Notizen zur Umgangssprache 1: initiales /s/

Juni 5, 2009

Dies ist der erste Beitrag, der auf Sneddons Colloquial Jakarta Indonesian basiert, eine Untersuchung der modernen Jakartaer Umgangssprache. Kapitel 2.0 und 2.1 besprechen von mir bereits in mehreren Beiträgen erwähnte phonologische Veränderungen in der Umgangssprache, 2.1 geht insbesondere auf den Wechsel von /a/ zu Schwa in manchen Wörtern in der Umgangssprache ein. In Kapitel 2.2 behandelt er vier sehr häufige Wörter, bei der in der Umgangssprache initiales /s/ entfällt:

  • saja wird zu aja („nur“)
  • sudah wird zu udah („gerade, schon“)
  • sama wird zu ama („mit“)
  • sampai wird stets zu sampe, und oft auch zu ampe („bis“)

aja und udah

Für saja und sudah gibt Sneddon auch Zahlen an: in Unterhaltungen und in (von Helfern durchgeführten informellen) Interviews werden die informalen s-losen Varianten zu mehr als 90% verwendet, aber auch in Meetings tritt aja zu über 50% und udah zu immerhin rund 30% auf.

(1) Dia diem-diem aja, ya?

(2) Udah siap-siap buat kuliah, belom?

ama

Das Verhältnis zwischen sama und ama ist komplizierter. sama gerade in der Umgangssprache ist ein so vielseitig verwendbares Wort, daß es einen eigenen Beitrag verdient. Die s-lose Variante kann, wenn auch nicht übermäßig häufig, auftreten, wo sama als Präposition verwendet wird wie in (3) und (4).

(3) Gua bingung ama nyokapnya dia loh.

(4) gua dijemput ama Fido.

sama kann auch als Adjektiv im Sinne von „gleich“ verwendet werden, wo es nicht ersetzt werden kann.

(5) Kebetulan hobinya sama.

Auch in verschiedenen Wendungen kann es nicht ersetzt werden, als Beispiel werden sama sekali (tidak) „überhaupt (nicht)“, sama dengan „dasselbe wie“ und kerja sama „zusammenarbeiten“ genannt. Letzteres steht aber mit der Präposition sama, welche dann wie in (6)  ohne /s/ stehen kann:

(6) Buka sekola balet, kerja sama ama orang Korea.

ampe

Sneddon gibt keine Zahlen, sondern sagt lediglich, daß sampai, welches laut den phonologischen Regeln der Umgangssprache stets sampe gesprochen wird, „manchmal“ auch sein /s/ verlieren kann.

(7) Kok brani sih ampe pinjem duit ke orangtuanya gitu?

Die Übersetzungen der Beispielssätze folgen

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Einsilbige Wörter im Indonesischen

Mai 27, 2008

Das Indonesische gehört zur austronesischen Sprachfamilie, und in vielen Sprachen sind die Wortwurzeln zweisilbig, weswegen auch für das Proto-Austronesische in der Regel zweisilbige Formen angesetzt werden. Dabei können die Silben sowohl offen als auch geschlossen sein. Im Umkehrschluß bedeutet dies, daß einsilbige Wörter aus dem ererbten Wortschatz extrem selten sein sollten. Ich habe mir mal den LDTI zur Hand genommen und alle einsilbigen Wörter aufgeschrieben. Es stellt sich heraus, daß die meisten einsilbigen Wörter entweder Lehnwörter sind, oder es sich um Interjektionen, Affixe oder Funktionswörter handelt, in einigen Fällen um verkürzte Formen oder Abkürzungen. Bei manchen Wörtern war mir nicht klar, ob diese Wörter tatsächlich aus dem Arabischen oder Chinesischen stammten, diese sind mit einem Fragezeichen gekennzeichnet.

Das LDTI hat 4.000 indonesische Einträge, wobei Wörter wie buang, cium, dia, mit einer Kombination aus Halbvokal und Vokal, die häufig in der heutigen gesprochenen Sprache einsilbig gesprochen werden, auf jeden Fall historisch als zweisilbige Wörter anzusehen sind und daher in der Liste nicht auftauchen. (Hinweis: zu einigen Themen werde ich später eigene Einträge schreiben. Bis ich dazu komme, werden die Verweise im durchgestrichenen Schrifttyp dargestellt.)

