Notizen zur Umgangssprache 6: Diathesen

Oktober 30, 2009

Wie genau die Diathesen im Indonesischen funktionieren, ist in der Sprachwissenschaft eine umstrittene Frage. Aufsätze wie Chung (1976) und verschiedene Beiträge in Wouk & Ross (2002) stellen nur eine kleine Auswahl von Positionen dar (Wohlgemuth 2003 beschreibt die Diskussion in deutscher Sprache).  Traditionell werden für das Indonesische zwei Passivtypen unterschieden, das di-Passiv und das 0-Passiv:

  • beim di-Passiv ist das Verb mit di- markiert, und der Urheber folgt dem Verb, optional markiert durch oléh: Aku dilihat oléh dia. Ich wurde von ihm gesehen.
  • beim 0-Passiv geht dem präfixlosen Verbstamm eine enklitische, typischerweise pronominale Urheberphrase voraus: Buku ini kubaca. Dieses Buch wurde von mir gelesen.

Einige Sprachwissenschaftler vertreten nun die Ansicht, daß nur das di-Passiv ein Passiv darstellt, während das sogenannte 0-Passiv ein Patiensfokus sei. Wieder andere sagen, daß das Indonesische weder Aktiv noch Passiv kenne und die Präfixe vielmehr semantische Bedeutung aufwiesen.  Sneddon folgt der von beiden Seiten kritisierten traditionellen Ansicht.  An dieser Stelle will ich jedoch nicht weiter auf die Diskussion eingehen und mich darauf beschränken, die Position von Sneddon in ICG zur Standardsprache und in CJI zur Umgangssprache beschreibend wiederzugeben.

Für die Standardsprache nimmt Sneddon an, daß sie gewissen Beschränkungen unterliegen:

  • das di-Passiv kann nur mit Urhebern der dritten Person stehen.
  • das 0-Passiv kann nur mit pronominalen Urhebern stehen.

Pronominale Urheber in der dritten Person wären demnach die einzigen Fälle, bei denen beide Passive zum Einsatz kommen könnten:

(1a) Buku sejarah ini dibacanya.

(1b) Buku sejarah ini dia baca.

„Dieses Geschichtsbuch wurde von ihm gelesen.“

In der Umgangssprache gelten diese Beschränkungen nicht:

  • Beim di-Passiv kann demnach auch ein Urheber in der ersten Person stehen, Urheber der zweiten Person traten bei Sneddon nicht auf. Außerdem wird der Urheber statt oléh in der Regel durch (s)ama markiert.
  • Beim 0-Passiv kann auch ein nicht-pronominal gebrauchter Name als Urheber stehen.

(2) meréka dibantu sama kita juga loh.

Ihnen wurde auch von uns geholfen.

(3) kalo elu yang beli harga nggak akan sama dengan yang Ronny atau Anyun ambil.

Wenn du derjenige bist, der einkauft, wird der Preis nicht derselbe sein, den Ronny oder Anyun bekommen.

Ein möglicher Kritikpunkt an dieser Unterscheidung ist wiederum die Tatsache, daß die Grenzen zwischen der Standardsprache und der Umgangssprache fließend sind und es daher unklar ist, wie real diese Beschränkungen sind. Klar ist jedoch, daß viele Sprachwissenschaftler bei der Beschreibung der wie auch immer genanten Passivformen eine Distribution der Formen annehmen, wei sie Sneddon für die Umgangssprache beschreibt.

Weitere Unterschiede, die Sneddon für die Umgangssprache beschreibt:

  • in der Umgangssprache muß beim 0-Passiv nicht zwingend das Hauptverb dem Klitikon folgen, es kann auch ein präverbales Element wie ein Negator oder ein Hilfsverb dazwischentreten: Ini yang meréka tidak pikirkan. „Dies ist, was sie nicht bedacht haben“ und Ini yang kita mau angkat. „Dies ist, was wir anheben werden.“  Anzumerken ist, daß solche Fälle von Wouk (2004a) nicht mehr als 0-Passiv angesehen werden, sondern als präfixlose Aktivform. Sneddon merkt später an, daß in einigen Fällen präfixlose Aktivformen und 0-Passivformen nicht formal unterscheidbar sind.
  • Manche in der Standardsprache intransitive Verben können als 0-Passiv in der Umgangssprache verwendet werden: mau/mo „wollen„, tau „wissen“ und suka „mögen“: Céwék-céwék di Atma gua suka karena banyak yang cantik. „Ich mag die Mädels von der Atma-Universität, weil viele von ihnen hübsch sind.“
  • Auch einige Adjektive wie kecéwa „enttäuscht“ und sebel „verärgert“ können in Passivkonstruktionen auftreten, wo in der Standardsprache durch meng- -kan zum Verb abgleitete Formen erwartet würden. Kayak gitu yang gua sebel. „Solche Sachen sind, worüber ich enttäuscht bin.“
  • Für das di-Passiv merkt Sneddon an, daß in allen Genres, die Gegenstand der Untersuchung in CJI waren, die Konstruktion in 85%-93% der Fälle ohne expliziten Urheber stand. Insgesamt gilt auch, daß das Passiv viel häufiger vorkommt, als es z.B. im Englischen der Fall wäre. Dies ist eine typische Eigenschaft von austronesischen Sprachen.

Notizen zur Umgangssprache 5: -nya

Oktober 21, 2009

Das Suffix -nya ist eines der wichtigsten Morpheme im Indonesischen und nimmt in jeder grammatischen Darstellung einen großen Platz ein. Das Suffix findet sowohl in der Umgangs- als auch der Standardsprache Verwendung. Im folgenden gehe ich von zwei Quellen aus, die sich mit dem umgangssprachlichen Gebrauch dieses Suffixes beschäftigen, Kapitel 2.8 von Sneddons CJI und Kapitel 5 von Englebretson 2003. Es gilt jedoch die Warnung von Sneddon, daß „the functions of -nya are many and varied and are not entirely well-understood.“

-nya als Possessivmarker

Die Verwendung von -nya als anaphorisch gebrauchtes Possessivpronomen der 3. Person ist eine der Hauptfunktionen dieses Suffixes.

(1) padahal ibu-nya nggak suka ramai kan.

Dieser Satz illustriert gleichzeitig, daß die dritte Person hier aus Höflichkeitsgründen sich auf den Gesprächspartner beziehen kann, um eine direkte Ansprache zu vermeiden (namanya siapa usw.).

Eine für die Umgangssprache typische Verwendung wird von Sneddon Ligatur genannt:

(2) Itu méja-nya Pak Bun.

Diese Konstruktion soll aus dem Javanischen stammen. Sie kann auch bei Pronomen auftreten, inkl. der ersten Person, was in der Standardsprache nicht möglich ist.

(3) Abu-abu, kayak-nya handphone-nya aku.

(4) Égo-nya dia kalah besarnya sama elu.

Eine weitere Verwendung von -nya als Posssessivmarker spielt auch eine Rolle in der Topic-Comment-Konstruktion, die sowohl im Standardsprache als auch in der Umgangssprache vorkommt.

-nya als Identifizierbarkeitsmarker

Eine weitere Funktion von -nya ist es, Definitheit bei Nomen auszudrücken (Identifizierbarkeit im Diskurs bei Englebretson). In dieser Hinsicht ähnelt -nya hier dem Demonstrativpronomen itu, wie auch in IRG (2.7, 2.50) beschrieben. Laut Sneddon kann sich itu nur auf Referenten beziehen, die im Diskurs schon einmal explizit eingeführt worden sind, während dies bei -nya auch auf implizit als definit verstandene zutreffen kann.  Z.B. folgt im untenstehenden Beispiel die Definitheit von penjahatnya „der Kriminelle“ aus dem Kontext des Films, um den es geht:

(5)
A: Kayak kemaren gua nonton film Bone Collector. Sampe gua takut naik taksi.
B:  Loh émang kenapa?
A: Iya karena émang penjahat-nya nyetir taksi.

Eigennamen und Pronomen, die in der Regel definite und identifizierbare Referenten haben, können anders als in der Standardsprache in der Umgangssprache mit -nya markiert werden, und auch zusammen mit itu auftreten:

(6) Terus untungnya Erikanya itu, udah ngerti itu lho.

(7) Tapi kan nggak ada itunya.

Dies gilt auch für Interrogativpronomen, wo es zu Konstruktionen wie Yang mana-nya oder Apa-nya? kommen kann.

Sneddon faßt einiges davon auch als emphatische Funktion auf, die auch auf andere Wortarten ausgedehnt werden kann, wie Adverbien:

(8) Elu oke-lah di sini. Tapi di sini-nya elu botak begini.

(9) Iya, saya penyanyi dulu-nya.

-nya als Nominalisierer

Die Verwendung von -nya als Nominalisierer scheint eine sekundäre Ableitung von seiner Funktion als Identifizierbarkeitsmarker zu  sein. Dies ist im Standardindonesischen recht häufig, wobei hierbei nur intransitive Prädikate in Frage kommen wie Adjektive oder intransitive Verben. Transitive Verben können nur in einer valenzreduzierten Form mit di- auftreten, wie das folgende Beispiel aus IRG, S. 302, zeigt:

(10) Lalu lintas menjadi macét karena ditutupnya beberapa jalan.

Wichtig ist dabei zu beachten, daß hier -nya keineswegs sich auf den Urheber der Handlung bezieht, sondern dieser vielmehr ungenannt bleibt. Diese nominalisierten Prädikate werden in der Regel von einer Nominalphrase gefolgt, die das Prädikat näher modifiziert, wie beberapa jalan im oberen Beispiel. Laut Sneddon sind solche Nominalattribute eher selten in der Umgangssprache. Die Nominalphrase, die in der Standardsprache typischerweise das nominalisierte Prädikat modifizieren würde, wird in der Regel in der Umgangssprache kurz davor eingeführt:

(11) Bokap gua uda meninggal. Meninggal-nya itu taun sembilan lima.

(12) kan itu beli-nya di Kupang.

Manche Konstruktionen ähneln ihrer Struktur nach normalen Subjekt-Prädikat-Konstruktionen, nur mit dem Unterschied, daß das Verb nominalisiert ist:

(13) Dia udah dateng-nya telat.

-nya als Pronominalmarker

Zusammen mit seiner Funktion als Possessivmarker der 3. Person ist die andere wichtige Funktion von -nya die Verwendung als Pronominalmarker für die 3. Person, und zwar bei transitiven Verben als Objektpronomen in agensorientierten Formen und als Urheber bei patiensorientierten Formen. Was letzteres angeht, ist dies laut Englebretson nicht in der Umgangssprache von Yogyakarta nachweisbar. Sneddon gibt ein Beispiel aus der Umgangssprache von Jakarta:

(14) Kalo mama gua minta uang lima puluh ribu nih, dikasihnya dua ratus ribu.

In anderen Beispielen aus Englebretsons Yogyakarta-Korpus, die den Anschein ähnlicher Konstruktionen erwecken, bezieht sich -nya ausschließlich auf unbekannte oder irrelevante Urheber:

(15) udah nggak enak dilihat-nya.

