Notizen zur Umgangssprache 5: -nya

Oktober 21, 2009

Das Suffix -nya ist eines der wichtigsten Morpheme im Indonesischen und nimmt in jeder grammatischen Darstellung einen großen Platz ein. Das Suffix findet sowohl in der Umgangs- als auch der Standardsprache Verwendung. Im folgenden gehe ich von zwei Quellen aus, die sich mit dem umgangssprachlichen Gebrauch dieses Suffixes beschäftigen, Kapitel 2.8 von Sneddons CJI und Kapitel 5 von Englebretson 2003. Es gilt jedoch die Warnung von Sneddon, daß „the functions of -nya are many and varied and are not entirely well-understood.“

-nya als Possessivmarker

Die Verwendung von -nya als anaphorisch gebrauchtes Possessivpronomen der 3. Person ist eine der Hauptfunktionen dieses Suffixes.

(1) padahal ibu-nya nggak suka ramai kan.

Dieser Satz illustriert gleichzeitig, daß die dritte Person hier aus Höflichkeitsgründen sich auf den Gesprächspartner beziehen kann, um eine direkte Ansprache zu vermeiden (namanya siapa usw.).

Eine für die Umgangssprache typische Verwendung wird von Sneddon Ligatur genannt:

(2) Itu méja-nya Pak Bun.

Diese Konstruktion soll aus dem Javanischen stammen. Sie kann auch bei Pronomen auftreten, inkl. der ersten Person, was in der Standardsprache nicht möglich ist.

(3) Abu-abu, kayak-nya handphone-nya aku.

(4) Égo-nya dia kalah besarnya sama elu.

Eine weitere Verwendung von -nya als Posssessivmarker spielt auch eine Rolle in der Topic-Comment-Konstruktion, die sowohl im Standardsprache als auch in der Umgangssprache vorkommt.

-nya als Identifizierbarkeitsmarker

Eine weitere Funktion von -nya ist es, Definitheit bei Nomen auszudrücken (Identifizierbarkeit im Diskurs bei Englebretson). In dieser Hinsicht ähnelt -nya hier dem Demonstrativpronomen itu, wie auch in IRG (2.7, 2.50) beschrieben. Laut Sneddon kann sich itu nur auf Referenten beziehen, die im Diskurs schon einmal explizit eingeführt worden sind, während dies bei -nya auch auf implizit als definit verstandene zutreffen kann.  Z.B. folgt im untenstehenden Beispiel die Definitheit von penjahatnya „der Kriminelle“ aus dem Kontext des Films, um den es geht:

(5)
A: Kayak kemaren gua nonton film Bone Collector. Sampe gua takut naik taksi.
B:  Loh émang kenapa?
A: Iya karena émang penjahat-nya nyetir taksi.

Eigennamen und Pronomen, die in der Regel definite und identifizierbare Referenten haben, können anders als in der Standardsprache in der Umgangssprache mit -nya markiert werden, und auch zusammen mit itu auftreten:

(6) Terus untungnya Erikanya itu, udah ngerti itu lho.

(7) Tapi kan nggak ada itunya.

Dies gilt auch für Interrogativpronomen, wo es zu Konstruktionen wie Yang mana-nya oder Apa-nya? kommen kann.

Sneddon faßt einiges davon auch als emphatische Funktion auf, die auch auf andere Wortarten ausgedehnt werden kann, wie Adverbien:

(8) Elu oke-lah di sini. Tapi di sini-nya elu botak begini.

(9) Iya, saya penyanyi dulu-nya.

-nya als Nominalisierer

Die Verwendung von -nya als Nominalisierer scheint eine sekundäre Ableitung von seiner Funktion als Identifizierbarkeitsmarker zu  sein. Dies ist im Standardindonesischen recht häufig, wobei hierbei nur intransitive Prädikate in Frage kommen wie Adjektive oder intransitive Verben. Transitive Verben können nur in einer valenzreduzierten Form mit di- auftreten, wie das folgende Beispiel aus IRG, S. 302, zeigt:

(10) Lalu lintas menjadi macét karena ditutupnya beberapa jalan.

Wichtig ist dabei zu beachten, daß hier -nya keineswegs sich auf den Urheber der Handlung bezieht, sondern dieser vielmehr ungenannt bleibt. Diese nominalisierten Prädikate werden in der Regel von einer Nominalphrase gefolgt, die das Prädikat näher modifiziert, wie beberapa jalan im oberen Beispiel. Laut Sneddon sind solche Nominalattribute eher selten in der Umgangssprache. Die Nominalphrase, die in der Standardsprache typischerweise das nominalisierte Prädikat modifizieren würde, wird in der Regel in der Umgangssprache kurz davor eingeführt:

(11) Bokap gua uda meninggal. Meninggal-nya itu taun sembilan lima.

(12) kan itu beli-nya di Kupang.

Manche Konstruktionen ähneln ihrer Struktur nach normalen Subjekt-Prädikat-Konstruktionen, nur mit dem Unterschied, daß das Verb nominalisiert ist:

(13) Dia udah dateng-nya telat.

-nya als Pronominalmarker

Zusammen mit seiner Funktion als Possessivmarker der 3. Person ist die andere wichtige Funktion von -nya die Verwendung als Pronominalmarker für die 3. Person, und zwar bei transitiven Verben als Objektpronomen in agensorientierten Formen und als Urheber bei patiensorientierten Formen. Was letzteres angeht, ist dies laut Englebretson nicht in der Umgangssprache von Yogyakarta nachweisbar. Sneddon gibt ein Beispiel aus der Umgangssprache von Jakarta:

(14) Kalo mama gua minta uang lima puluh ribu nih, dikasihnya dua ratus ribu.

In anderen Beispielen aus Englebretsons Yogyakarta-Korpus, die den Anschein ähnlicher Konstruktionen erwecken, bezieht sich -nya ausschließlich auf unbekannte oder irrelevante Urheber:

(15) udah nggak enak dilihat-nya.

Was die agensorientierten Formen angeht, bemerkt Sneddon, daß in der Standardsprache -nya nur stehen kann, wenn das Verb das meN-Präfix trägt. Dies ist in der Umgangssprache nicht der Fall:

(16) gimana cara dapetin-nya?

In der Standardsprache müßte die Form entsprechend mendapatkan-nya lauten.

-nya als Adverbialmarker

-nya kommt auch bei der Bildung von Adverbien ins Spiel. Z.B. wird im folgenden Beispiel aus dem Adjektiv biasa ‚gewöhnlich, normal‘ das Adverb biasa-nya ‚gewöhnlicherweise, normalerweise‘:

(17) Biasa-nya meréka tu paké jakét.

Auch gibt es ein Konstruktion mit se-nya, was ein Modaladverb bildet:

(18)
A: Kapan pindah La.
B: Ya e se-cepat-nya.

Englebretson geht nun en detail auf die Verwendungsweise von -nya als „framing device“ ein, d.h. -nya bildet eine Reihe von satzadverbialen Ausdrücken, die epistemische Bedeutung aufweisen. Ich habe an anderer Stelle eine auf Englebretson 2003 basierende Auflistung erstellt und möchte es an dieser Stelle bei drei Beispielsätzen belassen:

(19) kata-nya dikasih temennya

(20) untung-nya Si Agnes kerasa ya?