Interjektionen und Abtönungspartikel

ah, déh, dong, dor, éh, hah, -kah, kan, kok, -lah, lha, lho, nah, nih, sih, to, toh, tuh, wah, ya, yuk. S.a. Liste hier.

Affixe

-ku, -mu, -nya, se-

Anredeformen

Bu (=Ibu), Bung, Dik (=Adik), Kak (= Kakak), Mas, Mbak, Om/Oom, Pak (=Bapak). S.a. dieses Post, das die wichtigsten Anredeformen, ob ein- oder zweisilbig, im größeren Detail bespricht.

Funktionswörter

dan (Konjunktion), di (lokale Präposition), ke (direktionale Präposition), lu (Personalpronomen), pun (Fokusadverb?), sang (Honorifikmarker), si (Diminuitivmarker), sok (Adverb?)

Verkürzte Formen

’nak (< anak) „Kind“, nak (< hendak) „wollen“, ndak/tak (< tidak) „nicht“, außerdem wie oben erwähnt Bu, Pak, Dik, Kak

Akronyme

SIM: (Surat Izin Mengemudi) „Fahrerlaubnisschein“ = Führerschein

Lehnwörter aus dem

1. Arabischen

bab „Buchkapitel“, hak „Recht“, hal (?) „Angelegenheit“, jam „Stunde“, khas „typisch, charakteristisch“, zat (?) „Substanz (im chemischen und metaphysischen Sinn)“

2. Chinesischen

cap (?) „Marke, Stempel“, cat von Hokkien ts’at „Farbe“, mi „Nudeln“, téh von Hokkien te „Tee“

3. Niederländischen

bak „Badewanne (indonesischen Stils)“ von de bak „Kasten“, bir von het bier „Bier“, bis von bus „Bus“, és von het ijs „Eis(kreme)“, gang von de gang „Gasse“, gas von het gas „Gas“, jas von de jas „Jacke“, kos von de kost „Untermiete“, lés von de les „private Unterrichtsstunden“, nol von de nul „Null“, Om/Oom von de oom „Onkel“, pas von pas „exakt, passend“, pérs von pers (mit fürs Niederländische charakteristischer Metathese) „Presse“, ras von het ras „Rasse“, tas von de tas „Tasche“.

4. Englischen

bom „Bombe“, cék „Scheck, checken“, film „Film“, gang/geng „Gang“, grup „Gruppe“, klab „Club“, séks „Sex“, truk „LKW“

5. Niederländischen oder Englischen

rak „Regal“ (N rak, oder E rack), sén „Cent“ (N oder E cent), sop „Suppe“ (N soep, oder E soup), ton „Tonne“ (N ton oder E ton)


sok

April 26, 2008

sok ist eines dieser Wörter, die schwer klassifizierbar sind. Am ehesten handelt es sich um ein Adverb, ob es letztlich als Funktionswort klassifizierbar ist, bleibt offen. Es hat eine normalerweise negative Konnotation, „sich für X halten, sich einbilden X zu sein“, wobei „X“ in der Regel eine durch ein Adjektiv ausgedrückte Eigenschaft darstellt (aber manchmal steht X auch für ein Nomen oder ein Verb). Der Ausdruck scheint dann als Prädikat zu fungieren, also kein Nomen zu sein.

  • sok tahu (tahu „wissen“): alles besser wissen
  • sok suci (suci „heilig“): scheinheilig
  • sok jagoan (jago „Hahn): den großen Macker geben
  • sok gaya (gaya „Energie“): angeberisch mit seinem Auftreten prahlen
  • sok aksi (aksi „Aktion“): bombastisch tun
  • sok imut/cute: sich für hübsch halten
  • sok cantik (cantik „schön“): sich schön vorkommen
  • sok pintar (pintar „klug“): sich für klug halten
  • sok kaya (kaya „reich“): sich für reich halten
  • sok kerén (kerén „toll“): sich toll vorkommen

Hier noch ein paar Beispielsätze:

  • Liat tuh, doski sok gaya lagi!
  • Makanya, jangan sok tahu aja!

sok kann auch alleinstehend verwendet werden, im Sinne von „großkotzig, eingebildet“:

  • Seisi kelas dia yang paling sok.