Was die agensorientierten Formen angeht, bemerkt Sneddon, daß in der Standardsprache -nya nur stehen kann, wenn das Verb das meN-Präfix trägt. Dies ist in der Umgangssprache nicht der Fall:

(16) gimana cara dapetin-nya?

In der Standardsprache müßte die Form entsprechend mendapatkan-nya lauten.

-nya als Adverbialmarker

-nya kommt auch bei der Bildung von Adverbien ins Spiel. Z.B. wird im folgenden Beispiel aus dem Adjektiv biasa ‚gewöhnlich, normal‘ das Adverb biasa-nya ‚gewöhnlicherweise, normalerweise‘:

(17) Biasa-nya meréka tu paké jakét.

Auch gibt es ein Konstruktion mit se-nya, was ein Modaladverb bildet:

(18)
A: Kapan pindah La.
B: Ya e se-cepat-nya.

Englebretson geht nun en detail auf die Verwendungsweise von -nya als „framing device“ ein, d.h. -nya bildet eine Reihe von satzadverbialen Ausdrücken, die epistemische Bedeutung aufweisen. Ich habe an anderer Stelle eine auf Englebretson 2003 basierende Auflistung erstellt und möchte es an dieser Stelle bei drei Beispielsätzen belassen:

(19) kata-nya dikasih temennya

(20) untung-nya Si Agnes kerasa ya?

(21) pokok-nya temen-temen yang moto…

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Notizen zur Umgangssprache 4: in-Suffix

Oktober 12, 2009

Bei den transitiven Verben gibt es zusätzlich zu den Suffixen -kan und -i, die auch in der Standardsprache vorkommen, in der Umgangssprache zusätzlich noch ein aus dem Balinesischen stammende Suffix -in, womit sich Sneddon in Kapitel 2.7 beschäftig. Dieses kann in vielen Fällen anstelle von -kan und -i treten, wie z.B. die beiden folgenden Beispiele:

(1) Papi Sandy beliin Sandy organ.

(2) Gua ngedeketin dia untuk jadi pacar gua.

In der Standardsprache kann -i nicht nach auf -i endenden Verbstämmen folgen, in der Umgangssprache gilt dies für -in nicht: bukti-in ‚beweisen‘. Andererseits kann -in die Suffixe -kan und -i nicht ersetzen, wenn diese Suffixe zusammen mit den Präfixen ter- oder ber- auftreten.

Sneddon stellt zudem fest, daß einige Verben, die in der Standardsprache ohne -kan oder -i stehen, können in der Umgangssprache mit -i stehen, wobei der Gebrauch des Suffixes hier jedoch optional ist:

  • bantu(in) ‚helfen‘
  • coba(in) ‚(etwas) versuchen‘
  • jaga(in) ‚bewachen‘
  • liat(in) ’sehen‘
  • ajak(in) ‚drängen, einladen‘
  • tutup(in) ’schließen, bedecken‘
  • tunggu(in) ‚erwarten‘
  • ngajar(in) ‚lehren‘

Das folgende Beispiel zeigt, daß sogar in derselben Äußerung zwischen Formen mit und ohne -in variiert werden kann:

(3) Saya ngajarin daerah-daerah tertentu.. saya ngajar acting juga.

Schließlich weist Sneddon darauf hin, daß in manchen Fällen nicht dasselbe Verb mit den verschiedenen Suffixen auftritt, sondern in der Standard- und der Umgangssprache verschiedene Verbstämme zum Einsatz kommen:

  • ‚hinstellen, hinlegen‘: Standardsprachlich letakkan, umgangssprachlich taruh
  • ‚verstecken‘: Standardsprachlich sembunyikan, umgangssprachlich umpetin

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Notizen zur Umgangssprache 3: an-Suffix

Juni 19, 2009

Ich hatte in einem früheren Beitrag (Teil I und Teil II) die Verwendung dieses Suffixes in der Standardsprache und einige seiner Verwendungsweisen in der Umgangssprache beschrieben. Mithilfe von Kapitel 2.6 von CJI möchte ich nun hier ein vervollstädigtes Bild zeichnen. Es ist zu beachten, daß aufgrund dieser Vorgeschichte dies keine bloße Wiedergabe von CJI ist, sondern eine Synthese verschiedener Quellen, inkl. IndoSlang.

Allgemeiner Überblick

Die Nachsilbe wird in der Standardsprache folgendermaßen verwendet, wie auch in einem früheren Beitrag beschrieben:

  1. Bildung von Nomen, abgeleitet von Nomen und Verben, teilweise mit Reduplikation
  2. Bildung von Adjektiven, in der Regel abgeleitet von Nomen und Adjektiven
  3. Bildung von Adverbien, in der Regel abgeleitet von Nomen, Verben und Adjektiven bei gleichzeitiger Reduplikation der Wurzel
  4. Bildung von reziprokalen Verben, wobei  hier noch das Präfix ber- hinzutritt und je nach Art der Analyse auch von einem Zirkumfix ber- -an die Rede sein kann.

Was 1.-3. angeht, gilt dies auch für die Umgangssprache, doch kommen zwei Verwendungsweisen hinzu, die für die Umgangssprache typisch sind:

  1. Komparativbildung bei Adjektiven, wie in dem besagten Beitrag ebenfalls kurz angeschnitten
  2. Ableitung von Adverbien von Adjektiven ohne Reduplikation der Wurzel

 Was 4. angeht, unterscheidet sich die Umgangssprache insofern, daß hier kein ber-Präfix auftritt, sondern mithin das -an-Suffix allein ausreicht, um ein reziprokales Verb zu bilden.

Komparativbildung bei Adjektiven

Komparativ bei Adjektiven, wobei dieselbe Konstruktion wie in der Standardspache, mit lebih laut Sneddon häufiger ist. baik „gut“ hat, wie in vielen Sprachen der Welt, in der Umgangssprache eine Suppletivform: mendingan.

(1) Yang kencengan dikit, dong.

(2) Pinteran gua dibandingin elu. 

Ableitung von Adverbien

Manche Adjektive bilden auch Adverbialformen vermittels -an,  wobei dies anders als in der Standardsprache, wo dies in der Regel mit einer Reduplikation der Wurzel einhergeht, in der Umgangssprache nicht der Fall ist. Generell gilt aber, daß dies nicht übermäßig produktiv ist, die Bedeutung schwer vorhersagbar ist und daher von Fall zu Fall gelernt werden sollte.

Beispiele sind Wörter wie benaran von benar, auch barusan von baru, wobei man das eingeschobene /s/ beachte.

(3) Murah! Beneran murah!

Bildung von reziprokalen Verben

Ich verzichte hier auf Beispiele, da dieser frühere Beitrag bereits viele enthällt. CJI weist jedoch darauf hin, daß es einige Verben auf -an in der Umgangssprache gibt, die kein Gegenstück auf ber- -an in der Standardsprache aufweisen. (4) zeigt ein nicht-reziprokales Verb, latihan „trainieren“, welchem in der Standardsprache berlatih entspricht, und (5) ein reziprokales Verb temenan „befreundet sein mit“, das in der Standardsprache berteman ist (es könnte sich hierbei um einen Fall von Haplologie handeln, ähnlich wie beim dt. Zauberer vs. Zauberin)

(4) Lagi latihan tablo.

(5) Mungkin gua lebih milih temenan sama céwék Barat.

 

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Notizen zur Umgangssprache 2: ke-Präfix

Juni 12, 2009

Die in Kapitel 2.3 und 2.4 behandelten Verbpräfixe ber- und meng- habe ich an anderer Stelle schon behandelt. In Kapitel 2.5 geht es um das ke-Präfix, das in der Umgangssprache einige Funktionen von ter- übernehmen kann, und welches von vielen Sprachpuristen als nichtstandardsprachlich abgelehnt wird.

Das ter-Präfix in der Standardsprache

Zunächst müssen wir uns in Erinnerung rufen, in welchen Funktionen ter- in der Standardsprache verwendet wird:

  1. Superlativ von Adjektiven: terbaik „am besten“, terendah „am niedrigsten“
  2. feststehende adverbiale Ausdrücke: terlalu „zu sehr“, termasuk „inklusive“, ternyata „klar“, terserah „das hängt von dir ab„, terutama „insbesondere“.
  3. Es kann auch mit Verben stehen: a. stativische Verben, die einen Zustand bezeichnen wie terletak „sich befinden“ oder tertulis „geschrieben stehen“; 3b. nonintentionale Verben („accidental verbs“), die ein unkontrollierbares Ereignis bezeichnet, je nach Verb kann dies ein ungewolltes, unerwartetes, urheberloses, unbeabsichtigtes oder plötzliches Ereignis sein;  3c.  abilitative Verben, die aussagen, daß das Subjekt in der Lage ist, die Handlung auszuführen (oder nicht, bei entsprechender Negation).

Ersetzung durch ke- bei nonintentionalen und bei abilitativen Verben

ke- kann in der Umgangssprache nur bei  3b. und 3c. an Stelle von ter- treten, welches jedoch auch in der Umgangssprache auftreten kann. Sehen wir uns zunächst Beispiele für 3a., 3b. und 3c. mit ter- in der Umgangssprache an, (1) ist ein Beispiel für 3a, (2) für 3b und (3) für 3c:

(1) gua suka ngeliat céwék-céwék yang rambutnya panjang dan terawat.

(2) tapi kalo dia terpaksa, ya gua kasian gitu.

(3) trus benda-benda yang tidak terlihat, misalnya kayak santet segala macem, itu lebih gampang masuk ke rumah.

Wie oben erwähnt, kann bei einem stativischen Verb wie in (1) ke- nicht an die Stelle von ter- treten, wohl aber ist es bei (2) und (3) möglich. (4) ist ein entsprechendes Beispiel für ein nonintentionales Verb und (5) für ein abilitatives:

(4) kadang-kadang Trisna bilang, „San, jangan kemakan ama cinta aja“.

(5) tulisannya kebaca, nggak?

Ein wichtiger Hinweis ist noch, daß in den Kombinationen ter- -kan und ter- -i weder das Präfix durch ke– noch das Suffix durch -in ersetzt werden kann.

ke-Verben ohne ter-Widerpart

Einige Verben in der Umgangssprache treten mit ke- auf, ohne daß sie in der Standardsprache sonst mit ter- stehen würden. Sie scheinen auch keine Ableitung darzustellen. Dies scheint ein Einfluß des Javanischen zu sein:

  • ketemu „treffen“, wofür in der Standardsprache in der Regel bertemu steht
  • kepengen „wollen“, welches in der Umgangssprache auch suffixlos pengen gebraucht wird. Beide entsprechen dem standardsprachlichen ingin
  • keterima „angenommen werden (Bewerbung o.ä.)“ hat in der Standardsprache kein *terterima, nur diterima. Gua ngelamar, belom tentu keterima. „Ich habe mich beworben, aber es ist noch unklar, ob ich angenommen werde.“
  • ketimbang „verglichen mit“ (ohne Präposition!) ist standardsprachlích dibandingkan dengan. Als Übergangsform zwischen Standardsprache und Umgangssprache gibt es auch dibandingin. Itu lebih puas ketimbang harus kerja. „Das ist besser als arbeiten zu müssen“.
  • ketewa „lachen“ hat zwar eine Entsprechung mit ter- in der Standardsprache, nämlich tertawa, aber es ist einer Erwähnung wert, weil die Form mit ter- in der gesprochenen Sprache praktisch nichtexistent ist. Selbst in Meetings fällt tertawa in Sneddons Daten nur ein einziges Mal.

