. Da einsilbige Wurzeln dem Malaiischen fremd sind, handelt e ssich in der Regel um Lehnwörter.
  2.  ngetrénd „zum Trend werden“, ngestabilin „stabilisieren“. Auch hier gilt: da wortinitiale Konsonantencluster dem Malaiischen fremd sind, sind dies Fremdwörter.
  3. daher liegt es nahe, daß dies auch bei ad-hoc-Entlehnungen aus dem Englischen zum Einsatz kommt: nge-handle, nge-back-up, nge-cut. (vgl. Beitrag zu nge-freeze, nge-hang)

 

*Mir ist klar, daß Wörter auf /y/ nicht zum Kernwortschatz gehören. Da dies jedoch ein Beispiel aus Sneddons CJI ist, habe ich beschlossen, dies nichtsdestotrotz ebenfalls aufzuführen.

**mengerti/erti verhält sich in beiden Registern ein wenig unregelmäßig, was aber einen eigenen Beitrag wert ist.


Obamas Indonesisch

Juli 14, 2008

Es ist vielen bekannt, daß Obama, obwohl in Hawai’i geboren, vier Jahre seiner Kindheit in Jakarta verbracht hat. Seine Mutter hatte nach der Scheidung von seinem kenianischen Vater einen Javaner geheiratet. Nun wurde auf dem Language Blog die Frage aufgeworfen, wie es denn um Obamas Indonesisch steht.

Der bisherige Stand scheint widersprüchlich zu sein. Manche Quellen sagen, daß er nie richtig Indonesisch gelernt habe und führen diverse Kindergärtnerinnen und Spielkameraden an, aber es bleibt bei vielen der angeführten Aussagen unklar, auf welche Zeit sie sich beziehen. Denn als er gerade in Indonesien angekommen war, konnte er kein Wort. Aber es bleibt natürlich nicht aus, wenn man vier Jahre lang im Alter von sechs bis zehn auf eine Schule vor Ort geht, daß man auch die Sprache erlernt, jedenfalls zu einem gewissen Grad. Da gerade viele biographische Details Gegenstand von Diffamierungskampagnen sind ( so z.B. die in diversen Massenemails wiederholte Behauptung, er sei Moslem und sei auf eine pesantren (indonesisches Äquivalent zu einer religiösen Madrasa) in Jakarta gegangen), ist es kein Wunder, daß auch die Frage, wie gut er indonesisch sprechen gelernt hat, umstritten ist. So soll Obama gesagt haben, daß es innerhalb eines halben Jahres Indonesisch gelernt habe, aber an anderer Stelle wurde er auch mit der Aussage zitiert, daß er leider keine Fremdsprache spräche. Und die bekannte Urban-Legends-Aufklärungsseite Snopes hingegen zitiert einen TIME-Artikel aus dem Jahr 2007:

When prominent Indonesians visit the U.S., the first person they want to meet is Obama, says Parnohadiningrat Sudjadnan, the Indonesian ambassador to the U.S. „Back home people think of him as one of us, or at least one who understands us,“ he says, adding that they are delighted to find that Obama speaks passable Bahasa, the language spoken in Indonesia and Malaysia.

Nach meiner persönlichen Einschätzung hat er wohl als Kind ein wenig sprechen gelernt (s.u.), hat dies aber sicherlich danach wieder verlernt, denn nichts in seiner weiteren Biographie deutet darauf hin, daß er später die Gelegenheit wahrgenommen hätte, weiter Indonesisch zu sprechen oder zu lernen. Solche Fälle sind mir auch persönlich bekannt, daß Menschen als kleine Kinder eine Sprache durchaus ihrem damaligen Alter angemessen sprachen, sie aber später vollkommen verlernt haben. Selbst die wenigen Floskeln, die sie kennen, sprechen sie mit dem Akzent ihrer dominanten Sprache. Wie die Aussage des Botschafters dazu paßt? Meine Meinung ist dies ein Beispiel für indonesische Höflichkeit. Es wäre undenkbar, daß der Botschafter sagen würde, Obama würde nur ein paar Floskeln beherrschen. Der Languagelog hat eine Anfrage an die Obama-Kampagne geschickt (und auch an die von McCain über dessen Sprachfähigkeiten). Wir sind gespannt.