(21) pokok-nya temen-temen yang moto…

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Notizen zur Umgangssprache 2: ke-Präfix

Juni 12, 2009

Die in Kapitel 2.3 und 2.4 behandelten Verbpräfixe ber- und meng- habe ich an anderer Stelle schon behandelt. In Kapitel 2.5 geht es um das ke-Präfix, das in der Umgangssprache einige Funktionen von ter- übernehmen kann, und welches von vielen Sprachpuristen als nichtstandardsprachlich abgelehnt wird.

Das ter-Präfix in der Standardsprache

Zunächst müssen wir uns in Erinnerung rufen, in welchen Funktionen ter- in der Standardsprache verwendet wird:

  1. Superlativ von Adjektiven: terbaik „am besten“, terendah „am niedrigsten“
  2. feststehende adverbiale Ausdrücke: terlalu „zu sehr“, termasuk „inklusive“, ternyata „klar“, terserah „das hängt von dir ab„, terutama „insbesondere“.
  3. Es kann auch mit Verben stehen: a. stativische Verben, die einen Zustand bezeichnen wie terletak „sich befinden“ oder tertulis „geschrieben stehen“; 3b. nonintentionale Verben („accidental verbs“), die ein unkontrollierbares Ereignis bezeichnet, je nach Verb kann dies ein ungewolltes, unerwartetes, urheberloses, unbeabsichtigtes oder plötzliches Ereignis sein;  3c.  abilitative Verben, die aussagen, daß das Subjekt in der Lage ist, die Handlung auszuführen (oder nicht, bei entsprechender Negation).

Ersetzung durch ke- bei nonintentionalen und bei abilitativen Verben

ke- kann in der Umgangssprache nur bei  3b. und 3c. an Stelle von ter- treten, welches jedoch auch in der Umgangssprache auftreten kann. Sehen wir uns zunächst Beispiele für 3a., 3b. und 3c. mit ter- in der Umgangssprache an, (1) ist ein Beispiel für 3a, (2) für 3b und (3) für 3c:

(1) gua suka ngeliat céwék-céwék yang rambutnya panjang dan terawat.

(2) tapi kalo dia terpaksa, ya gua kasian gitu.

(3) trus benda-benda yang tidak terlihat, misalnya kayak santet segala macem, itu lebih gampang masuk ke rumah.

Wie oben erwähnt, kann bei einem stativischen Verb wie in (1) ke- nicht an die Stelle von ter- treten, wohl aber ist es bei (2) und (3) möglich. (4) ist ein entsprechendes Beispiel für ein nonintentionales Verb und (5) für ein abilitatives:

(4) kadang-kadang Trisna bilang, „San, jangan kemakan ama cinta aja“.

(5) tulisannya kebaca, nggak?

Ein wichtiger Hinweis ist noch, daß in den Kombinationen ter- -kan und ter- -i weder das Präfix durch ke– noch das Suffix durch -in ersetzt werden kann.

ke-Verben ohne ter-Widerpart

Einige Verben in der Umgangssprache treten mit ke- auf, ohne daß sie in der Standardsprache sonst mit ter- stehen würden. Sie scheinen auch keine Ableitung darzustellen. Dies scheint ein Einfluß des Javanischen zu sein:

  • ketemu „treffen“, wofür in der Standardsprache in der Regel bertemu steht
  • kepengen „wollen“, welches in der Umgangssprache auch suffixlos pengen gebraucht wird. Beide entsprechen dem standardsprachlichen ingin
  • keterima „angenommen werden (Bewerbung o.ä.)“ hat in der Standardsprache kein *terterima, nur diterima. Gua ngelamar, belom tentu keterima. „Ich habe mich beworben, aber es ist noch unklar, ob ich angenommen werde.“
  • ketimbang „verglichen mit“ (ohne Präposition!) ist standardsprachlích dibandingkan dengan. Als Übergangsform zwischen Standardsprache und Umgangssprache gibt es auch dibandingin. Itu lebih puas ketimbang harus kerja. „Das ist besser als arbeiten zu müssen“.
  • ketewa „lachen“ hat zwar eine Entsprechung mit ter- in der Standardsprache, nämlich tertawa, aber es ist einer Erwähnung wert, weil die Form mit ter- in der gesprochenen Sprache praktisch nichtexistent ist. Selbst in Meetings fällt tertawa in Sneddons Daten nur ein einziges Mal.

Die Umgangssprache des Indonesischen

Juni 3, 2009

Bei jeder „großen“ Sprache*) gibt es gewisse Unterschiede, wie sie im Alltag verwendet wird, und wie sie in offiziellen Situationen verwendet wird, in der Schule und Universität, in der Privatwirtschaft und in der Regierung. Ersteres wird von Kindern ganz natürlich erworben, und letzteres muß mühsam erlernt werden. Der Einfachkeit halber werde ich das eine als Umgangssprache bezeichnen und das andere als Standardsprache.

Auch beim Indonesischen gibt es diese Unterschiede, die sich in Aussprache, Grammatik und Wortschatz zeigen. Verkompliziert wird das Bild jedoch dadurch, daß es zwar auf der einen Seite eine kodifizierte Standardsprache gibt, das sogenannte Bahasa Indonésia yang baik dan benar „das gute und richtige Indonesisch“, dem aber viele verschiedene regionale Varianten der indonesischen Umgangssprache stehen, die zweifelslos auch von den zahlreichen Regionalsprachen beeinflußt sind. In diesem Beitrag zur Verbmorphologie z.B. können selbst für Jakarta zwei Varianten unterschieden werden, das sogenannte Jakarta-Indonesisch und das Betawi, die Umgangssprache der altansässigen Einwohner Jakartas, die prozentual heute nur noch einen verschwindend geringen Anteil darstellen.

Eines der Anliegen dieses Blog ist es, neben den verschiedenen Aspekten der Standardsprache auch die Umgangssprache zu behandeln, zumal diese häufig im Indonesisch-als-Fremdsprache-Unterricht vernachlässigt wird, Beiträge zum Thema Umgangssprache sind hier zun finden. Zudem erwähne ich  in der Bibliographie u.a. zwei Bücher zum Jakarta-Indonesischen, Indonesisch Slang von Bettina David, und Colloquial Jakarta Indonesian von Robert Sneddon. Auch Searching for structure – The problem of complementation in colloquial Indonesian conversation von Robert Englebretson hat ein einführendes Kapitel, das die Eigenheiten der Umgangssprache, hier basierend auf der Variante von Yogyakarta, bespricht.

Gerade Sneddons Werk ist eine recht ausführliche Beschreibung der grammatischen Eigenheiten der indonesischen Umgangssprache, so daß ich in unregelmäßigen Abständen hier eine Serie von Beiträgen verfassen möchte, die die verschiedenen Bereiche anspricht, die Sneddon in CJI behandelt. Die Serie wird den Titel „Notizen zur Umgangssprache“ tragen.

*) bei nicht verschriftlichten Sprachen von Minderheiten ist es häufig so, daß die offiziellen Funktionen von der Amtssprache des betreffenden Landes übernommen werden. In Indonesien ist das Bild komplizierter, denn neben der einzigen Amtssprache Indonesisch gibt es an die 800 Regionalsprachen. Viele von ihnen haben eine sehr kleine Sprecherzahl, aber Sprachen wie das Javanische, Sundanesische, aber auch das Balinesische, haben Millionen von Sprechern und auch eine schriftsprachliche Tradition. Diese Sprachen, allen voran die größte Sprache, Javanisch, üben auch einen ungeheuren Einfluß auf das Indonesische aus, was vor allem in der Alltagssprache  zu vielen Entlehnungen geführt hat.