Notizen zur Umgangssprache 1: initiales /s/

Juni 5, 2009

Dies ist der erste Beitrag, der auf Sneddons Colloquial Jakarta Indonesian basiert, eine Untersuchung der modernen Jakartaer Umgangssprache. Kapitel 2.0 und 2.1 besprechen von mir bereits in mehreren Beiträgen erwähnte phonologische Veränderungen in der Umgangssprache, 2.1 geht insbesondere auf den Wechsel von /a/ zu Schwa in manchen Wörtern in der Umgangssprache ein. In Kapitel 2.2 behandelt er vier sehr häufige Wörter, bei der in der Umgangssprache initiales /s/ entfällt:

  • saja wird zu aja („nur“)
  • sudah wird zu udah („gerade, schon“)
  • sama wird zu ama („mit“)
  • sampai wird stets zu sampe, und oft auch zu ampe („bis“)

aja und udah

Für saja und sudah gibt Sneddon auch Zahlen an: in Unterhaltungen und in (von Helfern durchgeführten informellen) Interviews werden die informalen s-losen Varianten zu mehr als 90% verwendet, aber auch in Meetings tritt aja zu über 50% und udah zu immerhin rund 30% auf.

(1) Dia diem-diem aja, ya?

(2) Udah siap-siap buat kuliah, belom?

ama

Das Verhältnis zwischen sama und ama ist komplizierter. sama gerade in der Umgangssprache ist ein so vielseitig verwendbares Wort, daß es einen eigenen Beitrag verdient. Die s-lose Variante kann, wenn auch nicht übermäßig häufig, auftreten, wo sama als Präposition verwendet wird wie in (3) und (4).

(3) Gua bingung ama nyokapnya dia loh.

(4) gua dijemput ama Fido.

sama kann auch als Adjektiv im Sinne von „gleich“ verwendet werden, wo es nicht ersetzt werden kann.

(5) Kebetulan hobinya sama.

Auch in verschiedenen Wendungen kann es nicht ersetzt werden, als Beispiel werden sama sekali (tidak) „überhaupt (nicht)“, sama dengan „dasselbe wie“ und kerja sama „zusammenarbeiten“ genannt. Letzteres steht aber mit der Präposition sama, welche dann wie in (6)  ohne /s/ stehen kann:

(6) Buka sekola balet, kerja sama ama orang Korea.

ampe

Sneddon gibt keine Zahlen, sondern sagt lediglich, daß sampai, welches laut den phonologischen Regeln der Umgangssprache stets sampe gesprochen wird, „manchmal“ auch sein /s/ verlieren kann.

(7) Kok brani sih ampe pinjem duit ke orangtuanya gitu?

Die Übersetzungen der Beispielssätze folgen

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Präfixlose Verben

Mai 31, 2009

Wir wollen uns nun einem wichtigen Phänomen der Umgangssprache widmen, dem der präfixlosen Verben. Hierbei gibt es drei verschiedene Arten: Verben, die stets ohne Präfix auftreten (sog. kata aus), intransitive Verben, die in der Standardsprache normalerweise mit dem Präfix ber- stehen, und transitive Verben, die in der Standardsprache normalerweise mit dem Präfix meng- stehen. Um zu verstehen, wie diese Verben in der Umgangssprache verwendet werden, müssen wir auf dem aufbauen, was in der Standardsprache üblich ist.

kata aus

Einige häufig verwendete Verben stehen stets ohne Präfix. Sneddon listet die folgenden Verben (als Auswahl!) auf:

  • bangun „aufwachen“
  • benci „hassen“
  • cinta „lieben
  • datang „kommen“
  • duduk „sitzen“
  • gagal „scheitern“
  • hidup „leben“
  • ikut „folgen“
  • ingat „erinnern“
  • jatuh „fallen“
  • kembali „zurückkommen“
  • lenyap „verschwinden“
  • lulus „(Prüfung o.ä.) bestehen“
  • lupa „vergessen“
  • mandi „waschen“
  • masuk „betreten, hineingehen“
  • mati „sterben“
  • menang „gewinnen“
  • mulai „beginnen“
  • percaya „glauben“
  • pergi „gehen“
  • pindah „umziehen“
  • pulang „nach Hause gehen“
  • selesai „enden“
  • tahu „wissen“
  • tenggelam „sinken“
  • terbang „fliegen“
  • tiba „ankommen“
  • tidur „schlafen“

Diese Verben sind sämtlich intransitiv und stehen immer ohne Präfix. Man beachte, daß manche transitive Verben mit entsprechender Affigierung bilden können, z.B. menidurkan „zu Bett bringen“ von tidur „schlafen“, oder mencintai „lieben“ von cinta „lieben“.

intransitive Verben auf ber-

Die weitaus größte Anzahl von intransitiven Verben tritt mit dem ber-Präfix auf, das auch äußerst produktiv Verben von Nomen ableitet. In der Umgangssprache kann es laut Sneddons CJI bei einigen wenigen Verben weggelassen werden, wie z.B. bei (ber)jalan „gehen“, (be)kerja „arbeiten“ (ber)tanya „fragen“, (ber)pikir „denken“ und (ber)bicara „sprechen“. Diese Verben treten in der Umgangssprache mehrheitlich präfixlos auf, d.h. in der Umgangssprache sind sie zu den kata aus zu rechnen. (Eine weitere Kategorie sind ber- -an-Verben mit reziprokaler Bedeutung, bei denen in der Umgangssprache durchweg das ber- entfällt, was jedoch an anderer Stelle diskutiert wird.)

Ansonsten ist laut Sneddon dieses Präfix auch in der Umgangsprache recht häufig, wobei es selten zu be- reduziert werden kann, was einen Einfluß des Betawi darstellt: kita bedua „wir zwei“, bedarah „bluten“ und becanda „scherzen“. (In bekerja ist eine in der Standardsprache regelmäßige Reduktion aufgrund des /r/ in der Wurzel)

transitive Verben auf meng-

Mit einigen häufigen Verben kann auch in der Standardsprache Ausfall des Präfix eintreten, zu nennen wären hier makan, minum, minta, mohon. Teilweise gibt es auch Bedeutungsunterschiede: während dapat sowohl „können“ als auch  „bekommen“ bedeuten kann, hat die präfigierte Form mendapat nur die Bedeutung „bekommen“. Eine weitere Ausnahme stellt das Verb mengerti dar. Ursprünglich kommt dies von der Wurzel arti „Bedeutung“, aber das Präfix meng- scheint als Teil der Wurzel reanalysiert worden zu sein, denn in der Passivform fällt dies in der Regel nicht aus, so daß wir Formen wie dimengerti „verstanden werden“ vorfinden.

In der Umgangssprache steht in der Regel anstelle des meng-Präfix eine reduzierte Form ng-. Wie wir schon festgestellt haben, sind aber die Grenzen zwischen Umgangssprache und Standardsprache fließend, so daß Sprecher auch zwischen meng- und ng-Präfix hin- und herwechseln.Wouk (2004)  hat die Formen mit meN– und N– verglichen und kommt zum Schluß, daß neben einem Unterschied an Formalität meng-Formen einen geringeren Grad an Transitivität aufzuweisen scheinen als die ng-Formen.

Gleichzeitig ist es in der Umgangssprache sehr häufig, daß transitive Verben ganz ohne Präfix auftreten. Dies ist aber nicht komplementär wie bei ber-, sondern als ein Nebeneinander zu verstehen.  Wouk (2004a) vergleicht präfigierte und unpräfigierte transitive Verben. Die folgenden Formen wurden hier verglichen

  • die klar mit meN- oder N- markierten Verbformen wurden als actor trigger (AT) definiert
  • die klar mit di- markierten Formen und die Verbformen, die direkt ein enklitisches Pronomen aufweisen (kukontrak / saya kontrak „von mir gemietet“), wurden als patient trigger (PT) definiert.
  • alle affixlosen Verbformen, deren synktaktische und diskursivische Eigenschaften mit denen von AT und PT verglichen wurden.

Im großen und ganzen kommt Wouk (2004a) zum Schluß, daß die affixlosen Verbformen sich eher wie AT-Formen verhalten und daher als Variante von diesen zu sehen sind, was auch dem von mir hier gewählten Ansatz entspricht. Jedoch gibt es Abweichungen in drei Punkten:

  • Modus: Während AT-Formen zu 60% im Indikativ stehen und zu 40% im Irrealis, gleichen sich PT-Formen und affixlose Verbformen darin, daß sie jeweils zu 80% im Indikativ auftreten.
  • Aktionsart: Während AT-Formen zu 70% bei punktuellen Verben (eine abgeschlossene Handlung bezeichnend) stehen, ist dies bei PT-Formen und affixlosen Formen nur bei rund 30%-40% der Fall.
  • Narrative Zeitachse: In der Diskurslinguistik wird zwischen Verben unterschieden, die eine Handlung in der narrativen Zeitachse bezeichnen („foregrounding“) und solchen, deren Handlung nicht auf der narrativen Zeitachse liegt („backgrounding“). Zwar ist eine  solche Einteilung bei Unterhaltungen naturgemäß schwierig, aber auch hier scheint der Trend klar: während AT-Formen nur bei 25% der Fälle auf der narrativen Zeitachse, geschieht dies bei PT-Formen und affixlosen Formen bei 40%-50%.

 Es läßt sich also festhalten, daß affixlose Formen im Grunde AT-Formen sind, die in einigen Aspekten eine geringere Transitivität aufweisen. Wichtig für den Lernenden: dies sind lediglich Tendenzen, doch die Ergebnisse deuten darauf hin, daß man als Nichtmuttersprachler die affixlosen Formen und die AT-Formen frei variieren kann. Ein Gespür für die genaueren Nuancen kann man nur durch langjährige Sprachpraxis erwerben.

Intransitive Verben auf meN-

Wie Sneddon feststellt, gibt es einige intransitive Verben auch auf meN-. Die Zahl ist bei weitem geringer als die der transitiven, aber die folgende Liste stellt nur einen Ausschnitt dar:

  • menangis  (Wurzel tangis) „weinen“
  • mendidih (Wurzel didih) „kochen“
  • menyerah (Wurzel serah) „aufgeben, kapitulieren“
  • mengungsi (Wurzel ungsi) „fliehen“
  • melapor (Wurzel lapor) „Meldung machen“
  • meledak (Wurzel ledak) „explodieren“
  • menyanyi (Wurzel nyanyi) „singen“
  • menyuruk (Wurzel suruk) „sich ducken, sich verstecken“
  • mengeluh (Wurzel keluh) „sich beschweren“
  • menelentang (Wurzel lentang) „sich auf den Rücken legen“
  • meluncur (Wurzel luncur) „rutschen“
  • menginap (Wurzel inap) „übernachten“
  • menikah (Wurzel nikah) „heiraten“
  • melompat (Wurzel lompat) „springen“

Wichtig ist, daß diese Verben in der Umgangssprache nie affixlos auftreten können. Jedoch kann auch hier das meng-Präfix gemäß den in der Umgangssprache üblichen Regeln zu ng– reduziert werden: menangis wird zu nangis, menikah zu nikah, und so fort.