Nachtrag:

Am 24. Juli hat Ben Zimmer, einer der Mitautoren des Language Log, folgendes festgestellt:

On July 11, according to CBS News, Obama said: „I don’t speak a foreign language. It’s embarrassing!“ But on July 24, he told ABC’s Jake Tapper, „My German is not real good. I can speak Bahasi Indonesian [sic] but I don’t think…there would be a lot of appeal to that.“ I presume Tapper misheard Obama using the correct name of the language, Bahasa Indonesia.

Obwohl diese Bemerkung auf dem ersten Blick die Rolle des Indonesischen in der Welt geringzuschätzen scheint, ist sie im Kontext zu sehen: Jake Tapper sprach mit Barack Obama vor seiner Rede in Berlin, und der bezog sich darauf, daß er die Rede auf englisch und nicht auf deutsch halten würde, und den Zuhörern in Berlin hätte es sicherlich nichts gebracht, wenn er die Rede auf indonesisch gehalten hätte..

PS: Aus einem indonesischsprachigen Artikel zum Leben von Barack Obama:

Masa Kecil di SDN Menteng 01

Barack Obama, orang kulit hitam pertama yang kini dijagokan jadi calon presiden Amerika Serikat pada Pemilu 2008, dikenang oleh guru dan teman-temannya di SD Menteng, Jakarta, sebagai murid bertangan kidal yang cerdas.

Sosok kepemimpinan Barry memang sudah terlihat sejak bergabung dengan Pramuka sekolah. Pertama datang ke SDN 1 Menteng, Barry tidak bisa bahasa Indonesia. “Dia diantar ibunya, orang bule,” kenang Bandung Winardiyanto, kakak kelas Obama.

Karena teman-teman satu kelas tidak ada yang bisa bahasa Inggris, Barry pun kesulitan berkomunikasi. Layaknya siswa baru yang “antik”, pria kelahiran 4 Agustus 1961 itu kerap jadi bulan-bulanan teman sekolah.

“Dia (Barry) dijulukin Si Lentik Barry karena bulu matanya lentik sekali, rambutnya keriting khas orang Afrika,” ceritanya. Selain itu, Si Lentik pun dijuluki Si Hitam karena kulitnya berwarna gelap. “Tapi dia sih cuek aja dibilang gitu,” kata Bandung tertawa.

Meski tak bisa bahasa Indonesia lancar, Barry mudah bergaul dengan teman-teman seangkatan bahkan seniornya. Kenangan terindah bersama Barry ketika camping di sekolah.

“Kami senior dan junior menjabat sebagai Pramuka penggalang,” ungkapnya. Kegemaran Barry main tali-temali dan lomba lari. Pokoknya anaknya tak bisa diam, hiperaktif dan sering bertanya,” terang Bandung. Barry juga sering didaulat menjadi pemimpin regu.

“Dia tak pernah memilih-milih teman sampai suka jajan di kios Kamid,” ceritanya. Kios Kamid berdiri sejak tahun 60-an menjual permen, ciki-cikian (sejenis makanan ringan), dan cokelat. Kami sering jajan bareng,” katanya.

(Wortliste folgt unten)

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Verbmorphologie in der populären Umgangssprache

Mai 21, 2008

Ich hatte ja schon in einem vorherigen Eintrag den Irrglauben angeführt, daß man in der Umgangssprache einfach alle Verbaffixe weglassen würde. Das stimmt natürlich so nicht, aber die gesamte Situation ist ziemlich kompliziert, weswegen eine genaue Beschreibung den Rahmen dieses Blogs bei weitem sprengen würde. Ich werde versuchen, ein paar grundsätzliche Bemerkungen zu machen.