Das meng-Präfix in der Umgangssprache

Mai 27, 2009

In einem früheren Beitrag war davon die Rede, wie das meng-Präfix in der Standardsprache funktioniert. Nun wollen wir uns ansehen, wie dies in der Umgangssprache aussieht. Ich möchte mich bei der Beschreibung jedoch auf den Kernwortschatz beschränken, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Ich habe an anderer Stelle bemerkt, daß der Unterschied zwischen der informellen Umgangssprache und der formalen Standardsprache fließend sind. Gerade gebildete Sprecher neigen dazu, den Grad der Formalität der jeweiligen Situation anzupassen. Fremdwörter gehören typischerweise einem formalen Register an, so daß man hier problemlos den Regeln der Standardsprache folgen kann.
  • Angesichts der geringen Anzahl von Beschreibungen der informellen Umgangssprache fehlen gute linguistische Beschreibungen, die Verben aus dem Fremdwortschaft abdecken. Google liefert bei einzelnen Verben Hinweise, daß wie beim Standardwortschaft bei einigen häufig gebrauchten Verben eine entsprechende Anpassung auch hier zu erwarten ist, aber genauere Untersuchungen stehen hier noch aus.

In der Standardsprache tritt das meng-Präfix in drei Allomorphen auf: meng-, meN- und me-:

  1. meng-: Bei Wurzeln, die mit Vokal oder h (h wird häufig in der Phonetik als Pseudofrikativ bezeichnet, da in der Regel keine Friktion vorliegt) bleibt meng– so, wie es ist.
  2. Assimilation von meng-: Bei Wurzeln, die mit einem Obstruenten (p, t, k, b, d, g, s, c, j) beginnen, tritt Assimilation an den Artikulationsort ein, mit gleichzeitigem Ausfall von stimmlosen Obstruenten mit Ausnahme von c, während stimmhafte Obstruenten (und c) erhalten bleiben.
  3. me-: Bei allen Sonoranten (m, n, ng, ny, l, r) wird meng- zu me-.

In der Umgangssprache kann man auch nicht mehr vom meng-Präfix sprechen, sondern eher vom ng-Präfix, da me- regelmäßig wegfällt. Das Präfix tritt in drei bis vier Allomorphen auf, die anders verteilt sind als die der Standardsprache:

  1. Assimilation von ng- mit Ausfall: bei stimmlosen Obstruenten (p, t, k, s, c) tritt genauso wie in der Standardsprache eine Assimilation der Anfangslautes der Wurzel ein, bei gleichzeitigem Ausfall derselben, d.h. effektiv wird nur der Anfangslaut zum Nasal mit gleichem Artikulationsort. D.h. pake „benutzen“ wird zu make, tulis „schreiben“ zu nuliskirim „senden“ zu ngirim, suruh „veranlassen“ zu nyuruh. Anders als in der Standardsprache stellt /c/ hierbei keine Ausnahme dar: cari „suchen“ wird ganz regelmäßig zu nyari.
  2. Assimilation von ng- ohne Ausfall: bei den stimmhaften Obstruenten (b, d, g, j) gibt es einige Sprecher, die ebenfalls das Präfix entsprechend assimilieren, und den Obstruenten beibehalten. Beispielsweise wird bayar „bezahlen“ zu mbayar, dukung „unterstützen“ zu ndukunggonggong „bellen“ zu nggonggong und jemput „abholen“ zu njemput. Dies entspricht den Gegebenheiten im Javanischen und tritt vor allem bei älteren Sprechern mit javanischen Hintergrund auf. Selbst bei diesen Sprechern scheint dies jedoch seltener aufzutreteden als die allgemein übliche Variante, nämlich nge-, welches weiter unten besprochen wird.
  3. ø-: vor Nasalen steht in der Regel eine Nullform, obwohl Sneddons CJI zwei Verben auf /n-/ erwähnt, die auch mit nge- belegt sind: nge-noda-in „beflecken“ von noda und nge-nilai „bewerten“ von nilai. In der Regel findet man jedoch Formen wie mainin „spielen“, nikmati „genießen“, nyanyi „singen“ usw.
  4. nge-: kann vor allen anderen Konsonanten stehen, mit Ausnahme von /p, t, k, s, c/. Bei /l, r, h, y/ ist es die einzig mögliche Form:  liat  „sehen“ wird zu ngeliatrasa „fühlen“ zu ngerasa, hancur-in „vernichten“ zu ngehancurin, yakin-in „überzeugen“ zu ngeyakinin*. Bei /b, d, g, j/ ist es die häufigere Form, die unter 2. genannten Beispiele wären entsprechend ngebayar „bezahlen“, ngedukung „unterstützen“, ngegonggong „bellen“ und ngejemput „abholen“. Bei den Nasalen /m, n, ng, ny/ ist es eher üblich, daß eine Nullform bzw. gar kein Präfix steht. Bei Vokalen steht ng-, wobei in der Umgangssprache zu beachten ist, daß wortinitiales /h-/ sehr oft ausfällt und dieselbe Regel zur Anwendung kommt. Beispiele: ajar „lehren“ wird zu ngajar, erti „verstehen“ wird zu ngerti**,  und das oben angeführte hancur-in „vernichten“ kann bei Ausfall von /h/ entsprechend ngancurin.

Zwei weitere Anmerkungen: anders als in der Standardsprache unterliegt auch das Präfix per- dem Ausfall, d.h. während es in der Standardsprache memperhatikan „beachten“ heißt, ist es in der Umgangssprache merhatiin. Es sollte aber beachtet werden, daß kausativisches -kan in der Umgangssprache häufig durch eine periphrastische Konstruktion mit kasih „geben“ ersetzt wird, was wir aber ebenfalls an andere Stelle besprechen wollen.

Die zweite Anmerkung bezieht sich auf den Einsatz von nge-, ähnlich menge- in der Standardsprache, bei einsilbigen Verbwurzeln, Wurzeln mit Konsonsantenclustern und bei als fremd empfunden Wurzeln:

  1. ngepak „packen“, ngetés „testen“, ngecék „prüfen“. Da einsilbige Wurzeln dem Malaiischen fremd sind, handelt e ssich in der Regel um Lehnwörter.
  2.  ngetrénd „zum Trend werden“, ngestabilin „stabilisieren“. Auch hier gilt: da wortinitiale Konsonantencluster dem Malaiischen fremd sind, sind dies Fremdwörter.
  3. daher liegt es nahe, daß dies auch bei ad-hoc-Entlehnungen aus dem Englischen zum Einsatz kommt: nge-handle, nge-back-up, nge-cut. (vgl. Beitrag zu nge-freeze, nge-hang)

 

*Mir ist klar, daß Wörter auf /y/ nicht zum Kernwortschatz gehören. Da dies jedoch ein Beispiel aus Sneddons CJI ist, habe ich beschlossen, dies nichtsdestotrotz ebenfalls aufzuführen.