Manchmal gibt es Variation bei manchen intransitiven Verben, die sowohl mit ber- als auch mit meN- stehen können, oder auch präfixlos. Bei manchen gibt es keinen Bedeutungsunterschied (Quelle Sneddons ICG):

  • bernyanyi, menyanyi „singen“
  • berderit, menderit „schreien“
  • berteduh, mendeuh „Zuflucht suchen“
  • berdengkur, mendengkur „schnarchen“
  • berbekas, membekas „eine Spur hinterlassen“
  • berdoa, mendoa „beten“
  • bersebar, menyebar „sich ausweiten“
  • berludah, meludah „spucken“

Bei manchen gibt es einen klaren Bedeutungsunterschied (Quelle Sneddons ICG):

  • tinggal „wohnen“ und meninggal „sterben“
  • pulang „nach Hause gehen“ und berpulang „sterben“
  • lari „rennen, fliehen, entkommen“ und berlari „laufen“

Das meng-Präfix in der Umgangssprache

Mai 27, 2009

In einem früheren Beitrag war davon die Rede, wie das meng-Präfix in der Standardsprache funktioniert. Nun wollen wir uns ansehen, wie dies in der Umgangssprache aussieht. Ich möchte mich bei der Beschreibung jedoch auf den Kernwortschatz beschränken, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Ich habe an anderer Stelle bemerkt, daß der Unterschied zwischen der informellen Umgangssprache und der formalen Standardsprache fließend sind. Gerade gebildete Sprecher neigen dazu, den Grad der Formalität der jeweiligen Situation anzupassen. Fremdwörter gehören typischerweise einem formalen Register an, so daß man hier problemlos den Regeln der Standardsprache folgen kann.
  • Angesichts der geringen Anzahl von Beschreibungen der informellen Umgangssprache fehlen gute linguistische Beschreibungen, die Verben aus dem Fremdwortschaft abdecken. Google liefert bei einzelnen Verben Hinweise, daß wie beim Standardwortschaft bei einigen häufig gebrauchten Verben eine entsprechende Anpassung auch hier zu erwarten ist, aber genauere Untersuchungen stehen hier noch aus.

In der Standardsprache tritt das meng-Präfix in drei Allomorphen auf: meng-, meN- und me-:

  1. meng-: Bei Wurzeln, die mit Vokal oder h (h wird häufig in der Phonetik als Pseudofrikativ bezeichnet, da in der Regel keine Friktion vorliegt) bleibt meng– so, wie es ist.
  2. Assimilation von meng-: Bei Wurzeln, die mit einem Obstruenten (p, t, k, b, d, g, s, c, j) beginnen, tritt Assimilation an den Artikulationsort ein, mit gleichzeitigem Ausfall von stimmlosen Obstruenten mit Ausnahme von c, während stimmhafte Obstruenten (und c) erhalten bleiben.
  3. me-: Bei allen Sonoranten (m, n, ng, ny, l, r) wird meng- zu me-.

In der Umgangssprache kann man auch nicht mehr vom meng-Präfix sprechen, sondern eher vom ng-Präfix, da me- regelmäßig wegfällt. Das Präfix tritt in drei bis vier Allomorphen auf, die anders verteilt sind als die der Standardsprache:

  1. Assimilation von ng- mit Ausfall: bei stimmlosen Obstruenten (p, t, k, s, c) tritt genauso wie in der Standardsprache eine Assimilation der Anfangslautes der Wurzel ein, bei gleichzeitigem Ausfall derselben, d.h. effektiv wird nur der Anfangslaut zum Nasal mit gleichem Artikulationsort. D.h. pake „benutzen“ wird zu make, tulis „schreiben“ zu nuliskirim „senden“ zu ngirim, suruh „veranlassen“ zu nyuruh. Anders als in der Standardsprache stellt /c/ hierbei keine Ausnahme dar: cari „suchen“ wird ganz regelmäßig zu nyari.
  2. Assimilation von ng- ohne Ausfall: bei den stimmhaften Obstruenten (b, d, g, j) gibt es einige Sprecher, die ebenfalls das Präfix entsprechend assimilieren, und den Obstruenten beibehalten. Beispielsweise wird bayar „bezahlen“ zu mbayar, dukung „unterstützen“ zu ndukunggonggong „bellen“ zu nggonggong und jemput „abholen“ zu njemput. Dies entspricht den Gegebenheiten im Javanischen und tritt vor allem bei älteren Sprechern mit javanischen Hintergrund auf. Selbst bei diesen Sprechern scheint dies jedoch seltener aufzutreteden als die allgemein übliche Variante, nämlich nge-, welches weiter unten besprochen wird.
  3. ø-: vor Nasalen steht in der Regel eine Nullform, obwohl Sneddons CJI zwei Verben auf /n-/ erwähnt, die auch mit nge- belegt sind: nge-noda-in „beflecken“ von noda und nge-nilai „bewerten“ von nilai. In der Regel findet man jedoch Formen wie mainin „spielen“, nikmati „genießen“, nyanyi „singen“ usw.
  4. nge-: kann vor allen anderen Konsonanten stehen, mit Ausnahme von /p, t, k, s, c/. Bei /l, r, h, y/ ist es die einzig mögliche Form:  liat  „sehen“ wird zu ngeliatrasa „fühlen“ zu ngerasa, hancur-in „vernichten“ zu ngehancurin, yakin-in „überzeugen“ zu ngeyakinin*. Bei /b, d, g, j/ ist es die häufigere Form, die unter 2. genannten Beispiele wären entsprechend ngebayar „bezahlen“, ngedukung „unterstützen“, ngegonggong „bellen“ und ngejemput „abholen“. Bei den Nasalen /m, n, ng, ny/ ist es eher üblich, daß eine Nullform bzw. gar kein Präfix steht. Bei Vokalen steht ng-, wobei in der Umgangssprache zu beachten ist, daß wortinitiales /h-/ sehr oft ausfällt und dieselbe Regel zur Anwendung kommt. Beispiele: ajar „lehren“ wird zu ngajar, erti „verstehen“ wird zu ngerti**,  und das oben angeführte hancur-in „vernichten“ kann bei Ausfall von /h/ entsprechend ngancurin.

Zwei weitere Anmerkungen: anders als in der Standardsprache unterliegt auch das Präfix per- dem Ausfall, d.h. während es in der Standardsprache memperhatikan „beachten“ heißt, ist es in der Umgangssprache merhatiin. Es sollte aber beachtet werden, daß kausativisches -kan in der Umgangssprache häufig durch eine periphrastische Konstruktion mit kasih „geben“ ersetzt wird, was wir aber ebenfalls an andere Stelle besprechen wollen.

Die zweite Anmerkung bezieht sich auf den Einsatz von nge-, ähnlich menge- in der Standardsprache, bei einsilbigen Verbwurzeln, Wurzeln mit Konsonsantenclustern und bei als fremd empfunden Wurzeln:

  1. ngepak „packen“, ngetés „testen“, ngecék „prüfen“. Da einsilbige Wurzeln dem Malaiischen fremd sind, handelt e ssich in der Regel um Lehnwörter.
  2.  ngetrénd „zum Trend werden“, ngestabilin „stabilisieren“. Auch hier gilt: da wortinitiale Konsonantencluster dem Malaiischen fremd sind, sind dies Fremdwörter.
  3. daher liegt es nahe, daß dies auch bei ad-hoc-Entlehnungen aus dem Englischen zum Einsatz kommt: nge-handle, nge-back-up, nge-cut. (vgl. Beitrag zu nge-freeze, nge-hang)

 

*Mir ist klar, daß Wörter auf /y/ nicht zum Kernwortschatz gehören. Da dies jedoch ein Beispiel aus Sneddons CJI ist, habe ich beschlossen, dies nichtsdestotrotz ebenfalls aufzuführen.

**mengerti/erti verhält sich in beiden Registern ein wenig unregelmäßig, was aber einen eigenen Beitrag wert ist.


Die Bildung der meng-Vorsilbe in der Standardsprache

März 5, 2009

Viele, vor allem transitive Verben bedienen sich der meng-Vorsilbe, und in vielen grammatischen Darstellungen sieht man Tabellen wie die folgende, von denen man die korrekte Bildung der Form in Abhängigkeit des Anfangslautes der Wurzel sehen kann. Z.B. die Wurzel kirim „senden“, bildet die Form mengirim mit Ausfall des Anfangslautes.

Wurzel auf meng- Beispiel Bedeutung Anmerkung
Vokal meng-V urus: mengurus kümmern  
h- meng-h hitung: menghitung zählen  
kh- meng-kh khianat: mengkhianat verraten  
b- mem-b bagi: membagi teilen  
d- men-d dapat: mendapat bekommen  
g- meng-g gosok: menggosok reiben  
p- mem-0, mem-p pakai: memakai
protés: mem(p)rotés
benutzen
protestieren
Ausfall von /p-/ bei integrierten Wurzeln
t- men-0, men-t tulis: menulis
taat: men(t)aati
schreiben
befolgen
Ausfall von /t-/ bei integrierten Wurzeln
k- meng-0, meng-k kirim: mengirim
komentar: meng(k)omentari
schickenkommentieren Ausfall von /k-/ bei integrierten Wurzeln
s- meny-0, men-s sapa: menyapa
standar: menstandarkan
grüßen
standardisieren
Ausfall von /s-/ bei integrierten Wurzeln
sy- meny-0, men-sy syair: men(s)yair
syariah: mensyariahkan
dichten
in Einklang mit der Scharia erklären
Ausfall von /sy-/ bei integrierten Wurzeln
f- mem-f fitnah: memfitnah verleumden  
v- mem-v vonis: memvonis verurteilen  
c- men-c cari: mencari suchen palataler Nasal
j- men-j jadi: menjadi werden palataler Nasal
m- me-m minta: meminta bitten  
n- me-n naik: menaik steigen  
ng- me-ng nganga: menganga gaffen  
ny- me-ny nyanyi: menyanyi singen  
l- me-l latih: melatih üben  
r- me-r rokok: merokok rauchen  
w- me-w warna: mewarnakan färben  
y- me-y yakin: meyakinkan überzeugen  
z- men-z ziarah: menzirahi wallfahren palataler Nasal

Von der obigen Tabellen abweichen tun lediglich die im Indonesischen seltenen und meist aus Fremdsprachen entlehnten einsilbigen Wurzeln:diese können entweder im Einklang mit obigen Regeln ihre meng-Form bilden, dann aber nie mit Ausfall des Anfangslautes, oder mit der besonderen Form menge-.

