Notizen zur Umgangssprache 4: in-Suffix

Oktober 12, 2009

Bei den transitiven Verben gibt es zusätzlich zu den Suffixen -kan und -i, die auch in der Standardsprache vorkommen, in der Umgangssprache zusätzlich noch ein aus dem Balinesischen stammende Suffix -in, womit sich Sneddon in Kapitel 2.7 beschäftig. Dieses kann in vielen Fällen anstelle von -kan und -i treten, wie z.B. die beiden folgenden Beispiele:

(1) Papi Sandy beliin Sandy organ.

(2) Gua ngedeketin dia untuk jadi pacar gua.

In der Standardsprache kann -i nicht nach auf -i endenden Verbstämmen folgen, in der Umgangssprache gilt dies für -in nicht: bukti-in ‚beweisen‘. Andererseits kann -in die Suffixe -kan und -i nicht ersetzen, wenn diese Suffixe zusammen mit den Präfixen ter- oder ber- auftreten.

Sneddon stellt zudem fest, daß einige Verben, die in der Standardsprache ohne -kan oder -i stehen, können in der Umgangssprache mit -i stehen, wobei der Gebrauch des Suffixes hier jedoch optional ist:

  • bantu(in) ‚helfen‘
  • coba(in) ‚(etwas) versuchen‘
  • jaga(in) ‚bewachen‘
  • liat(in) ’sehen‘
  • ajak(in) ‚drängen, einladen‘
  • tutup(in) ’schließen, bedecken‘
  • tunggu(in) ‚erwarten‘
  • ngajar(in) ‚lehren‘

Das folgende Beispiel zeigt, daß sogar in derselben Äußerung zwischen Formen mit und ohne -in variiert werden kann:

(3) Saya ngajarin daerah-daerah tertentu.. saya ngajar acting juga.

Schließlich weist Sneddon darauf hin, daß in manchen Fällen nicht dasselbe Verb mit den verschiedenen Suffixen auftritt, sondern in der Standard- und der Umgangssprache verschiedene Verbstämme zum Einsatz kommen:

  • ‚hinstellen, hinlegen‘: Standardsprachlich letakkan, umgangssprachlich taruh
  • ‚verstecken‘: Standardsprachlich sembunyikan, umgangssprachlich umpetin

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Die Umgangssprache des Indonesischen

Juni 3, 2009

Bei jeder „großen“ Sprache*) gibt es gewisse Unterschiede, wie sie im Alltag verwendet wird, und wie sie in offiziellen Situationen verwendet wird, in der Schule und Universität, in der Privatwirtschaft und in der Regierung. Ersteres wird von Kindern ganz natürlich erworben, und letzteres muß mühsam erlernt werden. Der Einfachkeit halber werde ich das eine als Umgangssprache bezeichnen und das andere als Standardsprache.

Auch beim Indonesischen gibt es diese Unterschiede, die sich in Aussprache, Grammatik und Wortschatz zeigen. Verkompliziert wird das Bild jedoch dadurch, daß es zwar auf der einen Seite eine kodifizierte Standardsprache gibt, das sogenannte Bahasa Indonésia yang baik dan benar „das gute und richtige Indonesisch“, dem aber viele verschiedene regionale Varianten der indonesischen Umgangssprache stehen, die zweifelslos auch von den zahlreichen Regionalsprachen beeinflußt sind. In diesem Beitrag zur Verbmorphologie z.B. können selbst für Jakarta zwei Varianten unterschieden werden, das sogenannte Jakarta-Indonesisch und das Betawi, die Umgangssprache der altansässigen Einwohner Jakartas, die prozentual heute nur noch einen verschwindend geringen Anteil darstellen.

Eines der Anliegen dieses Blog ist es, neben den verschiedenen Aspekten der Standardsprache auch die Umgangssprache zu behandeln, zumal diese häufig im Indonesisch-als-Fremdsprache-Unterricht vernachlässigt wird, Beiträge zum Thema Umgangssprache sind hier zun finden. Zudem erwähne ich  in der Bibliographie u.a. zwei Bücher zum Jakarta-Indonesischen, Indonesisch Slang von Bettina David, und Colloquial Jakarta Indonesian von Robert Sneddon. Auch Searching for structure – The problem of complementation in colloquial Indonesian conversation von Robert Englebretson hat ein einführendes Kapitel, das die Eigenheiten der Umgangssprache, hier basierend auf der Variante von Yogyakarta, bespricht.

Gerade Sneddons Werk ist eine recht ausführliche Beschreibung der grammatischen Eigenheiten der indonesischen Umgangssprache, so daß ich in unregelmäßigen Abständen hier eine Serie von Beiträgen verfassen möchte, die die verschiedenen Bereiche anspricht, die Sneddon in CJI behandelt. Die Serie wird den Titel „Notizen zur Umgangssprache“ tragen.