**mengerti/erti verhält sich in beiden Registern ein wenig unregelmäßig, was aber einen eigenen Beitrag wert ist.


Selamat Hari Kartini

April 21, 2009

Heute ist der 130. Geburstag von Raden Adjeng Kartini, einer javanischen Adligen, die als Vorreiterin der Frauenrechte im kolonialen Niederländisch-Indien galt. Sie starb jung, im Alter von 25 Jahren, und war die Viertfrau eines javanisches Regenten und setzte sich zeitlebens für die Rechte der Frauen und andere soziale Angelegenheiten ein. Der erste Präsident Indonesiens, Sukarno, erklärte 1964 Kartinis Geburtstag zum Gedenktag, was bis zum heutigen Tag umstritten ist, da es viele andere Frauen gebe, die sich viel mehr um die Emanzipation der Frauen in Indonesien verdient gemacht hätten. Ein Vorschlag war, den Kartini-Tag mit dem Muttertag am 22. Dezember zusammenzulegen.

Der heutige Tag wird in der Regel so begangen, daß traditionelle Kleidung getragen wird und mancherorts besondere Aktivitäten veranstaltet werden, wie z.B. Wettbewerbe, bei denen Ausländer javanische Gedichte vortragen (die Verbindung zu Kartini könnte neben der Tatsache, daß sie eine javanische Adlige war, sein, daß sie sich auch um die Verständigung zwischen Ost und West bemühte, so sprach sie fließend Niederländisch und hatte regen Briefkontakt in die Niederlande).

Der indonesischsprachige Artikel aus der Wikipedia zum Thema ist übrigens hervorragend geschrieben, hier der erste Absatz:

Raden Adjeng Kartini atau sebenarnya lebih tepat disebut Raden Ayu Kartini, (lahir di Jepara, Jawa Tengah, 21 April 1879 – wafat di Rembang, Jawa Tengah, 17 September 1904 pada umur 25 tahun) adalah seorang tokoh Jawa dan Pahlawan Nasional Indonesia. Kartini dikenal sebagai pelopor kebangkitan perempuan pribumi.

Wortliste folgt unten.

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Zwei Gedichte zu Lebaran (Ramadan Teil 4)

Oktober 6, 2008

In einem früheren Beitrag hatte ich ein Beispiel für ein Pantun, wie es zum Lebaran verschickt wird. Hier ist es noch mal (für die Wortliste s. den früheren Beitrag):

Kecubung Batu dari Kalimantan
Cantik disanding dengan Berlian.
Berhubung Rabu depan sudah Lebaran,
salah dan khilaf mohon dimaafkan.

Wir sehen hier, daß sich die letzten Silben jeweils reimen, so wie es für Pantun üblich ist. Nun bezieht sich der erste Teil auf den besagten Amethyst, der genauso schön ist wie ein Diamant. Es läßt sich schon ein gewisser Zusammenhang mit dem zweiten Teil herstellen, in dem mit Bezug auf Lebaran um Vergebung gebeten wird.

Nun habe ich ein weiteres Beispiel, bei dem dies ein wenig schwieriger sein wird. Es handelt sich hierbei um ein sogenanntes Pakiran, eine Gedichtsform, wie sie für Ostjava typisch ist:

Numpak skuter ojo banter-banter,
Rodane cilik gampang selip,
Awak iki sering keblinger,
Nyuwun sepurane ben rodo apik.

Die Vokale der jeweils letzten Silben stimmen immer noch überein, eine Art von Minimalreim (die genauen Regeln sind mir nicht bekannt). Hier eine Wortliste:

  • numpak (Wurzel tumpak): fahren („naik“)
  • skuter: Scooter, Roller
  • ojo: negativer Befehl („jangan“)
  • banter-banter: schnell („kencang“)
  • roda: Rad
  • -ne: Possessivsuffix („-nya“)
  • cilik: klein
  • gampang: einfach (wie Indon.)
  • selip: rutschen
  • awak: ich (im Malaysischen „du“)
  • iki: dies
  • sering: oft (wie Indon.)
  • keblinger: falsch, fehlen (im Sinne von „ich habe gefehlt“) („silap, salah“)
  • nyuwun (Wurzel suwun): bitten („minta“)
  • sepurane: Entschuldingung
  • ben: lassen („biar“)
  • rodo: ziemlich („agak“)
  • apik: gut („baik, bagus“)
Die erste Hälfte bezieht sich also darauf, daß man nicht zu schnell Roller fahren solle, weil man bei den kleinen Rädern schnell ins Rutschen komme. Die zweite Hälfte bittet dann wiederum um Vergebung für seine Fehler…
(Natürlich gibt es noch viele verschieden Texte, dies erhebt keineswegs einen Anspruch auf Vollständigkeit).

Links 1

August 30, 2008

Es folgen drei Links zum Thema indonesische Sprachen:

Auf dem Unilang-Forum gibt es einen Thread zum Thema Interjektionen.

Auf dem Blog Indonesia Matters läßt sich
Purba Negoro zum Javanischen aus, und ruft Ausländer dazu auf, neben dem Indonesischen auch ein paar Brocken Javanisch zu lernen (die er praktischerweise auch gleich aufführt).

Auf der Webseite von Lucky E. Santoso gibt es ein Tool, das die Zahlwörter des Englischen, Mandarins, Indonesischen und Javanischen vergleichend darstellt.


Einsilbige Wörter im Indonesischen

Mai 27, 2008

Das Indonesische gehört zur austronesischen Sprachfamilie, und in vielen Sprachen sind die Wortwurzeln zweisilbig, weswegen auch für das Proto-Austronesische in der Regel zweisilbige Formen angesetzt werden. Dabei können die Silben sowohl offen als auch geschlossen sein. Im Umkehrschluß bedeutet dies, daß einsilbige Wörter aus dem ererbten Wortschatz extrem selten sein sollten. Ich habe mir mal den LDTI zur Hand genommen und alle einsilbigen Wörter aufgeschrieben. Es stellt sich heraus, daß die meisten einsilbigen Wörter entweder Lehnwörter sind, oder es sich um Interjektionen, Affixe oder Funktionswörter handelt, in einigen Fällen um verkürzte Formen oder Abkürzungen. Bei manchen Wörtern war mir nicht klar, ob diese Wörter tatsächlich aus dem Arabischen oder Chinesischen stammten, diese sind mit einem Fragezeichen gekennzeichnet.

Das LDTI hat 4.000 indonesische Einträge, wobei Wörter wie buang, cium, dia, mit einer Kombination aus Halbvokal und Vokal, die häufig in der heutigen gesprochenen Sprache einsilbig gesprochen werden, auf jeden Fall historisch als zweisilbige Wörter anzusehen sind und daher in der Liste nicht auftauchen. (Hinweis: zu einigen Themen werde ich später eigene Einträge schreiben. Bis ich dazu komme, werden die Verweise im durchgestrichenen Schrifttyp dargestellt.)

Interjektionen und Abtönungspartikel

ah, déh, dong, dor, éh, hah, -kah, kan, kok, -lah, lha, lho, nah, nih, sih, to, toh, tuh, wah, ya, yuk. S.a. Liste hier.

Affixe

-ku, -mu, -nya, se-

Anredeformen

Bu (=Ibu), Bung, Dik (=Adik), Kak (= Kakak), Mas, Mbak, Om/Oom, Pak (=Bapak). S.a. dieses Post, das die wichtigsten Anredeformen, ob ein- oder zweisilbig, im größeren Detail bespricht.