Welches Indonesisch?

Das Problem fängt zunächst einmal damit an, um welche Sprachform es sich handeln soll. Wouk (1989, 1999) unterscheidet zwischen drei verschiedenen Sprachvarianten, die weder in einem Diglossie-Verhältnis zueinander stehen noch in einer regelmäßigen Codeswitching-Situation. Die von Wouk unterschiedenen Varianten im einzelnen:

  • Standardindonesisch (SI): Die auf einer Variante des Hochmalaiischen basierende offizielle Amtssprache, die Gegenstand der Sprachplanung von Amts wegen ist. Es ist die Sprache, die im ganzen Land in den Schulen und Universitäten verwendet wird, und eine riesige Menge an Zweitsprachenlernen aufweist, die als Muttersprache eine von hunderten Regionalsprachen haben. Sie ist beeinflußt worden duch Sprecher des Betwai einerseits und des Javanischen andererseits, deren Sprecher die bevölkerungsstärkste und politisch mächtigste Gruppe in Indonesien darstellen. Von Sneddon (2006) FI (Formales Indonesisch) genannt.
  • Betawi: der Dialekt des Malaiischen, der sich seit der Zeit der Vereenigde Oostindische Compagnie im damaligen Batavia, jetzt Jakarta, entwickelt hat. Aus dem Völkergemisch der Holländerzeit entstand eine neue Volksgruppe, die anak Betawi, die sich des Malaiischen als lingua franca bediente. Betawi wird bis heute noch in Jakarta gesprochen, vor allem von den Angehörigen der Unterschicht.
  • Gesprochenes Jakarta-Indonesisch (SJI, Spoken Jakarta Indonesian). Diese Variante wird in Wouk 1989 als eigenständige Variante vorgeschlagen. Es handelt sich bei den Sprechern um eine Gruppe, die entweder ausschließlich Indonesisch spricht oder weitaus besser Indonesisch als eine Regionalsprache. Eine solche Situation ist typischerweise in gemischten Ehen zu beobachten, welche in städtischen Großräumen, die Menschen aus allen Teilen des Landes anziehen, eher anzutreffen sind als anderswo, so daß Sprecher des SJI typischerweise Angehörige der Mittelschicht in städtischen Gebieten sind, allen voran im Großraum Jakarta. Während üblicherweise die Situation gebildeter Sprecher in Indonesien so ist, daß sie sich in formalen Situationen des Standardindonesischen bedienen,und in informellen Situationen der jeweiligen Regionalsprache, ist es bei dieser Gruppe so, daß sie auch in informellen Situationen aufs Indonesische zurückgreifen. Gegen die Annahme, daß diese Sprecher sich in informellen Situation aufs Betwai zurückgreifen, also eine Diglossie mit Standardindonesisch in formalen Situationen und Betwai in nichtformalen, wendet sich Wouk und führt dabei an, daß in der Sprache von Betawi-Sprechern und SJI-Sprechern klare Unterschiede in den verschiedenen Registern zu finden seien. Ewing 2005 scheint sich gegen diese Sichtweise zu wenden, da dort das „colloquial Indonesian“ als „social style“ denn als Sprachvariante bezeichnet wird.

In diesem Blog hatte ich ursprünglich versucht, die Begriffe Umgangssprache und populäre Umgangssprache auseinanderzuhalten, wobei mit dem ersteren eher eine Umgangssprache im Sinne des Standardindonesischen und mit dem letzteren eher etwas im Sinne des Jakartaindonesischen gemeint war („populär“ in dem Sinne, da dies die Sprache der Unterhaltungsserien im Fernsehen ist). Im nachhinein betrachtet, scheint es so zu sein, daß ich jeden Eintrag, der in irgendeiner Hinsicht sich mit der Umgangssprache beschäftigt, unter der Kategorie „Umgangssprache“ abgelegt habe, und das, was darüberhinaus einen besonderen Bezug zum Jakartaindonesischen aufweist, zusätzlich noch unter „Jakarta“. (Fall ein Eintrag exklusiv zum Betawi handeln würde, könnte ich u.U. auf die Kategorisierung unter „Umgangssprache“ verzichten.) Die Übergänge sind auch ziemlich fließend, mit zahlreichen Überlappungen, so daß ich das wohl so fortführen werde.