LDTI hat zudem noch die Bedeutung „oft, manchmal“ (und als jangan sok negiert „denke nie im Leben daran, X zu machen“), die im KII nicht verzeichnet ist:

  • Dia sok datang malam-malam.
  • Jangan sok tanya macem-macem kalau Bapak lagi baca koran.


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pada

April 14, 2008

pada ist eine für den Indonesischlernenden äußerst wichtige Präposition. Bevor wir uns den fünf Grundbedeutungen zuwenden, die Quinn aufführt, ein Hinweis auf eine völlig andere Funktion von pada: in der Umgangssprache, gerade in der Javas, steht es vor dem Verb, um anzuzeigen oder zu betonen, daß sich das Subjekt auf mehrere Personen bezieht. (Es ist unklar, ob es sich hier überhaupt um dasselbe Wort handelt, oder um zwei Homonyme.)

  • anak-anak pada makan
  • Aduh.. meréka pada nangis

1. Zeitangaben

Pada wird mit verschiedenen Zeitangaben verwendet.

  • Dia lahir pada tahun 1977.
  • Pada hari kemerdekaan mereka ikut dalam upacara di alun-alun.
  • Pada waktu itu ia belum bisa berbahasa Cina.

2. Adverbiale Fügungen

Ansonsten kann pada verwendet werden, um von Nomen abgeleitete adverbiale Fügungen zu bilden.

  • Pada pendapat saya…: meiner Meinung nach..
  • Pada dasarnya …: grundsätzlich…
  • Pada umumnya …: allgemein, im allgemeinen, großenteils

3. Variante von kepada

Wie kepada kann pada hier eine Bewegung oder einen Transfer zu einer Person bezeichnen (keine Sache oder Tier).

  • Dia sudah kembali pada suaminya.
  • Dia minta tolong pada Ibu Tién.

4. Adjektivkomplement

Pada steht bei manchen Adjektiven, um ihre Komplement zu markieren. Scheint häufig mit dengan austauschbar zu sein.

  • Dia marah pada saya.
  • Anda harus baik padanya.

5. Verbkomplement

Pada steht bei manchen intransitiven Verben, um deren Komplement zu markieren. In der Umgangssprache fällt es häufig aus, insbesondere bei suka, lupa und teringat. Changiert mit dengan und akan (letzteres in eher formaler Sprache).

  • Saya suka pada makanan Yunani.
  • Dia sudah lupa pada saya.

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Ayo

März 22, 2008

Dies ist eine Partikel, um eine Aufforderung auszudrücken, die den Hörer und den Sprecher mit einschließt, also in etwa dem dt. „laßt uns“ oder dem engl. „let’s“ vergleichbar. Sie steht in der Regel am Satzanfang. Laut LDTI kann dies einen Beigeschmack von Ungeduld aufweisen, wie z.B. in

  • Ayo makan. Aku sudah mau pergi. „Iß zu, ich will weg von hier.“ (LDTI)

Aber im Untertitel von diesem Blog natürlich nicht….

  • Ayo belajar Bahasa Indonésia. „Laßt uns Indonesisch lernen.“ (LDTI)

yuk ist gemeinhin als informale Variante von ayo bekannt. Es hat im Gegensatz zu ayo die Tendenz, am Satzende aufzutauchen (insofern ist yuk tatsächlich lediglich ayo mit Ausfall des /a/, und das k vielmehr ein orthographisches Konstrukt, da ein finales /k/ ja in der Regel eh wie ein Glottalverschluß gesprochen wird.

  • Nonton, yuk. „Komm, laß uns einen Film gucken gehen“. (LDTI)

Dann gibt es als formaleres Wort noch mari, welches häufig von kita gefolgt wird:

  • Mari kita berangkat. „Laßt uns gehen/aufbrechen.“ (LDTI)

Die Anfügung der Partikel -lah macht es noch formaler:

  • Marilah kita memilih partai yang menjanjikan kehidupan baru. „Laßt uns für die Partei stimmen, die ein neues Leben verspricht.“ (LDTI)

Zusammenfassend in der Reihenfolge der Formalität:

marilah > mari > ayo > yuk.

Im Gegensatz zu ayo und yuk hat mari jedoch noch eine andere Bedeutung, es wird verwendet, um jemanden einlandend aufzufordern, etwas zu tun:

  • Mari masuk. „Bitte treten Sie ein“ (LDTI)

oder als Antwort auf permisi:

  • A: Permisi, pak. B: Mari. A: Entschuldigen Sie, der Herr. B: Keine Ursache.