Funktionswörter

dan (Konjunktion), di (lokale Präposition), ke (direktionale Präposition), lu (Personalpronomen), pun (Fokusadverb?), sang (Honorifikmarker), si (Diminuitivmarker), sok (Adverb?)

Verkürzte Formen

’nak (< anak) „Kind“, nak (< hendak) „wollen“, ndak/tak (< tidak) „nicht“, außerdem wie oben erwähnt Bu, Pak, Dik, Kak

Akronyme

SIM: (Surat Izin Mengemudi) „Fahrerlaubnisschein“ = Führerschein

Lehnwörter aus dem

1. Arabischen

bab „Buchkapitel“, hak „Recht“, hal (?) „Angelegenheit“, jam „Stunde“, khas „typisch, charakteristisch“, zat (?) „Substanz (im chemischen und metaphysischen Sinn)“

2. Chinesischen

cap (?) „Marke, Stempel“, cat von Hokkien ts’at „Farbe“, mi „Nudeln“, téh von Hokkien te „Tee“

3. Niederländischen

bak „Badewanne (indonesischen Stils)“ von de bak „Kasten“, bir von het bier „Bier“, bis von bus „Bus“, és von het ijs „Eis(kreme)“, gang von de gang „Gasse“, gas von het gas „Gas“, jas von de jas „Jacke“, kos von de kost „Untermiete“, lés von de les „private Unterrichtsstunden“, nol von de nul „Null“, Om/Oom von de oom „Onkel“, pas von pas „exakt, passend“, pérs von pers (mit fürs Niederländische charakteristischer Metathese) „Presse“, ras von het ras „Rasse“, tas von de tas „Tasche“.

4. Englischen

bom „Bombe“, cék „Scheck, checken“, film „Film“, gang/geng „Gang“, grup „Gruppe“, klab „Club“, séks „Sex“, truk „LKW“

5. Niederländischen oder Englischen

rak „Regal“ (N rak, oder E rack), sén „Cent“ (N oder E cent), sop „Suppe“ (N soep, oder E soup), ton „Tonne“ (N ton oder E ton)


Verbmorphologie in der populären Umgangssprache

Mai 21, 2008

Ich hatte ja schon in einem vorherigen Eintrag den Irrglauben angeführt, daß man in der Umgangssprache einfach alle Verbaffixe weglassen würde. Das stimmt natürlich so nicht, aber die gesamte Situation ist ziemlich kompliziert, weswegen eine genaue Beschreibung den Rahmen dieses Blogs bei weitem sprengen würde. Ich werde versuchen, ein paar grundsätzliche Bemerkungen zu machen.

Welches Indonesisch?

Das Problem fängt zunächst einmal damit an, um welche Sprachform es sich handeln soll. Wouk (1989, 1999) unterscheidet zwischen drei verschiedenen Sprachvarianten, die weder in einem Diglossie-Verhältnis zueinander stehen noch in einer regelmäßigen Codeswitching-Situation. Die von Wouk unterschiedenen Varianten im einzelnen:

  • Standardindonesisch (SI): Die auf einer Variante des Hochmalaiischen basierende offizielle Amtssprache, die Gegenstand der Sprachplanung von Amts wegen ist. Es ist die Sprache, die im ganzen Land in den Schulen und Universitäten verwendet wird, und eine riesige Menge an Zweitsprachenlernen aufweist, die als Muttersprache eine von hunderten Regionalsprachen haben. Sie ist beeinflußt worden duch Sprecher des Betwai einerseits und des Javanischen andererseits, deren Sprecher die bevölkerungsstärkste und politisch mächtigste Gruppe in Indonesien darstellen. Von Sneddon (2006) FI (Formales Indonesisch) genannt.
  • Betawi: der Dialekt des Malaiischen, der sich seit der Zeit der Vereenigde Oostindische Compagnie im damaligen Batavia, jetzt Jakarta, entwickelt hat. Aus dem Völkergemisch der Holländerzeit entstand eine neue Volksgruppe, die anak Betawi, die sich des Malaiischen als lingua franca bediente. Betawi wird bis heute noch in Jakarta gesprochen, vor allem von den Angehörigen der Unterschicht.
  • Gesprochenes Jakarta-Indonesisch (SJI, Spoken Jakarta Indonesian). Diese Variante wird in Wouk 1989 als eigenständige Variante vorgeschlagen. Es handelt sich bei den Sprechern um eine Gruppe, die entweder ausschließlich Indonesisch spricht oder weitaus besser Indonesisch als eine Regionalsprache. Eine solche Situation ist typischerweise in gemischten Ehen zu beobachten, welche in städtischen Großräumen, die Menschen aus allen Teilen des Landes anziehen, eher anzutreffen sind als anderswo, so daß Sprecher des SJI typischerweise Angehörige der Mittelschicht in städtischen Gebieten sind, allen voran im Großraum Jakarta. Während üblicherweise die Situation gebildeter Sprecher in Indonesien so ist, daß sie sich in formalen Situationen des Standardindonesischen bedienen,und in informellen Situationen der jeweiligen Regionalsprache, ist es bei dieser Gruppe so, daß sie auch in informellen Situationen aufs Indonesische zurückgreifen. Gegen die Annahme, daß diese Sprecher sich in informellen Situation aufs Betwai zurückgreifen, also eine Diglossie mit Standardindonesisch in formalen Situationen und Betwai in nichtformalen, wendet sich Wouk und führt dabei an, daß in der Sprache von Betawi-Sprechern und SJI-Sprechern klare Unterschiede in den verschiedenen Registern zu finden seien. Ewing 2005 scheint sich gegen diese Sichtweise zu wenden, da dort das „colloquial Indonesian“ als „social style“ denn als Sprachvariante bezeichnet wird.

In diesem Blog hatte ich ursprünglich versucht, die Begriffe Umgangssprache und populäre Umgangssprache auseinanderzuhalten, wobei mit dem ersteren eher eine Umgangssprache im Sinne des Standardindonesischen und mit dem letzteren eher etwas im Sinne des Jakartaindonesischen gemeint war („populär“ in dem Sinne, da dies die Sprache der Unterhaltungsserien im Fernsehen ist). Im nachhinein betrachtet, scheint es so zu sein, daß ich jeden Eintrag, der in irgendeiner Hinsicht sich mit der Umgangssprache beschäftigt, unter der Kategorie „Umgangssprache“ abgelegt habe, und das, was darüberhinaus einen besonderen Bezug zum Jakartaindonesischen aufweist, zusätzlich noch unter „Jakarta“. (Fall ein Eintrag exklusiv zum Betawi handeln würde, könnte ich u.U. auf die Kategorisierung unter „Umgangssprache“ verzichten.) Die Übergänge sind auch ziemlich fließend, mit zahlreichen Überlappungen, so daß ich das wohl so fortführen werde.

Kurzübersicht über die Verbformen

Wouk (1989, 1999) hat für die drei angenommen Sprachvarianten die folgenden Unterschiede in der Verbmorphologie festgestellt. Dieser Teil soll nur die Kategorien erläutern, die Formen werden im Detail im zweiten Teil beschrieben.