Kurzübersicht über die Verbformen

Wouk (1989, 1999) hat für die drei angenommen Sprachvarianten die folgenden Unterschiede in der Verbmorphologie festgestellt. Dieser Teil soll nur die Kategorien erläutern, die Formen werden im Detail im zweiten Teil beschrieben.

  • intransitive Verben werden in der Regel durch ber- markiert, wie z.B. berjalan „gehen“. Einige wenige Verben auch durch meng-, wie z.B. menangis „weinen“. Diese zwei Gruppen unterscheidet Wouk als „statische“ und „aktivische“ Verben. (be- und ng- sind Formen, die Varianten von ber- und meng- sind, mehr dazu im zweiten Teil).
  • transitive Verben werden durch meng- markiert. Diese können im Passiv mit di- stehen (da dies für alle drei Varianten der Fall ist, habe ich der Übersichtlichkeit der Tabelle wegen di- weggelassen).
  • Manche transitive Verben stehen zudem noch mit einem weiteren Suffix, entweder -i oder -kan, ersteres meist mit Empfängern oder Orten als Objekt, letzeres mit den Nutznießern einer Handlung, oder mit einem Objekt, das zu einer Handlung veranlaßt wird. Betawi verwendet statt dessen -in für beides.
  • Es gibt eine Verbform, die ausdrückt, daß dem Subjekt die Absicht fehlt, die Handlung auszuführen, die durch das Verb ausgedrückt wird, das Subjekt also die Handlung versehentlich begangen hat, oder Opfer dieser Handlung geworden ist. (Manchmal kann es auch eine Potentialform sein). Im Standardindonesischen gibt es ter- und ke-an in dieser Funktion, obwohl es Grund zur Annahme gibt, daß ke-an im modernen Malaiischen nicht mehr produktiv war und durch den Einfluß des Javanischen, wo es eine häufig vorkommende Form ist, wieder an Bedeutung gewonnen hat. Im SJI gibt es nun auch ke-, welches auch im Javanischen vorhanden ist, allerdings auch im Betawi, weswegen hier der Nachweis schwierig ist, ob dies eine Übernahme aus dem Javanischen sein könnte.

SI

JI

Betawi

Intransitiv

 

 

 

Statisch

Aktivisch

ber

meng

ber, 0

meng, ng, 0

be, 0

ng, 0

Transitiv

 

 

 

Präfixe

Suffixe

meng

i, kan

meng, ng, 0

i, kan, in

ng, 0

in

Non-volitional

ter, ke-an

ter, ke-an, ke

ke-an, ke

 


Verkürzte Formen in der populären Umgangssprache

April 2, 2008

In einem früheren Beitrag habe ich mich mit den allgemein üblichen Lautveränderungen in der populären Umgangssprache beschäftigt. Es gibt daneben jedoch auch zahlreiche verkürzte Forme, die im folgenden aufgelistet werden sollen. Dabei geht es hier weder um Abkürzungen oder Akronyme, noch um die bei Verben üblichen Weglassungen der Vorsilben meN- und ber-, die in anderen Beiträgen besprochen werden sollen.