Beispiel: cat : mencat oder mengecat „streichen, anmalen“, tes: mentes oder mengetes „testen“, pak: mempak oder mengepak „packen“

Ich möchte die oben in der doch ein wenig unhandlichen Tabelle dargestellten Regeln etwas systematisieren, und dafür bietet es sich an, nach Kernwortschatz und Fremdwortschatz zu unterscheiden, da hier die Regeln hier ein wenig differieren können. Es dreht sich hierbei um die Anfangslaute der Wurzeln.

Alle Wurzeln mit folgenden Anfangslauten sind entlehnt: f, v, kh, z, w, y.

Alle anderen Wurzeln sind in der Regel dem Kernwortschaft zuzurechnen, auch wenn natürlich Wurzeln aus dem Fremdwortschatz genauso mit diesen Lauten beginnen können: p, t, k, b, d, g, m, n, ng, ny, s, c, j, l, r, h, Vokal.

Dieser Unterschied läßt sich auch schnell feststellen, wenn man ein Wörterbuch aufschlägt, das seine Lemmata nach Wurzeln ordnet: die Einträge unter den Buchstaben, die lediglich bei Fremdwörtern zum Spiel kommen, sind deutlich weniger zahlreich als die übrigen (mit Ausnahme von /ng/, das im Standardindonesischen äußerst selten am Anfang einer Wurzel zu finden ist). Mit dieser Unterscheidung können wir jetzt auch die Regeln auf stringente Art und Weise formulieren.

  1. meng-: Bei Wurzeln, die mit Vokal oder h (h wird häufig in der Phonetik als Pseudofrikativ bezeichnet, da in der Regel keine Friktion vorliegt) bleibt meng– so, wie es ist. Z.B. iris: mengiris „aufschneiden“
  2. Assimilation von meng-: Bei Wurzeln, die mit einem Obstruenten (p, t, k, b, d, g, s, c, j) beginnen, tritt Assimilation an den Artikulationsort ein, mit gleichzeitigem Ausfall von stimmlosen Obstruenten mit Ausnahme von c, während stimmhafte Obstruenten (und c) erhalten bleiben. Z.B. pakai: memakai „benutzen“ und sapu: menyapu „fegen“, aber cari: mencari „suchen“ (welches aber eher wie menycari ausgesprochen wird, d.h. eine Assimilation an den Artikulationsort findet immer noch statt). Eine Ausnahme sind Wurzeln, die ein Präfix auf p- aufweisen, das ist aber einen eigenen Beitrag wert.
  3. me-: Bei allen Sonoranten (m, n, ng, ny, l, r) wird meng- zu me-. minta: meminta „bitten“, nyanyi: menyanyi „singen“, latih: melatih „üben“.

Der Fremdwortschatz folgt grundsätzlich den obigen Regeln, mit der wichtigen Ausnahme, das der Ausfall von stimmlosen Obstruenten abhängig ist vom Integrationsgrad des betreffenden Wortes im Indonesischen: wird das Wort noch sehr als Fremdwort empfunden, tritt kein Ausfall ein, ist dies weniger der Fall, kann auch Ausfall eintreten. Z.B. wird komentar entweder zu mengkomentari oder mengomentari (dies ist auch die von Facebook bevorzugte Form), und klisé wird zu mengklisékan. Bei den stimmlosen Obstruenten kh und f, die oben als exklusiv zum Fremdwortschatz gehörig eingestuft worden sind, ist dies jedoch nie der Fall.

  1. meng-: Vokale und h.
  2. Assimilation von meng-: Obstruenten im Fremdwortschatz: p, t, k, b, d, g, f, s, c, kh, v, z, j. Bei gut integrierten Wörtern kann Ausfall des Anfangslautes eintreten.
  3. me-: Sonoranten im Fremdwortschatz: m, n, ng, ny, l, r, w, y.

In einem weiteren Beitrag werden die Formen der Umgangssprache zu behandeln sein.


Die zwei E

Februar 23, 2009

Das Indonesische hat eine ziemlich regelmäßige Rechtschreibung. Das größte Problem* in der Hinsicht stellt der Buchstabe <e> dar, der für zwei verschiedene Vokallaute steht. Für Deutschsprachige ist die Aussprache der verschiedenen Lautvarianten dabei kein großes Problem, da diese Laute auch im Deutschen vorhanden sind und ebenfalls in der Rechtschreibung nicht unterschieden werden. Es handelt sich um die folgenden Vokale:

  • /ə/, ist ein Murmelvokal, der im Deutschen stets an unbetonter Stelle vorkommt, vor allem in Vor- oder Nachsilben wie Gedicht oder Katze. Im Indonesisch auch e pepet genannt. Es fällt zwischen zwei Konsonanten in nicht-finaler Silbe gerade in der gesprochenen Sprache auch mal aus, was zu Fluktuationen in der Schreibweise führt wie z.B. Inggeris und Inggris oder Sumatera und Sumatra.
  • /e/ ist ein Vordervokal, der im Deutschen geschlossen /e/ als Langvokal und offen /ɛ/ als Kurzvokal gesprochen wird. Laut IRG hat das indonesisch nur ein Phonem /e/, das jedoch in offener Silbe als [e] (wie in soré „Abend“ [sore]) und in geschlossener Silbe [ɛ] (péndék „kurz“ [pɛndɛʔ]) realisiert wird. Wenn es in offener Silbe einer geschlossenen Silbe vorangeht, insbesondere wenn diese auch /e/ als Vokal enthält, ist eine Realisierung als [ɛ] für beide Vokale der Regelfall: bébék „Ente“ [bɛbɛʔ]. Dieser Laut wird in Malaysia e taling genannt und laut Krause in Indonesien e benar.

Während die unterschiedlichen Realisierungen von /e/ auch dialektalen Schwankungen unterworfen sind, ist der Kontrast zum Schwa weitaus wichtiger für den Lernenden. Denn beim e pepet und e benar handelt es sich um zwei ganz verschiedene Laute, deren falsche Verwendung zu Mißverständnissen führen kann. Daher werden diese Laute in vielen Lehrbüchern und Wörterbüchern voneinander unterschieden, indem das Schwa als einfaches <e> und der Vordervokal mit einem Accent aigu geschrieben wird, also enam „sechs „(é pepet, Schwa) und énak „lecker“ (é benar, Vordervokal). Auch ich halte mich in diesem Blog daran (falls ich irgendwo einen Akzent vergessen haben sollte, wäre ich um Hinweis dankbar).

Die Rolle der zwei E im Betawi und in der Umgangssprache

Es soll in diesem Beitrag jedoch wiederum um die Umgangssprache gehen. Wie in einem vorherigen Beitrag angedeutet, gibt es phonologische Veränderungen, bei denen /a/ eine Rolle spielt:

  • /a/ in der letzten Silbe wird zu /é/, wenn diese offen ist. Dies ist charakteristisch fürs Betawi und kann daher entsprechend stigmatisiert sein: ada > adé, apa > apé.
  • Über das Betawi hinaus auch in der allgemeinen indonesischen Umgangssprache ist die Regel, daß /a/ häufig in einer geschlossenen Silbe am Ende eines Wortes zu /e/ wird: benar > bener „wahr“.

Bei der fürs Betawi charakteristischen Veränderung von /a/ zu /é/ ist mir nicht klar, ob es sich um eine allgemeine phonologische Veränderung handelt, die bei allen Wörtern so eintritt. Bei der zweiten Veränderung, die auch in der Umgangssprache vorkommt, ist dies nicht der Fall. Zwar heißt es im „Slang“ (ein Werk, das ich im übrigen sehr schätze!) auf S. 21, daß „ein a in geschlossenen letzten Silben als e“ gesprochen wird, doch tauchen dann später in vielen Beispielsätzen durchweg Wörter auf, die in geschlossenen letzten Silben ihr a beizubehalten scheinen. Sneddon hat hier den entscheidenden Hinweis (CJI, S. 17f.): „Schwa in this position reflects ə in earlier Malay; this became a in Classical Malay, which is reflected in F[ormal] I[ndonesian]“. Da man jedoch beim Lernen des modernen Indonesischen Kenntnisse des vorklassichen Malays kaum voraussetzen kann, muß man sich genau merken, welche Wörter in der Umgangssprache diese Veränderung durchmachen können und welche nicht. Es wird hierbei sicherlich auch Unterschiede bei einzelnen Sprechern geben! Ich habe Wörter, die den Wandel zum Schwa aufweisen, in dieser Liste festgehalten, die zum Teil auf Texten beruht, die Sneddon im einem Anhang zu CJI anführt.

(* Ein weiteres, weniger schwerwiegendes Problem stellt silbenfinales <k> dar, das in Wörtern malaiischen Ursprungs zum Glottalverschluß /ʔ/ wird, in Fremdwörtern wie hak „Recht“ oder républik „Republik“ jedoch /k/ bleibt.)


Tag der Deutschen Einheit

Oktober 3, 2008

Heute ist der Tag der Deutschen Einheit. Aus diesem Anlaß eine kurze Notiz dazu, wie man dies auf indonesisch sagt. Der Tag der Deutschen Einheit heißt hari persatuan Jerman, während die deutsche Wiedervereinigung penyatuan kembali Jerman genannt wird. Teilweise findet man auch die Ausdrucksweise persatuan kembali Jerman, welche aber eindeutig in der Minderheit ist und auch als Fehler anzusehen ist (wobei sich manche Muttersprachler auch nicht sicher zu sein scheinen).  In Malaysia heißt es übrigens penyatuan semula Jerman. Der Ausdruck persatuan ulang dagegen scheint eine ad-hoc-Bildung der indonesischsprachigen Wikipedia zu sein, da er nur dort auftritt. Zudem gibt es noch den Ausdruck reunifikasi

Die Wörter persatuan und penyatuan basieren beide auf der Wurzel satu „eins“, auf zwei verschiedenen, morphologisch zu unterscheidenden Ableitungen: das per-an-Zirkumfix und das peN-an-Zirkumfix. Das erstere ist üblicherweise eine Nominalisieurng des entsprechenden intransitiven ber-Verbs und das zweite die Nominalisierung des entsprechenden transitiven meN-Verbs. In diesem Fall wäre persatuan also eine Ableitung zu bersatu „eins, vereint sein“, und daher geht die Ableitung auch in Richtung „Einheit“, bezeichnet also den Zustand. Demgegenüber wäre penyatuan eine Ableitung zu menyatu(kan) „vereinigen“, die Ableitung bezeichnet also den Vorgang der „Vereinigung“. (Hinweis: persatuan kann auch „Vereinigung“ im Sinne einer Organisation, oder eben eines „Vereins“ bedeuten. Sprache läßt sich eben nicht immer in vorgefertigte Kategorien pressen.