  • intransitive Verben werden in der Regel durch ber- markiert, wie z.B. berjalan „gehen“. Einige wenige Verben auch durch meng-, wie z.B. menangis „weinen“. Diese zwei Gruppen unterscheidet Wouk als „statische“ und „aktivische“ Verben. (be- und ng- sind Formen, die Varianten von ber- und meng- sind, mehr dazu im zweiten Teil).
  • transitive Verben werden durch meng- markiert. Diese können im Passiv mit di- stehen (da dies für alle drei Varianten der Fall ist, habe ich der Übersichtlichkeit der Tabelle wegen di- weggelassen).
  • Manche transitive Verben stehen zudem noch mit einem weiteren Suffix, entweder -i oder -kan, ersteres meist mit Empfängern oder Orten als Objekt, letzeres mit den Nutznießern einer Handlung, oder mit einem Objekt, das zu einer Handlung veranlaßt wird. Betawi verwendet statt dessen -in für beides.
  • Es gibt eine Verbform, die ausdrückt, daß dem Subjekt die Absicht fehlt, die Handlung auszuführen, die durch das Verb ausgedrückt wird, das Subjekt also die Handlung versehentlich begangen hat, oder Opfer dieser Handlung geworden ist. (Manchmal kann es auch eine Potentialform sein). Im Standardindonesischen gibt es ter- und ke-an in dieser Funktion, obwohl es Grund zur Annahme gibt, daß ke-an im modernen Malaiischen nicht mehr produktiv war und durch den Einfluß des Javanischen, wo es eine häufig vorkommende Form ist, wieder an Bedeutung gewonnen hat. Im SJI gibt es nun auch ke-, welches auch im Javanischen vorhanden ist, allerdings auch im Betawi, weswegen hier der Nachweis schwierig ist, ob dies eine Übernahme aus dem Javanischen sein könnte.

SI

JI

Betawi

Intransitiv

 

 

 

Statisch

Aktivisch

ber

meng

ber, 0

meng, ng, 0

be, 0

ng, 0

Transitiv

 

 

 

Präfixe

Suffixe

meng

i, kan

meng, ng, 0

i, kan, in

ng, 0

in

Non-volitional

ter, ke-an

ter, ke-an, ke

ke-an, ke

 


Indonesische Parteien

Mai 1, 2008

Im indonesischen Parlament sind einige Parteien vertreten (Mehr Informationen zu den größten Parteien hier (D)). In diesem Eintrag soll die Gesamtheit der im Parlament vertretenen Parteien genannt werden, gefolgt von einer Wortliste mit Übersetzungshilfen zum Ende des Eintrags.

Im Parlament vertretene Parteien

Ehemalige Parteien

Deutsche Parteien

Wie aber werden nun die deutschen Parteien ins Indonesische übersetzt?

  • Uni Démokrat Kristen Jerman (CDU)
  • Partai Sosial Démokrat Jerman (SPD)
  • Uni Sosial Kristen di Bayern (CSU)
  • Partai Demokrat Bébas (FDP)
  • Partai Hijau (Die Grünen)
  • Partai Kiri (Die Linke)

Gerade bei einem in Parteinamen sehr häufigen Wort scheint es drei Varianten zu geben: Demokrat, Demokratik, Demokratis, jeweils aus verschiedenen europäischen Sprachen entlehnt. Es scheint aber Demokrat die übliche Variante zu sein. (In indonesischen Parteiennamen hingegen scheint eher das Nomen, demokrasi, üblich zu sein)

Amerikanische Parteien

Da die Präsidentschaftswahlen ja in aller Munde sind, hier die Namen für die beiden großen amerikanischen Parteien:

  • Partai Démokrat
  • Partai Républik

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pada

April 14, 2008

pada ist eine für den Indonesischlernenden äußerst wichtige Präposition. Bevor wir uns den fünf Grundbedeutungen zuwenden, die Quinn aufführt, ein Hinweis auf eine völlig andere Funktion von pada: in der Umgangssprache, gerade in der Javas, steht es vor dem Verb, um anzuzeigen oder zu betonen, daß sich das Subjekt auf mehrere Personen bezieht. (Es ist unklar, ob es sich hier überhaupt um dasselbe Wort handelt, oder um zwei Homonyme.)

  • anak-anak pada makan
  • Aduh.. meréka pada nangis

1. Zeitangaben

Pada wird mit verschiedenen Zeitangaben verwendet.

  • Dia lahir pada tahun 1977.
  • Pada hari kemerdekaan mereka ikut dalam upacara di alun-alun.
  • Pada waktu itu ia belum bisa berbahasa Cina.

2. Adverbiale Fügungen

Ansonsten kann pada verwendet werden, um von Nomen abgeleitete adverbiale Fügungen zu bilden.

  • Pada pendapat saya…: meiner Meinung nach..
  • Pada dasarnya …: grundsätzlich…
  • Pada umumnya …: allgemein, im allgemeinen, großenteils

3. Variante von kepada

Wie kepada kann pada hier eine Bewegung oder einen Transfer zu einer Person bezeichnen (keine Sache oder Tier).

  • Dia sudah kembali pada suaminya.
  • Dia minta tolong pada Ibu Tién.

4. Adjektivkomplement

Pada steht bei manchen Adjektiven, um ihre Komplement zu markieren. Scheint häufig mit dengan austauschbar zu sein.

  • Dia marah pada saya.
  • Anda harus baik padanya.

5. Verbkomplement

Pada steht bei manchen intransitiven Verben, um deren Komplement zu markieren. In der Umgangssprache fällt es häufig aus, insbesondere bei suka, lupa und teringat. Changiert mit dengan und akan (letzteres in eher formaler Sprache).

  • Saya suka pada makanan Yunani.
  • Dia sudah lupa pada saya.

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Indonesische Namen

April 12, 2008

Zur Zeit kursiert im Internet die Geschichte des Batman Superman.

Aufregung in der Blogosphäre: Is this name for real?

Ein Singaporer javanischer Abstammung hat den offiziellen Namen Batman bin Suparman. Das klingt jetzt erstmal wie ein Jux, aber die Geschichte scheint zu stimmen.

Ein kurzer round-up aus der Blogosphäre:

  • Ursprünglich kam die Geschichte wohl im Blog Weird Asian News auf.
  • Schließlich erreichte die Geschichte auch den ehrwürdigen Sprachwissenschaftlerblog Language Log.
  • Selbst in der deutschsprachigen Blogosphäre schlug die Geschichte auf, der bekannteste Blog, der davon berichtete, war wohl der Hostblogger.

Einige Argumente, die dafür sprachen, daß die Geschichte kein Hoax ist:

  • das Sicherheitsfoto (ein wenig fragwürdig)
  • die Nummer der Ausweises (fehlt im obigen Foto, aber es kursieren Version, wo noch Teile der Nummer zu erkennen sind) ist ebenfalls stimmig
  • Dem Autor des Beitrags im Language Log ist es gelungen, zwei Belegstellen aus singaporianischen Blogs auf den Namen aus den Jahren 2005 und 2007 zu finden, die also offensichtlich vor dem jetzigen Wirbel geschrieben wurden.
  • die arabische Schrift ist eine akkurate Wiedergabe des Namens in der Jawi-Schrift.
  • der Name Suparman ist ein durchaus häufiger javanischer Name, von denen viele mit Su- (javanisch für „gut“) beginnen (Sukarno, Suharto) und manche auf -man enden.
  • Für Batman gibt es mehrere Erklärungsversuche:
    • Es könnte tatsächlich ein übler Scherz seitens der Eltern sein
    • u.U. eine Verkürzung des indischen Namens Batmanathan sein, was aufgrund des indischen Einflusses auf Java nicht überraschend sein würde, aber die Googletreffer weisen auf indische Personen hin, keine javanischen.
    • Fledermaus heißt kamprét, was auch manchmal als Übersetzung für „Batman“ verwendet wurde, bedeutet als Slangausdruck jedoch „Idiot, Lümmel, Straßenjunge“. Wenn es da nicht noch eine positive Nebenbedeutung gibt, auch unwahrscheinlich.

the Bandung-based rapper Iwa K released a song in the mid-90’s called “Batman Kasarung”, melding the Batman story with the Sundanese folk character Lutung Kasarung, a prince disguised as a monkey. So it appears that the Javanese parents of young Batman really were inspired by the comic book creation.