Funktionswörter

  • gimana < bagaimana: wie
  • ama, ma < sama: mit
  • dah < sudah: Aspektpartikel
  • en, n < dan: und
  • lom < belum: noch nicht

Einzelne Wörter

  • gini, gitu < begini, begitu: so, auf diese/jene Weise
  • dikit < sedikit: ein wenig
  • ntar, tar < sebentar: einen Moment
  • mayan < lumayan: geht so, ok.
  • rehat < istirahat: Pause
  • met < selamat: Bestandteil von Grußformeln

Wendungen

  • makasih < terima kasih: danke
  • tiati < hati-hati: Vorsicht!
  • ga(k) papa < tidak apa-apa: macht nichts; für die verschiedenen Varianten, die zur Verkürzung von tidak verwendet werden, s. den Eintrag zu kagak.
  • kéknya < kayaknya: es scheint so

Keine verkürzte Form, aber dennoch erwänenswert ist nyang, eine Variante von yang.

Viele der obigen Formen werden auch in IndoSlang besprochen, aber die meisten kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich werde diese Liste laufend aktualisieren, und wäre über Hinweise dankbar.


sehr

März 16, 2008

Es gibt im Indonesischen mehrere Wörter, die als Intensifikatoren fungieren können, vergleichbar dem deutschen Wort „sehr“. Üblicherweise sind es Adjektive oder Adverbien, die intensiviert werden, aber auch gewisse (meist Emotions-)Verben wie „mögen, ärgern“ gehören dazu. Der Einfachkeit halber werde ich im folgenden jedoch von Adjektiven sprechen.

sekali (nachgestellt)

Abgeleitet von kali, ist dies ein häufig verwendetes Wort, das dem Adjektiv nachgestellt wird.

  • Banyak sekali orang yang berbelanja di pasar.
  • Saya marah dan merasa kecewa sekali.

sangat (vorangestellt, u.U. nachgestellt)
Dieses Wort ist recht formal und wird dem Adjekt vorangestellt. Das KII führt an, daß es auch nachgestellt möglich sei, jedoch ist die vorangestellte Variante laut google weitaus häufiger als die nachgestellte.

  • Ongkos administrasi sangat tinggi.
  • Saya sangat mengerti.

amat (vorangestellt, ugs. nachgestellt)

Genauso wird dieses Wort dem Adjektiv vorangestellt. In der populären Umgangssprache wird es auch nachgestellt, was dem ganzen jedoch einen starken umgangssprachlichen Anstrich verleiht.

  • Kau amat membencinya sejak itu?
  • Marah amat si Lina.

betul & benar (nachgestellt)

Diese Wörter bedeuten „richtig“ bzw. „wahr“ und werden in der Umgangssprache als Intensifikatoren verwendet, indem sie dem Adjektiv nachgestellt werden.

  • Énak betul ayam ini.
  • Film itu bagus benar.

habis (nachgestellt)

In der populären Umgangssprache kann auch habis, oder mit Ausfall des /h/, abis in einer verstärkenden Bedeutung verwendet werden, wobei es dem Adjektiv nachgestellt wird:

  • Dia cantik habis!

banget & pisan (nachgestellt)

Diese Wörter entstammen dem Javanischen bzw. dem Sundanesischen, zwei Sprachen, die großen Einfluß auf das Jakarta-Indonesische haben, so daß beide Ausdrücke Eingang in die populäre Umgangssprache der Bahasa Indonesia gefunden haben. Sie werden dem Adjektiv nachgestellt; wahrscheinlich ist das javanische banget verbreiteter als das sundanesische pisan.

  • Soalnya, gua malu banget ama temen-temen.
  • Mahal pisan!

Weitere Wendungen

Es folgen ein paar Kombinationen und zusammengesetzte Fügungen, die in der Regel eine weitere Intensivierung bewirken, d.h. die Bedeutung „extrem, äußerst“ annehmen.

Die Kombination tidak begitu bedeutet „nicht sehr“:

  • rumahnya tidak begitu besar.

Dann wäre einen Kombination aus amat und sangat zu nennen, die „extrem“ bedeutet und dem Adjektiv vorangestellt ist.

  • dia amat sangat kaya.