Sneddon (S. 48) kennt weitere solche Gegensatzpaare:

 

  • perkembagan „Entwicklung“ von berkembang „sich entwickeln“, wohingegen pengembangan „Entwicklung“ von mengembangkan „entwickeln, aufbauen“. Der Unterschied zwischen den beiden Nomen kann anhand des folgenden Beispiels verdeutlicht werden: perkembangan bahasa Indonésia und pengembangan bahasa Indonésia können beide mit der „Entwicklung der indonesischen Sprache“ übersetzt werden. Aber im ersteren Fall ist es im Sinne eines genetivus subjectivus zu verstehen, es ist also die Sprache, die sich entwickelt, während es sich im letzteren Fall um einen genetivus objectivus handelt, es wird die Sprache also von jemanden entwickelt.
  • perbuatan „Tat, Handlung“ von berbuat „tun, machen“, und pembuatan „Herstellung“ von memuat „herstellen, machen“.
  • perkumpulan „Vereinigung, Verband“ von berkumpul „sich versammeln“ und pengumpulan „Sammlung“ von mengumpulkan „sammeln“.
Zuguterletzt noch ein Text aus dem Informationsangebot der deutschen Regierung:
Reunifikasi

Dengan terjadinya penggulingan secara damai di Jerman Timur pada tahun 1989, penyatuan kembali kedua negara Jerman semakin mendekat. Sekitar pertengahan tahun 1990 dimulailah perundingan mengenai perjanjian penyatuan di Berlin. Pada tanggal 3 Oktober 1990, RDJ menyatakan dirinya bergabung dengan Republik Federal Jerman berdasarkan Pasal 23 Undang-Undang Dasar RFJ. Pada tanggal 2 Desember 1990 diselenggarakan pemilihan umum pertama yang menentukan anggota parlemen federal, Bundestag, untuk seluruh Jerman.


Wortliste und Anmerkungen folgen weiter unten:

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Schwanger

August 13, 2008

Letztens wollte ich jemandem etwas von der Zeit erzählen, als meine Mutter schwanger mit mir war. Und da habe ich doch einen ziemlichen Klops gebaut, der aber auch mit den mir zugänglichen Wörterbüchern nicht zu verhindern gewesen wäre. Ich sagte also Waktu ibuku hamil denganku

Was ich damit sagen wollte, ist, daß sie mit mir schwanger war, aber es stellt sich heraus, daß dies auf indonesisch bedeutet, daß sie von mir schwanger war, was eine ziemliche absurde Aussage wäre. Richtig würde es Waktu ibuku hamil aku heißen.

Noch mal zur Gegenüberstellung:

  • Sie war mit mir schwanger : She was pregnant with me : Dia hamil aku
  • Sie war von mir schwanger : She was pregnant from me: Dia hamil dengan/sama aku.

hamil hat auch noch folgenden Ableitungen: kehamilan „Schwangerschaft“ und penghamilan „Befruchtung, Empfängnis“ und das Verb menghamili „schwängern“. Im Wörterbuch steht zwar auch menghamilkan, aber dieses Wort kommt recht selten vor und wird so ähnlich wie dia hamil aku „sie war mit mir schwanger“ verwendet, also dia menghamilkan aku.

Eine andere Wurzel, die auch verwendet wird, ist kandung, deren Grundbedeutung „Mutterleib, Uterus“ beträgt (entsprechend als abgeleitetes kandungan in der Bedeutung). Die Wurzel findet auch Verwendung in den Fügungen ayah kandung „leiblicher Vater“ und saudara sekandung „Halbgeschwister (von derselben Mutter)“ o.ä. Die Bedeutung „schwanger/schwängern“ kommt nun bei den verbalen Ableitungen der besagten Wurzel ins Spiel.

  • mengandung „schwanger sein“: anak yang dikandung „das Kind, mit dem sie schwanger ist“, funktioniert also wie dia hamilku „sie war schwanger mit mir“: dia mengandung aku.
  • Die beiden folgenden Verben werden auch recht selten verwendet, aber laut Wörterbuch unterscheiden sich die Verben folgendermaßen: mengandungi „in sich tragen, schwanger sein mit“ und mengandungkan „schwängern“. Hier haben wir also einen ähnlichen Kontrast zwischen –i und –kan, nur andersherum: während bei der Wurzel hamil die i-Variante als Objekt die (geschwängerte) Frau hat, und die kan-Variante die Leibesfrucht, ist es bei der Wurzel kandung so, daß die i-Variante als Objekt die Leibesfrucht hat und die kan-Variante die Frau.

Im Zusammenhang mit der Grundbedeutung „Mutterleib“ steht wohl auch die Nebendeutung „Inhalt, beinhalten“, sowohl als Nomen kandungan „Inhalt“ als auch mengandung „beinhalten“:

  • minuman ini mengandung buah strawberry, gula, air dan és./dalam minuman ini ada kandungan buah strawberry, gula, air dan és. Dieses Getränk beinhaltet Erdbeeren, Zucker, Wasser und Eis.

In einer wohl logischen Verbindung von beiden Bedeutungen kann kandungan auch „Leibesfrucht“ bedeuten. Dieses Wort ist eher in der Alltagsssprache gebräuchlich, während es in der Medizin noch einen Fachausdruck janin gibt.


Einsilbige Wörter im Indonesischen

Mai 27, 2008

Das Indonesische gehört zur austronesischen Sprachfamilie, und in vielen Sprachen sind die Wortwurzeln zweisilbig, weswegen auch für das Proto-Austronesische in der Regel zweisilbige Formen angesetzt werden. Dabei können die Silben sowohl offen als auch geschlossen sein. Im Umkehrschluß bedeutet dies, daß einsilbige Wörter aus dem ererbten Wortschatz extrem selten sein sollten. Ich habe mir mal den LDTI zur Hand genommen und alle einsilbigen Wörter aufgeschrieben. Es stellt sich heraus, daß die meisten einsilbigen Wörter entweder Lehnwörter sind, oder es sich um Interjektionen, Affixe oder Funktionswörter handelt, in einigen Fällen um verkürzte Formen oder Abkürzungen. Bei manchen Wörtern war mir nicht klar, ob diese Wörter tatsächlich aus dem Arabischen oder Chinesischen stammten, diese sind mit einem Fragezeichen gekennzeichnet.

Das LDTI hat 4.000 indonesische Einträge, wobei Wörter wie buang, cium, dia, mit einer Kombination aus Halbvokal und Vokal, die häufig in der heutigen gesprochenen Sprache einsilbig gesprochen werden, auf jeden Fall historisch als zweisilbige Wörter anzusehen sind und daher in der Liste nicht auftauchen. (Hinweis: zu einigen Themen werde ich später eigene Einträge schreiben. Bis ich dazu komme, werden die Verweise im durchgestrichenen Schrifttyp dargestellt.)

Interjektionen und Abtönungspartikel

ah, déh, dong, dor, éh, hah, -kah, kan, kok, -lah, lha, lho, nah, nih, sih, to, toh, tuh, wah, ya, yuk. S.a. Liste hier.

Affixe

-ku, -mu, -nya, se-

Anredeformen

Bu (=Ibu), Bung, Dik (=Adik), Kak (= Kakak), Mas, Mbak, Om/Oom, Pak (=Bapak). S.a. dieses Post, das die wichtigsten Anredeformen, ob ein- oder zweisilbig, im größeren Detail bespricht.

Funktionswörter

dan (Konjunktion), di (lokale Präposition), ke (direktionale Präposition), lu (Personalpronomen), pun (Fokusadverb?), sang (Honorifikmarker), si (Diminuitivmarker), sok (Adverb?)

Verkürzte Formen

’nak (< anak) „Kind“, nak (< hendak) „wollen“, ndak/tak (< tidak) „nicht“, außerdem wie oben erwähnt Bu, Pak, Dik, Kak

Akronyme

SIM: (Surat Izin Mengemudi) „Fahrerlaubnisschein“ = Führerschein

Lehnwörter aus dem

1. Arabischen

bab „Buchkapitel“, hak „Recht“, hal (?) „Angelegenheit“, jam „Stunde“, khas „typisch, charakteristisch“, zat (?) „Substanz (im chemischen und metaphysischen Sinn)“

2. Chinesischen

cap (?) „Marke, Stempel“, cat von Hokkien ts’at „Farbe“, mi „Nudeln“, téh von Hokkien te „Tee“

3. Niederländischen

bak „Badewanne (indonesischen Stils)“ von de bak „Kasten“, bir von het bier „Bier“, bis von bus „Bus“, és von het ijs „Eis(kreme)“, gang von de gang „Gasse“, gas von het gas „Gas“, jas von de jas „Jacke“, kos von de kost „Untermiete“, lés von de les „private Unterrichtsstunden“, nol von de nul „Null“, Om/Oom von de oom „Onkel“, pas von pas „exakt, passend“, pérs von pers (mit fürs Niederländische charakteristischer Metathese) „Presse“, ras von het ras „Rasse“, tas von de tas „Tasche“.

4. Englischen

bom „Bombe“, cék „Scheck, checken“, film „Film“, gang/geng „Gang“, grup „Gruppe“, klab „Club“, séks „Sex“, truk „LKW“

5. Niederländischen oder Englischen

rak „Regal“ (N rak, oder E rack), sén „Cent“ (N oder E cent), sop „Suppe“ (N soep, oder E soup), ton „Tonne“ (N ton oder E ton)


ber-si-Verben

Mai 24, 2008

In diesem japanischen Blogeintrag dreht es sich um ein ganz interessantes Wort: bersimaharajalela. In einer einer Artikelserie übersetzt der Blogautor Kapitel aus der Stilfibel Membina Bahasa Indonesia Baku („Richtiges Indonesisch erlernen“) von Yus Badudu ins Japanische. Yus Badudu führt den folgenden Satz aus einer Zeitung an:

  • Jamu Jawa tradisional semakin bersimaharajaléla.

Er bemängelt, daß dieses Wort falsch gebraucht sei, denn bersimaharajalela könne nur im Zusammenhang mit Situationen gebraucht werden, denen der Sprecher negativ gegenüber steht, aber im Zeitungsartikel war eher etwas Positives gemeint. D.h. für Sätze wie den beiden folgenden (merajalela ist eine Variante mit derselben Bedeutung) wäre das Wort passend gewesen:

  • Penjahat-penjahat makin merajaléla saja di kota itu.
  • Karena angin berembus kencang, api makin merajaléla meruak ke kiri kanan membakar segala apa yang dapat dicapainya.

bersimaharajeléla/merajaléla bedeuten also im Fall von unbelebten Subjekten soviel wie „wüten, grassieren“ und im Fall von belebten Subjekten „ungehindert operieren“.

Für einen Fall wie oben wäre also eher etwas wie das folgende passend gewesen, mit tersebar „ausbreiten/verbreiten“:

  • Jamu Jawa tradisional makin tersebar.

Es gibt außerdem eine Variante bermaharajaléla, ohne si-. In dem folgenden Wahlspot zu den gerade abgehaltenen malaysischen Wahlen taucht das Wort am Ende auf:

  • Apabila pemerintah tidur, penjenayah bermaharajéla. Pada pilihanraya ini, undi untuk perubahan.