(Den Song kann man hier hören)

Der Rest des Beitrags soll sich damit beschäftigen, warum auf dem Ausweis Batman bin Suparman steht, und was dies bedeutet. Dafür müssen wir ein wenig in die indonesische Namensgebung einsteigen…

Indonesische Namen: Einzelnamen

Indonesier sind ja bekannt ja dafür, daß viele von ihnen nur einen Namen tragen, einen einzigen. In Zeitungen steht dann so etwas „X, der/die wie viele Indonesier nur einen Namen trägt/führt/hat„. Aber das Bild ist um einiges komplexer, denn in Indonesien bestehen sehr viele verschiedene Namensgebungssysteme nebeneinander her. Selbst wenn wir ethnische Besonderheiten wie die der Balinesen außen vor lassen (welches einen eigenen Eintrag wert ist), konkurrieren selbst in der Mehrheitsbevölkerung verschiedenen Prinzipien miteinander. In der Regel kann man aber sagen, daß im Indonesischen die im Deutschen allgemein übliche Aufteilung in Vor- und Familiennamen in der Regel nicht vorhanden ist!

Grundsätzlich ist zwischen Einzelnamen und Mehrfachnamen zu unterscheiden. Auf indonesisch heißt ersteres nama tunggal (so wie das Einzelkind anak tunggal heißt) und letzteres nama jamak (wobei nama keine Entlehnung aus dem Englischen oder Niederländischen ist, sondern schon viel früher aus dem Sanskrit entlehnt wurde). Bei einem nama tunggal handelt es sich also um das berühmte Beispiel von dem einzigen Namen, den viele Indonesier verwenden. Gerade in Java ist dies sehr häufig, wie die Beispiele der Politikergeneräle Sukarno, Suharto, Wiranto verdeutlichen. (Die Beispiele stammen alle aus diesem Wikipedia-Artikel „Nama Indonésia“ (I) und beziehen sich auf reale Persönlichkeiten.)

  • Name des Kindes Soeharto
  • Name des Vaters Kertosudiro
  • Name der Mutter Sukirah

Die Angewohnheit von Javanern (und anderen Indonesiern), nur einen Namen zu haben, führt regelmäßig zu Problemen: In Deutschland wird der Name als Vor- und Nachname eingesetzt: Soeharto Soeharto sozusagen. In den USA geht dies auch, obwohl oft auch der Name als Nachname angesehen wird und als Vorname Fnu (First Name Unknown) steht, was schon mal für einen gebräuchlichen indonesischen Namen gehalten wird. (Oder entsprechend als Nachname Lnu (Last Name Unknown)). Dies kann bei Behördengängen zu zahlreichen Problem führen.

In den Niederlanden wird häufig als Nachname Onbekend „Unbekannt“ eingesetzt, selbst bei Mehrfachnamen, wenn kein Familienname besteht, d.h. die Namen des Vaters und des Kindes nicht übereinstimmen.

Indonesische Namen: Mehrfachnamen

Der nama jamak kann hingegen nach verschiedenen Mustern vergeben werden:

Mehrfachname ohne Familiennamen: das Kind erhält mehrere Namen, die in keinem Zusammenhang mit den Namen der Eltern stehen.

  • Name des Kindes Siti Hartinah
  • Name des Vaters Soemohardjo
  • Name der Mutter Hatmanti

Mehrfachname mit dem letzten Namen als Familiennamen: Das Kind erhält mehrere Namen, von denen der letzte als Familienname verwendet wird, der in der Regel vom Vater weitervererbt wird (mit Ausnahme von matrilinearen Ethnien wie die der Minangkabau).

  • Name des Kindes Baharuddin Jusuf Habibie
  • Name des Vaters Alwi Abdul Jalil Habibie
  • Name der Mutter Tuti Marini Puspowardojo

Mehrfachname mit Patronymikon nach europäischem Muster: Das Kind erhält als letzten Namen, der auf den Namen des Vaters hinweist, mit einem Zusatz -putra, -putri „Sohn, Tochter“, analog dem russischen Vaternamen oder den isländischen Nachnamen.

Mehrfachname mit Patronymikon nach arabischem Muster: Das Kind erhält als letzten Namen den Namen des Vaters, ohne Zusatz.

Im Geburtsurkunden stehen immer die Namen des Vaters und der Mutter, also X, anak Y dan Z.

In Malaysia und Singapur: Sehr selten kommen patrilinear vererbte Familiennamen vor, aber in der Regel wird das Muster „Mehrfachname mit Patronymikon nach arabischen Muster“ bevorzugt, wobei hier ein Zusatz bin/binte (arabisch für „Sohn, Tochter“, abgekürzt b./bt(e).) eingefügt wird, der in Zeitungen u.ä. schon mal häufiger weggelassen wird.

  • Name des Kindes Anwar bin Ibrahim, in der Presse normalerweise Anwar Ibrahim genannt.
  • Name des Vaters Ibrahim bin Abdul Rahman
  • Name der Mutter Che Yan Hussein (andere Namensregeln, da ethnische Chinesin mit späteren Übertritt zum Islam)

Diese Situation wird durch gelegentliche Doppelnamen verkompliziert, die durch Namenszusätze erzeugt werden, die meist mit einem Namen zusammen stehen. Für männliche Namen sind dies:

  • Muhammad / Mohammad / Mohammed (oft abgekürzt als Mohd., Muhd., Md. oder M.)
  • Mat (malaiische Variante für Muhammad. Mat dient zudem als Rufname für Namen, die auf -mad oder -mat enden, wie z.B. Ahmad, Rahmat, Samad, etc.)
  • Ahmad
  • Abdul (wie im Arabischen ist dies kein eigener Name, sondern ein Zusatz mit der Bedeutung ‚Diener von‘, und muß von einem der Namen Gottes im Koran gefolgt sein; wie oben beim Vater von Anwar bin Ibrahim, Ibrahim bin Abdul Rahman — ‚Diener des Gnadenreichen‘)

Die häufigsten Zusätze bei weiblichen Namen:

Zurück zu Batman bin Suparman

Abschließend läßt sich also zum Fall des Batman bin Suparman sagen, daß er in Indonesien entweder lediglich Batman hieße oder Batman Suparman. Singapor (und Malaysia) scheinen zwingend die Führung mehrteiliger Namen vorzuschreiben, und dem müssen sich auch Nachkommen javanischer Einwanderer unterwerfen.