Die Kombination aus sangat und sekali wiederum bedeutet „äußerst“:

  • Tutorial ini sangat bagus sekali.

Eine umgangssprachliche Fügung, die dem Adjektiv nachgestellt wird, ist setengah mati „halbtot“:

  • Ketika sampai di rumah Nani terkenjut setengah mati.

Dann gibt es eine Reihe von Zusammensetzungen mit bukan und einem anderen Wort: bukan main, bukan kepalang und bukan buatan. Sie können dem Adjektiv entweder vorangehen oder ihm folgen, wobei dieses in der Regel mit -nya markiert sein muß, obwohl bei der Hintanstellung auch Fälle ohne -nya vorkommen. (Wie formal oder nicht formal diese Ausdrücke sind, entzieht sich leider meiner Kenntnis.)

  • Di belakang gedung fakultas kedokteran di Salemba ada sebuah rumah sakit yang bukan main besarnya.
  • Bukan kepalang beraninya dan cerdiknya.
  • Saya malu bukan buatan.

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Jakarta

März 3, 2008

Die Hauptstadt Indonesiens hatte im Verlauf ihrer Geschichte verschiedene Namen. Im folgenden ein kurzer Überblick.

Sunda Kelapa

Als ein wichtiger Hafen des hinduistischen Sunda-Königreichs, war der Ort bis ins 16. Jahrhundert unter diesem Namen bekannt. Die Bedeutung ist nicht ganz klar, zwar bedeutet kelapa auf indonesisch „Kokosnuß“, doch stammt der Name aus dem Sundanesischen und wurde in den alten Texten Kalapa geschrieben.

Jayakarta

Das Sunda-Königreich wurde 1527 von den muslimischen Truppen der javanischen Sultanate von Cirebon und Demak unter der Führung des Feldherrn Fatahillah eingenommen. Zu diesem Anlaß benannte er die Stadt in Jayakarta um, was wahlweise als „Stadt des Sieges“ oder „vollkommener Sieg“ übersetzt wird. (Während jaya unzweifelhaft „Sieg“ im Sanskrit bedeutet, ist -karta problematisch. Allerdings sind meine Kenntnisse des Sanskrit bei weitem zu bescheiden, um irgend etwas definitiv sagen zu können.) Nach Fatahillah ist übrigens der Tamam Fatahillah bennant, der Hauptplatz in der heutigen Altstadt.

Batavia

Keine hundert Jahre später standen die Niederländer in der Stadt, vertreten durch die Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC). Diese gründete auf der anderen Seite des Flusses ihre Handelsniederlassung samt Kontor und Siedlung. Der damalige Generalgouverneur wollte diese Neugründung Nieuw-Hoorn nennen, nach seiner Heimatstadt, dem westfriesischen Hoorn, aber das Direktorium der VOC überstimmte ihn und verfügte 1619 die Benennung nach dem germanischen Stamm der Bataver, die seit dem 16. Jahrhundert als die mythischen Vorfahren der Niederländer angesehen wurden (das sind auch die Bataver, die im Jahre 70 n. Chr. nach dem Tod Neros gegen die römische Herrschaft aufbegehrten). Nach der Bezeichnung Batavia wiederum sind die Betawi benannt, die Einwohner Jakartas, deren Vorfahren schon seit dem 17. Jahrhundert dort ansässig gewesen sind. Diese stammten aus verschiedenen Gebieten Javas (Sundanesen und Javanesen), aber auch Balinesen, Malays und verschiedene chinesische Einwanderer gingen in das Betawi-Gemengelage ein. Obwohl heute eine Minderheit, haben die Betawi Spuren im Hauptstadtdialekt des Indonesischen hinterlassen, der entweder Bahasa Jakarta oder Bahasa Betawi genannt wird.