Vom Nomen zur Präposition: hasil und soal

Februar 27, 2008

In einem Artikel der BBC Indonesia zum Anschlag auf den Präsidenten von Osttimor stand folgender Satz zur Reaktion der australischen Regierung:

„Pemerintah ini akan berdiri tegak bersama pemerintahan hasil pemilihan démokratis Timor Leste pada saat krisis ini,“ kata Perdana Menteri Australia Kevin Rudd.

Es stellte sich die Frage, was für eine Struktur hat pemerintahan hasil pemilihan démokratis Timor Leste? Klar ist, daß es sich um so etwas wie „demokratisch gewählte Regierung Osttimors“ handeln muß. Aber was für eine Funktion hat hasil „Frucht, Ergebnis“ hier? Regierung, die das Ergebnis demokratischer Wahlen ist. Da würde man aber ein yang vermissen. Genauso, wenn hasil hier als Adjektiv oder Verb zu verstehen wäre, aber dann würde man eh noch eine Präposition erwarten. Normalerweise ist die hierfür verwendete Form berhasil und wird folgendermaßen verwendet:

  • télékomunikasi yang cepat dan berhasil guna.
  • ia berhasil memperoléh gelar.
  • Setelah semua berhasil di install, secara remote semua berjalan dengan lancar.

Man sieht: entweder es bildet eine Kollokation mit der Bedeutung „nützlich“ zusammen mit guna, es steht konjunktionslos vor einem anderen Verb, oder mit Konjuktion vor einem Nomen.

Alles wurde schlagartig klar bei einem ähnlichen Problem, mit einem anderen Nomen, und das sogar im selben Artikel:

Éditor Asia Timur BBC Andre Vornic mengatakan tindak kekerasan dan upaya pembunuhan memunculkan keraguan soal keberhasilan upaya membangun bangsa di Timor Leste.

Hier wird das Wort soal „Problem“ auf ähnliche Weise verwendet. „die Zweifel des Problems des Erfolgs der Bemühungen zum Aufbau der Nation Osttimor“ ergibt keinen Sinn. Wohl aber, wenn man soal als Präposition mit der Bedeutung „über“ auffaßt.

Und genauso ist auch hasil aufzufassen, als Präposition, die es so im Deutschen nicht gibt, in etwa mit der Bedeutung „herrührend von“. Weitere Beispiele sind makalah hasil penelitian „Forschungsartikel“ und pidato Kennedy soal rencana kerjanya „Rede Kennedys über sein Regierungsprogramm.

Da dies in mir zugänglichen Wörterbüchern zumindest nicht verzeichnet ist, hat man Grund zur Annahme, daß es sich hier um eine gerade im Verlauf befindliche Grammatikalisierung handeln könnte.

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gué und elo

Februar 25, 2008

Natürlich werden auch die entsprechenden Pronomina der Standardsprache verwendet aku und kamu für die vertraute Anrede und saya und Anda für die höfliche Anrede. Allerdings werden gerade bei Höhergestellten die Titel ibu, abgekürzt bu, und bapak, abgekürzt, pak, vorgezogen. Es gibt dann noch einige regional und stilistisch unterschiedlich verwendete Varianten wie awak, dirimu und kau, engkau und diriku. S.a. die Diskussion hier.

In der populären Umgangssprache, die auf dem Jakarta-Indonesischen basiert, das auch Betawi genannt wird, werden hingegen die aus dem Hokkien stammenden gué und elo bevorzugt. Es gibt mehrere Varianten wie gua, lu, lo. Im allgemeinen gelten diese Pronomen als unhöflich und werden in formaler und/oder distanzierter Sprechweise nicht verwendet, mit der Ausnahme von Chinesischstämmigen.

Für die anderen Pronomen:

  • dia, während ia auf die Schriftsprache beschränkt bleibt. In der populären Umgangssprache sind auch doi und doski beliebt, die jedoch auch auf den Partner/die Partnerin verweisen können.
  • kami und kita für die 1. Person
  • kalian für die 2. Person ist ziemlich formell. In der populären Umgangssprache werden Begriffe wie lu orang oder lu pada verwendet.
  • meréka.