Java

April 5, 2008

Ich habe mich früher immer gefragt, warum die Japaner zu der indonesischen Insel nicht Java sondern Jawa (ジャワ) sagen… Erst als ich anfing, Indonesisch zu lernen, ging mir auf, daß es sich tatsächlich um [w] handelt und nicht um [v]. Die englische und auch deutsche Aussprache ist also von der Originalaussprache entfernt, während die japanische dem ganzen ziemlich nahe kommt.

Es bleibt noch der Hinweis, daß im Japanischen [v] nur in Fremdwörtern verwendet wird, und das erst seit der Nachkriegszeit, vorher wurde ein [v] abgewandelt, wie z.B. bideo von Video. Dies zeigt sich bei dem japanischen Wort für Kartoffe, das auf japanisch wörtlich „Java-Rübe“ bedeutet (da die Kartoffeln über den Handel mit den Niederländern nach Japan kamen): jaga-imo. Der chinesische Name von Java lautet übrigens 爪哇 zhao3wa1.

Der Ursprung des Namens selbst ist unklar. Im Wikipedia-Artikel über Java werden die folgenden Thesen genannt:

  • jáwa-wut-Pflanze, die reichlich auf der Insel vorgekommen sein soll.
  • jaú (auf indonesisch jauh), was „jenseits, fern“ bedeutet.
  • im Sanskrit heißt yava „Gerste“, eine Pflanze, für die Insel berühmt war.
  • java kommt von einem proto-austronesischen Wort, das „Heimat“ bedeutet.

sehr

März 16, 2008

Es gibt im Indonesischen mehrere Wörter, die als Intensifikatoren fungieren können, vergleichbar dem deutschen Wort „sehr“. Üblicherweise sind es Adjektive oder Adverbien, die intensiviert werden, aber auch gewisse (meist Emotions-)Verben wie „mögen, ärgern“ gehören dazu. Der Einfachkeit halber werde ich im folgenden jedoch von Adjektiven sprechen.

sekali (nachgestellt)

Abgeleitet von kali, ist dies ein häufig verwendetes Wort, das dem Adjektiv nachgestellt wird.

  • Banyak sekali orang yang berbelanja di pasar.
  • Saya marah dan merasa kecewa sekali.

sangat (vorangestellt, u.U. nachgestellt)
Dieses Wort ist recht formal und wird dem Adjekt vorangestellt. Das KII führt an, daß es auch nachgestellt möglich sei, jedoch ist die vorangestellte Variante laut google weitaus häufiger als die nachgestellte.

  • Ongkos administrasi sangat tinggi.
  • Saya sangat mengerti.

amat (vorangestellt, ugs. nachgestellt)

Genauso wird dieses Wort dem Adjektiv vorangestellt. In der populären Umgangssprache wird es auch nachgestellt, was dem ganzen jedoch einen starken umgangssprachlichen Anstrich verleiht.

  • Kau amat membencinya sejak itu?
  • Marah amat si Lina.

betul & benar (nachgestellt)

Diese Wörter bedeuten „richtig“ bzw. „wahr“ und werden in der Umgangssprache als Intensifikatoren verwendet, indem sie dem Adjektiv nachgestellt werden.

  • Énak betul ayam ini.
  • Film itu bagus benar.

habis (nachgestellt)

In der populären Umgangssprache kann auch habis, oder mit Ausfall des /h/, abis in einer verstärkenden Bedeutung verwendet werden, wobei es dem Adjektiv nachgestellt wird:

  • Dia cantik habis!

banget & pisan (nachgestellt)

Diese Wörter entstammen dem Javanischen bzw. dem Sundanesischen, zwei Sprachen, die großen Einfluß auf das Jakarta-Indonesische haben, so daß beide Ausdrücke Eingang in die populäre Umgangssprache der Bahasa Indonesia gefunden haben. Sie werden dem Adjektiv nachgestellt; wahrscheinlich ist das javanische banget verbreiteter als das sundanesische pisan.

  • Soalnya, gua malu banget ama temen-temen.
  • Mahal pisan!

Weitere Wendungen

Es folgen ein paar Kombinationen und zusammengesetzte Fügungen, die in der Regel eine weitere Intensivierung bewirken, d.h. die Bedeutung „extrem, äußerst“ annehmen.

Die Kombination tidak begitu bedeutet „nicht sehr“:

  • rumahnya tidak begitu besar.

Dann wäre einen Kombination aus amat und sangat zu nennen, die „extrem“ bedeutet und dem Adjektiv vorangestellt ist.

  • dia amat sangat kaya.

Die Kombination aus sangat und sekali wiederum bedeutet „äußerst“:

  • Tutorial ini sangat bagus sekali.

Eine umgangssprachliche Fügung, die dem Adjektiv nachgestellt wird, ist setengah mati „halbtot“:

  • Ketika sampai di rumah Nani terkenjut setengah mati.

Dann gibt es eine Reihe von Zusammensetzungen mit bukan und einem anderen Wort: bukan main, bukan kepalang und bukan buatan. Sie können dem Adjektiv entweder vorangehen oder ihm folgen, wobei dieses in der Regel mit -nya markiert sein muß, obwohl bei der Hintanstellung auch Fälle ohne -nya vorkommen. (Wie formal oder nicht formal diese Ausdrücke sind, entzieht sich leider meiner Kenntnis.)

  • Di belakang gedung fakultas kedokteran di Salemba ada sebuah rumah sakit yang bukan main besarnya.
  • Bukan kepalang beraninya dan cerdiknya.
  • Saya malu bukan buatan.

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Singapura dan Kuala Lumpur

März 9, 2008

Die zwei wichtigsten Städte im benachbarten Ausland, der Stadtstaat Singapur und die Hauptstadt Malaysias, Kuala Lumpur. Zwei Städte, deren Namen aus dem Malaiischen stammen. Was aber bedeuten ihre Namen?

Singapur

Fangen wir also mit Singapur (E) an. Dieser Name besteht aus zwei Komponenten, die ursprünglich aus dem Sanskrit stammen: singa „Löwe“ und pura „Stadt, Festung“. Die Reihenfolge der Komponenten läßt darauf schließen, daß es eine Bildung nach Wortbildungsmustern im Sanskrit ist, denn der Name bedeutet schließlich „Stadt der Löwen“ und nicht „Löwen der Stadt“. So ging mir auch endlich ein Licht auf, warum die Stadt im Chinesischen neben 新加坡 (Xin1jia1po1, Lautentlehnung, die Zeichen bedeuten neu-hinzufügen-Abhang) auch den Namen 獅城 (Shi1cheng2, „Stadt der Löwen“) trägt. (Ein alter javanischer Name ist übrigens Temasek (E), was soviel wie „Sumpfland“ bedeutet, also viel weniger glamorös.)

Kuala Lumpur

Konnte Singapur noch seinen alten Namen abschütteln, ist dies Kuala Lumpur weniger gelungen. Die Stadt wurde dort gegründet, wo der Sungai Gombak (der Fluß Gombak) in den Sungai Klang fließt. Allerdings hieß ersterer früher Sungai Lumpur, „Schlammfluß“. kuala ist die „Flußmündung“, also bedeutet der Name „Schlammflußmündung“. Kein Wunder, daß der Name normalerweise als KL abgekürzt wird…. (Immerhin im Chinesischen hat man eine auspiziösere Übersetzung gefunden.
吉隆坡 (Ji2long2po1) ist genauso eine Lautentlehnung, deren Zeichen jedoch „Glück-gedeihen-Abhang“ bedeuten.)