Jakarta

1942 wurde Jakarta von den Japanern besetzt und im Zuge der Enthollandisierungspolitik der Japaner wurde die Stadt flugs in Djakarta zurückbenannt (in der alten Rechtschreibung, erst seit der Rechtschreibreform 1972 Jakarta). Die offizielle Bezeichnung heutzutage lautet DKI Jakarta, die Abkürzung steht für Daérah Khusus Ibukota „Besonderer Hauptstadtdistrikt“.

(Quelle u.a.)


gué und elo

Februar 25, 2008

Natürlich werden auch die entsprechenden Pronomina der Standardsprache verwendet aku und kamu für die vertraute Anrede und saya und Anda für die höfliche Anrede. Allerdings werden gerade bei Höhergestellten die Titel ibu, abgekürzt bu, und bapak, abgekürzt, pak, vorgezogen. Es gibt dann noch einige regional und stilistisch unterschiedlich verwendete Varianten wie awak, dirimu und kau, engkau und diriku. S.a. die Diskussion hier.

In der populären Umgangssprache, die auf dem Jakarta-Indonesischen basiert, das auch Betawi genannt wird, werden hingegen die aus dem Hokkien stammenden gué und elo bevorzugt. Es gibt mehrere Varianten wie gua, lu, lo. Im allgemeinen gelten diese Pronomen als unhöflich und werden in formaler und/oder distanzierter Sprechweise nicht verwendet, mit der Ausnahme von Chinesischstämmigen.

Für die anderen Pronomen:

  • dia, während ia auf die Schriftsprache beschränkt bleibt. In der populären Umgangssprache sind auch doi und doski beliebt, die jedoch auch auf den Partner/die Partnerin verweisen können.
  • kami und kita für die 1. Person
  • kalian für die 2. Person ist ziemlich formell. In der populären Umgangssprache werden Begriffe wie lu orang oder lu pada verwendet.
  • meréka.


Phonologische Veränderungen in der indonesischen Umgangssprache

Februar 21, 2008

Die Umgangssprache kennt viele Kurzformen von einzelnen Wörtern, mit denen sich ein späterer Eintrag beschäftigen wird. Hier soll es um häufig vorkommende lautliche Veränderungen gehen:

  1. Ausfall des wortinitialen /s/: saja > aja, sudah > udah . Dies ist in die allgemeine Umgangssprache eingegangen. ayé für saya ist allerdings Betawi.
  2. Ausfall von /h/: dabei scheint der Ausfall intervokalisch und nach Vokal eher akzeptiert zu sein als vor Vokal: tahu > tau, lihat > liat, hujan > ujan
  3. Ausfall von finalem /k/: Strenggenommen handelt es sich hier um finalen Glottalverschluß /ʔ/, den bei vielen Wörtern in der Standardsprache wird finales <k> als ebensolcher ausgesprochen, mit Ausnahme von bestimmten Fremdwörtern wie hak, républik. In der Umgangssprache wiederum entfällt bei schneller Sprechweise auch besagter Glottalverschluß. S.a. auch kaga(k), kaya(k).
  4. /a/ in der letzten Silbe wird zu /é/, wenn diese offen ist. Dies ist charakteristisch fürs Betawi und kann daher entsprechend stigmatisiert sein: ada > adé, apa > apé.
  5. Über das Betawi hinaus auch in der allgemeinen indonesischen Umgangssprache ist die Regel, daß /a/ häufig in einer geschlossenen Silbe am Ende eines Wortes zu /e/ wird: benar > bener.
  6. Allgemein akzeptiert ist die Monophthongisierung von /ai/ zu /é/ und von /au/ zu /o/: pakai > paké, sampai > sampé, kalau > kalo, atau >ato.
  7. /u/ vor Nasal kann zu /o/ werden: belum > belom, tahun > taun > taon. (Das letztere Beispiel kombiniert dies mit dem Ausfall des intervokalischen /h/.)

Bei der Variante émang zu mémang scheint es sich um eine auf dieses Wort beschränkte spezielle Variante zu handeln.