Ein paar Malaysianismen:

  • apabila „wenn“ (im Indonesischen nur im literarischen Kontext gebräuchlich)
  • penjenayah „Verbrecher“ (im Indonesischen eher penjahat).
  • pilihan raya: „Wahl“, raya „groß, wichtig“ dient dazu, pilihan, das eine Wahl im allgemeinen Sinne bezeichnen, als eine politische Wahl zu bezeichnen. (im Indonesischen pemilihan, meist noch näher bestimmt, wie pemilihan umum, was in Malaysia pilihan raya umum entspricht)
  • undi: wählen, die Stimme geben (im Indonesischen eher memilih)

Aber wenden wir uns jetzt der inneren Struktur dieses interessanten Wortes zu:

  • bersi-maharaja-léla

bersi- kann auch ber- sein, so daß also eher von ber-si- auszugehen ist. maharaja ist ein Wort aus dem Sanskrit und wurde auch ins Deutsche entlehnt, als Maharadscha „Großkönig“. In der Tat besteht aus zwei Bestandteilen, maha und raja, die jeweils mit dem lateinischen magnus und rex verwandt sind. léla bedeutet „Laune“ und wird meist in der Form selélanya „nach Belieben“ verwendet. merajaléla ist entsprechend me-raja-léla, halt ein einfacher raja anstelle eines maharaja.

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ist also in etwa wie „sich nach Gutdünken wie ein Großkönig (= tyrannischer Herrscher) aufführen“. Ein Kommentator im obengenannten Blog merkt an, daß es sich bei dem Wort bersimaharajaléla nicht um eine Ableitung mit der Struktur bersi-[maharaja-léla] handele, sondern um die Struktur ber-[si-maharaja-léla]. si wird ja als Diminuitivartikel eingesetzt. D.h. dadurch wird deutlich, daß es sich nicht um einen ehrerebietigen Herrscher, sozusagen sang maharaja, handelt, sondern um jemanden, der sich einbildet, ein kleiner Herrscher zu sein, si maharaja eben.

Sneddon hat einen kurzen Abschnitt auf Verben auf ber-si-, und bemerkt, daß diese Verben in der Regel Varianten ohne si- hätten:

  • bersikeras, berkeras: (keras „hart“) beharren, bestehen (persist)
  • bersitegang, bertegang: (tegang „straff, stramm, gespannt“) ausharren, durchhalten (persevere)
  • bersikukuh, berkukuh: (kukuh „fest, beharrlich“) stur sein, beharren (be stubborn, persist)
  • bersijingkat, berjingkat: auf Zehenspitzen gehen

Die ersten drei sind ziemlich ähnlich, sie alle kommen von Adjektiven, die „hart, fest, straff“ bedeuten, mit si bezeichnen sie jeweils eine Person, die diese Eigenschaft aufweist, si keras „ein harter Kerl“, si tegang „strammer Typ“, si kukuh „Sturkopf“ (es ist nicht klar, ob diese Bezeichnungen im modernen Indonesischen tatsächlich so existieren, da gerade Spitznamen mit si ziemlich idiosynkratisch sind). Das ber- bildet dann das Verb, „sich wie ein harter Kerl verhalten“ usf. Was es mit bersijingkat auf sich hat, ist unklar, da im modernen Indonesisch jingkat keine eigenständige Bedeutung zu haben scheint.

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Verbmorphologie in der populären Umgangssprache

Mai 21, 2008

Ich hatte ja schon in einem vorherigen Eintrag den Irrglauben angeführt, daß man in der Umgangssprache einfach alle Verbaffixe weglassen würde. Das stimmt natürlich so nicht, aber die gesamte Situation ist ziemlich kompliziert, weswegen eine genaue Beschreibung den Rahmen dieses Blogs bei weitem sprengen würde. Ich werde versuchen, ein paar grundsätzliche Bemerkungen zu machen.

Welches Indonesisch?

Das Problem fängt zunächst einmal damit an, um welche Sprachform es sich handeln soll. Wouk (1989, 1999) unterscheidet zwischen drei verschiedenen Sprachvarianten, die weder in einem Diglossie-Verhältnis zueinander stehen noch in einer regelmäßigen Codeswitching-Situation. Die von Wouk unterschiedenen Varianten im einzelnen:

  • Standardindonesisch (SI): Die auf einer Variante des Hochmalaiischen basierende offizielle Amtssprache, die Gegenstand der Sprachplanung von Amts wegen ist. Es ist die Sprache, die im ganzen Land in den Schulen und Universitäten verwendet wird, und eine riesige Menge an Zweitsprachenlernen aufweist, die als Muttersprache eine von hunderten Regionalsprachen haben. Sie ist beeinflußt worden duch Sprecher des Betwai einerseits und des Javanischen andererseits, deren Sprecher die bevölkerungsstärkste und politisch mächtigste Gruppe in Indonesien darstellen. Von Sneddon (2006) FI (Formales Indonesisch) genannt.
  • Betawi: der Dialekt des Malaiischen, der sich seit der Zeit der Vereenigde Oostindische Compagnie im damaligen Batavia, jetzt Jakarta, entwickelt hat. Aus dem Völkergemisch der Holländerzeit entstand eine neue Volksgruppe, die anak Betawi, die sich des Malaiischen als lingua franca bediente. Betawi wird bis heute noch in Jakarta gesprochen, vor allem von den Angehörigen der Unterschicht.
  • Gesprochenes Jakarta-Indonesisch (SJI, Spoken Jakarta Indonesian). Diese Variante wird in Wouk 1989 als eigenständige Variante vorgeschlagen. Es handelt sich bei den Sprechern um eine Gruppe, die entweder ausschließlich Indonesisch spricht oder weitaus besser Indonesisch als eine Regionalsprache. Eine solche Situation ist typischerweise in gemischten Ehen zu beobachten, welche in städtischen Großräumen, die Menschen aus allen Teilen des Landes anziehen, eher anzutreffen sind als anderswo, so daß Sprecher des SJI typischerweise Angehörige der Mittelschicht in städtischen Gebieten sind, allen voran im Großraum Jakarta. Während üblicherweise die Situation gebildeter Sprecher in Indonesien so ist, daß sie sich in formalen Situationen des Standardindonesischen bedienen,und in informellen Situationen der jeweiligen Regionalsprache, ist es bei dieser Gruppe so, daß sie auch in informellen Situationen aufs Indonesische zurückgreifen. Gegen die Annahme, daß diese Sprecher sich in informellen Situation aufs Betwai zurückgreifen, also eine Diglossie mit Standardindonesisch in formalen Situationen und Betwai in nichtformalen, wendet sich Wouk und führt dabei an, daß in der Sprache von Betawi-Sprechern und SJI-Sprechern klare Unterschiede in den verschiedenen Registern zu finden seien. Ewing 2005 scheint sich gegen diese Sichtweise zu wenden, da dort das „colloquial Indonesian“ als „social style“ denn als Sprachvariante bezeichnet wird.

In diesem Blog hatte ich ursprünglich versucht, die Begriffe Umgangssprache und populäre Umgangssprache auseinanderzuhalten, wobei mit dem ersteren eher eine Umgangssprache im Sinne des Standardindonesischen und mit dem letzteren eher etwas im Sinne des Jakartaindonesischen gemeint war („populär“ in dem Sinne, da dies die Sprache der Unterhaltungsserien im Fernsehen ist). Im nachhinein betrachtet, scheint es so zu sein, daß ich jeden Eintrag, der in irgendeiner Hinsicht sich mit der Umgangssprache beschäftigt, unter der Kategorie „Umgangssprache“ abgelegt habe, und das, was darüberhinaus einen besonderen Bezug zum Jakartaindonesischen aufweist, zusätzlich noch unter „Jakarta“. (Fall ein Eintrag exklusiv zum Betawi handeln würde, könnte ich u.U. auf die Kategorisierung unter „Umgangssprache“ verzichten.) Die Übergänge sind auch ziemlich fließend, mit zahlreichen Überlappungen, so daß ich das wohl so fortführen werde.

Kurzübersicht über die Verbformen

Wouk (1989, 1999) hat für die drei angenommen Sprachvarianten die folgenden Unterschiede in der Verbmorphologie festgestellt. Dieser Teil soll nur die Kategorien erläutern, die Formen werden im Detail im zweiten Teil beschrieben.

  • intransitive Verben werden in der Regel durch ber- markiert, wie z.B. berjalan „gehen“. Einige wenige Verben auch durch meng-, wie z.B. menangis „weinen“. Diese zwei Gruppen unterscheidet Wouk als „statische“ und „aktivische“ Verben. (be- und ng- sind Formen, die Varianten von ber- und meng- sind, mehr dazu im zweiten Teil).
  • transitive Verben werden durch meng- markiert. Diese können im Passiv mit di- stehen (da dies für alle drei Varianten der Fall ist, habe ich der Übersichtlichkeit der Tabelle wegen di- weggelassen).
  • Manche transitive Verben stehen zudem noch mit einem weiteren Suffix, entweder -i oder -kan, ersteres meist mit Empfängern oder Orten als Objekt, letzeres mit den Nutznießern einer Handlung, oder mit einem Objekt, das zu einer Handlung veranlaßt wird. Betawi verwendet statt dessen -in für beides.
  • Es gibt eine Verbform, die ausdrückt, daß dem Subjekt die Absicht fehlt, die Handlung auszuführen, die durch das Verb ausgedrückt wird, das Subjekt also die Handlung versehentlich begangen hat, oder Opfer dieser Handlung geworden ist. (Manchmal kann es auch eine Potentialform sein). Im Standardindonesischen gibt es ter- und ke-an in dieser Funktion, obwohl es Grund zur Annahme gibt, daß ke-an im modernen Malaiischen nicht mehr produktiv war und durch den Einfluß des Javanischen, wo es eine häufig vorkommende Form ist, wieder an Bedeutung gewonnen hat. Im SJI gibt es nun auch ke-, welches auch im Javanischen vorhanden ist, allerdings auch im Betawi, weswegen hier der Nachweis schwierig ist, ob dies eine Übernahme aus dem Javanischen sein könnte.

SI

JI

Betawi

Intransitiv

 

 

 

Statisch

Aktivisch

ber

meng

ber, 0

meng, ng, 0

be, 0

ng, 0

Transitiv

 

 

 

Präfixe

Suffixe

meng

i, kan

meng, ng, 0

i, kan, in

ng, 0

in

Non-volitional

ter, ke-an

ter, ke-an, ke

ke-an, ke

 


Minimalpaare

Mai 18, 2008

Minimalpaare sind Wörter, die sich lediglich in einem Segment unterschieden und die man daher auch ziemlich einfach verwechseln kann. Hier ein paar Beispiele:

Unterschiedliches Segment am Wortanfang:

  • parah „schwerwiegend“ (Krankheit, Wunde)
  • darah „Blut“
  • marah „wütend“

Unterschiedliches Segment in der Wortmitte:

  • bahas „diskutieren“
  • balas „antworten“
  • batas „Grenze“ (das Verb wäre membatasi)

Unterschiedliches Segment am Wortende:

  • peran „Rolle“ (vgl. diesen Eintrag)
  • perang „Krieg“
  • pérak „Silber“ (zugegebenermaßen weicht hier der Vokal ab)

Kein sooo perfektes Minimalpaar, aber auch leicht verwechselbar:

  • perut „Bauch“
  • peluk „umarmen“

Weitere leicht verwechselbare Wörter gern in den Kommentaren hinterlassen!