*) bei nicht verschriftlichten Sprachen von Minderheiten ist es häufig so, daß die offiziellen Funktionen von der Amtssprache des betreffenden Landes übernommen werden. In Indonesien ist das Bild komplizierter, denn neben der einzigen Amtssprache Indonesisch gibt es an die 800 Regionalsprachen. Viele von ihnen haben eine sehr kleine Sprecherzahl, aber Sprachen wie das Javanische, Sundanesische, aber auch das Balinesische, haben Millionen von Sprechern und auch eine schriftsprachliche Tradition. Diese Sprachen, allen voran die größte Sprache, Javanisch, üben auch einen ungeheuren Einfluß auf das Indonesische aus, was vor allem in der Alltagssprache  zu vielen Entlehnungen geführt hat.


Das Wort für Gott…

April 9, 2009

im Indonesischen lautet Tuhan, was „Herr“ bedeutet. In der vereinfachten Form tuan wird ist dies auch eine Anrede für hochgestellte Personen, kann aber auch den „Herrn“ im Gegensatz zum „Knecht“ bezeichnen, wie z.B. in tuan pabrik „Fabrikbesitzer“, tuan tanah „Landbesitzer“ etc. Auch wenn meist in der Umgangssprache in der Regel  das h ausfällt, wird dies bei dem Wort für Gott meist beibehalten, und selbst wenn nicht, wird in der Regel wert auf eine unterschiedliche Schreibweise gelegt.

Ein weiteres Wort für Gott ist déwa, das aus dem Sanskrit stammt und eher in Richtung „Gottheit“ geht; entsprechend gibt es eine weibliche Form déwi. Dies sind die Bezeichnungen, die z.B. für die balinesischen Gottheiten verwendet werden. Für den Gott einer monotheistischen Religion eignet sich dieses Wort nicht.

Kommen wir zum dritten Wort: das aus dem Arabischen stammende Allah. Dies wird natürlich von vielen Muslimen verwendet, aber auch von einigen Christen. Dies kann zu Konflikten führen, da gerade in Malaysia einige Muslime dr Auffassung sind, daß hinter der Verwendung dieses Wortes durch Christen Missionierungsbestrebungen stünden: so hatte es im Januar 2008 einen Konflikt in dieser Hinsicht gegeben, weil eine katholische Zeitung das Wort Allah verwendete und die Regierung die Lizenzverlängerung der Zeitung davon abhängig machen wollte, ob die Zeitung davon absieht, dieses Wort zu verwenden oder nicht (Language Log, New York Times Lede Blog). Dieser Streit flackerte jetzt im März wieder auf (Jakarta Post, Jakartass, FP Passport Blog).

Jetzt hat die indonesische Sängerin Agnes Monica, die katholisch ist, den Zorn der malaysischen Mullahs (zumindest in der Provinz Selangor) auf sich gezogen, mit ihrem neuesten Song, „Allah peduli“ (God cares)

Der Text ist wie folgt:

Banyak perkara
Yang tak dapat kumengerti
Mengapakah harus terjadi
Di dalam kehidupan ini
Satu perkara
Yang kusimpan dalam hati
Tiada sesuatu ‚kan terjadi
Tanpa Allah peduli
Allah mengerti Allah peduli
Segala persoalan yang kita hadapi
Tak akan pernah dibiarkanNya
Ku bergumul sendiri
S’bab Allah mengerti

(Im Musikvideo variiert sie die letzte Zeile ganz am Schluß allerdings als S’bab Allah, Yésusku mengerti)

Wortliste folgt unten

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Ein bißchen Balinesisch…

März 17, 2008

Je nach Zählung gibt es in Indonesien ja außer Bahasa Indonesia noch 400-700 weitere Sprachen. Daher soll in diesem Blog ab und an in sehr unregelmäßigen Abständen auch etwas zu diesen Sprachen erscheinen. Um Überschneidungen mit den Einträgen zur Bahasa Indonesia zu vermeiden, werden diese Einträge nur unter dem jeweiligen Sprachnamen getaggt. (Spätere Erweiterungen sind nicht ausgeschlossen.)

Den Anfang möchte ich machen mit den wenigen Sätzen Balinesisch, die ich bei meinem Aufenthalt dort aufgeschnappt habe…. Balinesisch hat mehrere Höflichkeitsstufen, die wichtigsten davon heißen kasar (niedrig) und halus (hoch). Wenn ich mich richtig entsinne, sind die untenstehenden Sätze allesamt kasar. Zunächst der balinesische Satz, gefolgt von einer Übersetzung ins Indonesische und dann ins Deutsche:

kénkén kabaré: bagaimana kabarnya: wie geht’s?

sing ngelah pes: tidak punya uang: (ich) habe kein Geld.

sing ngelah céwék: tidak punya céwék: (ich) habe keine Freundin.