Das Rätsel der Nachsilbe -an (Teil 2)

Mai 11, 2008

Im ersten Teil ging es also um das Rätsel der Nachsilbe -an und wie ich durch die Tatsache in die Irre geführt wurde, daß in der Umgangssprache ber- häufig weggelassen wird.

Im Sneddon finden wir auch etwas dazu, allerdings unter der Rubrik ber-an-Verben. D.h. die Tendenz, daß in der populären Umgangssprache die Vorsilbe ber- weggelassen wird, trifft hier auch zu.

ber-an-Verben 1: Gegenseitigkeit

Diese Verben werden von Sneddon unter zwei Gruppen zusammengefaßt, Verben der Gegenseitigkeit (reziprok) und Verben der „spontanen Handlung“ („random action“). Beiden ist gemeinsam, daß an der Handlung mehrere Personen beteiligt sind.

Die Verben der Gegenseitigkeit werden normalerweise von transitiven Verben abgeleitet:

  • bersalaman „einander die Hand geben“: Meréka bersalaman waktu bertemu. „Sie gaben einander die Hand, als sie sich trafen“
  • berdekatan „einander nah sein“: Rumah kami berdekatan. „Unsere Häuser sind nah beieinander“

Oft ist eine Variation mit einer Präpositionalphrase möglich:

  • Kapal tangki dan kapal barang bertabrakan. Der Tanker und der Frachter kollidierten.
  • Kapal tangki bertabrakan dengan kapal barang. Der Tanker kollidierte mit dem Frachter.

Die Verben können auch redupliziert auftreten. Für viele Verben ist dies optional (aber auch sprecherabhängig):

  • Anak-anak berkejar-kejaran di halaman. Die Kinder jagen einander hinterher im Hof.

Häufig redupliziert gebrauchte Verben sind wie folgt:

  • berpukul-pukulan „einander schlagen“, auch pukul-memukul
  • bercinta-cintaan „einander lieben“
  • berpeluk-pelukan „einander umarmen“, auch peluk-memeluk
  • berdesak-desakan „einander schubsen“

Bei manchen Verben sind die beteiligten Personen Täter und Empfänger zugleich, wobei dann auch ein Objekt auftreten kann:

  • Meréka mengirim-kiriman surat. Sie schicken einander Briefe.
  • Meréka berpegangan tangan. Sie hielten Händchen.
  • Meréka bertukuran cincin. Sie tauschten Ringe aus.

Verben, die eine räumliche Bedeutung haben, implizieren meist eine gegenseitige räumliche Beziehung:

  • berhadapan „einander gegenüberstehen“
  • berdampingan „Seit an Seit stehen“
  • berbelakangan „Rücken an Rücken stehen“
  • berbatasan „aneinander grenzen“

Einige wenige Verben stehen für persönliche Beziehungen:

  • bermusuhan „Feinde sein“
  • bertemanan „Freunde sein“
  • berpacaran „Geliebte sein“
  • berkenalan „Bekannte sein“

Einige der obengenannten Verben haben auch Varianten mit lediglich ber-, welches auch im begrenzten Maße Verben der Gegenseitigkeit, abgeleitet von Nomen, bilden kann (Sneddon 1.173):

  • bermusuh „Feinde sein“
  • berteman „Freunde sein“
  • berkerabat „verwandt sein“

Es läßt sich argumentieren, daß die oben genannten berkenalan und berpacaran auch ber-Verben sind, da die entsprechenden Nomen kenalan und pacaran gibt.

ber-an-Verben 2: spontane Handlung

Die Verben, die spontane Handlungen bezeichnen, beziehen sich auch auf Handlungen, die durch mehrere Personen ausgeführt werden.

  • Kapan kapal itu terbakar penumpang beterjunan ke laut. Als das Schiff Feuer fing, sprangen die Passagiere ins Meer.

Normalerweise wird die Pluralität des Subjekts nicht explizit ausgedrückt, dies kann aber geschehen, wie im folgenden Beispiel:

  • Para saksi mata mulai bermatian. Die Augenzeugen begannen der Reihe nach wegzusterben.

Weitere Verben:

  • berguguran „fallen (Laub)“
  • berdatangan „(aus allen Richtungen) ankommen“
  • beterbangan „(in alle Richtungen) davonfliegen“
  • bergantungan „(überall) hängen“
  • berlarian „(in alle Richtungen) laufen“
  • bermunculan „(aus allen Richtungen) auftauchen“

ber-an-Verben 3: sonstige

Einige wenige Verbem fallen durchs Raster, vor allem, weil sie keine Pluralität implizieren.

berjualan „(berufsmäßig) verkaufen“ bedeutet das gleiche wie berjual:

  • Dia berjualan kuda. Er lebt davon, Pferde zu verkaufen.

Die Ableitung von pergi „gehen“, bepergian bedeutet einfach „eine Reise machen“:

  • Bepergianlah dengan keréta api! Reise mit dem Zug!

Die Verben berkeliaran „umherwandern“ und berserakan „verstreut sein“ haben keine unabhängig verwendbare Wurzeln. berkeliaran muß sich nicht auf Pluralität beziehen.

  • Dia selalu berkeliaran di sini. „Er streicht hier immer herum.“
  • Tiang-tiang bambu berserakan. „Bambusrohre waren verstreut.“

Zurück zur Umgangssprache

Nachdem wir uns also die diversen Bedeutungsnuancen für die Verbableitungen angesehen haben, kommen wir also wieder zurück zu der Verwendung in der Umgangssprache:

  • Kapan yah kita bisa ngobrolan bareng?

Wieder zeigt sich die Lektion, daß man eben in der Umgangssprache nicht einfach alle grammatischen Affixe weglassen kann, wie es einem beliebt. Das entsprechende Nomen „Plausch“ lautet hier nämlich obrolan (wenn man googelt, kann man zwar Gegenbeispiele finden, das ist zu erwarten, da der Sprachgebrauch erwartungsgemäß fluktuiert; aber meine Informanten machen auf jeden Fall den Unterschied).

Interessant auch die Reduplikation. Sneddon erwähnt ja, daß dies je nach Wort und Sprecher unterschiedlich sei; sie kann optional sein, oder die allgemein übliche Form sein. Für die Ableitung von membalas „antworten“ scheint die Reduplikation vorgezogen zu werden, balas-balasan „(Briefe, Emails, SMS) austauschen“. Auch für die Ableitung des Wortes menangis „weinen“ wurde mir gesagt, daß die Form tangis-tangisan üblicher sei. Und was es bedeute?

  • jadi rame2 menangis „alle weinen miteinander“

Das Rätsel der Nachsilbe -an (Teil 1)

Mai 10, 2008

Ein Kommentar in einem indonesischsprachigen Blog:

  • Kapan yah kita bisa ngobrolan bareng?

Der Satz soll bedeuten „Wann können wir miteinander plaudern?“ Aber warum ngobrolan und nicht ngobrol. Letztere Form ist ja wohlbekannt als „plaudern, schwätzen, klönen“, aber was soll denn die Nachsilbe -an? Auch in singgungan „berühren“ und sogar in chattingan taucht diese seltsame Nachsilbe auf.

Der Normalfall laut Sneddon: vielerlei Nomen auf -an

Normalerweise wird -an ja verwendet, um Nomen von Verben abzuleiten. Dies ist sehr produktiv, wobei das Nomen sich in der Regel auf das Produkt der durch das Verb bezeichneten Handlung bezieht:

  • minum – minuman „trinken – Getränk“, melukis – lukisan „malen – Gemälde“, memilih – pilihan „wählen – Wahl“

Einige wenige Ableitungen von Nomen gibt es auch, wobei die Bedeutung der Ableitung unvorhersagbar ist: mal bezeichnet es eine Vergrößerung gegenüber der Wurzel, mal ist die Bedeutung leicht abgewandelt, mal synonym, dann wiederum ganz anders:

  • laut – lautan „Meer – Ozean“, akhir – akhiran „Ende – Suffix“, gugus – gugusan „Haufen“

Eine Kollektivwörter haben Varianten auf -an.

Es treten auch Nominalbasen mit Reduplikation auf, die vor allem zwei Interpretationen haben können:

Zum einen eine Vielfalt an Dingen, die durch die Nominalbasis bezeichnet werden:

  • sayur-sayuran „(alle verschiedenen Arten von) Gemüse“, pohon-pohonan „alle verschiedenen Arten von Bäumen“

Zum anderen bezeichnet es eine Verkleinerungsform des Nomens, oft im Sinne eines Spielzeugs:

  • mobil-mobilan „Spielzeugauto“, rumah-rumahan „Puppenhaus“, bulan-bulanan („Mond“) „Zielscheibe“, perang-perangan („Krieg“) „Manöver“

Eine Handvoll an Ableitungen von Adjektiven kommen ebenfalls vor, die Ableitung bezeichnet etwas, das die durch das Adjektiv ausgedrückte Eigenschaft aufweist:

  • asam – asaman „sauer – saure Gurken“, manis – manisan „süß – Süßigkeiten“, kotor – kotoran „schmutzig – Exkremente, Müll“

Es ist aber klar, daß die obengenannten Formen keine Nomen sind. Aber Sneddon führt noch weitere Möglichkeiten auf, nämlich Adjektive und Adverbien auf -an zu bilden.

Adjektive und Adverbien auf -an

Bei ersteren handelt es sich um Ableitungen von Nomen, die Zeit, Gewicht oder Abstand bezeichnen:

  • tahun – tahunan „Jahr – jährlich“, z.B. ujian tahunan „jährliche Prüfung“; harian „täglich“, bulanan „monatlich“, mingguan „wöchentlich“, méteran „meterweise“, kiloan „kiloweise“

Bei den Adverbien handelt es sich um Ableitungen von Nomen, Verben und Adjektiven, deren genaue Bedeutung nicht vorhersagbar ist:

  • angin-anginan (angin „Wind“): launisch, kapriziös
  • besar-besaran (besar „groß“): im großen Maße
  • kecil-kecilan (kecil „klein“): im kleinen Maße
  • habis-habisan (habis „fertig, verbraucht“): erschöpfend
  • mati-matian (mati „sterben“): mit großer Anstrengung
  • terang-terangan (terang „hell“): offen, frank und frei
  • terus-terusan (terus „weitermachen“): immerfort, immerzu
  • untung-untungan (untung „Glück“): auf gut Glück

Aber auch um Adjektive oder Adverbien handelt es sich nicht. Wir verlassen den Bereich der Standardgrammatik und wenden uns der populären Umgangssprache zu.

Umgangssprache?

IndoSlang (27f.) erklärt uns, daß in der Umgangssprache -an anstelle von lebih stehen kann, also den Komparativ bilden kann:

  • Cepatan dikit! Mach mal ein bißchen schneller!

Aber darum geht es hier auch nicht. Jedoch folgt als nächstes, daß -an zur Bildung von Verben der Gegenseitigkeit verwendet werden kann. Meist von Verben abgeleitet, das letzte Beispiel ist jedoch von einem Adverb/einer Präposition abgeleitet (bareng „mit, zusammen“):

  • Jadi kapan kita ketemuan? Wann treffen wir uns dann?
  • Seneng bisa temanan sama kamu. Ich bin froh, mit dir befreundet zu sein.
  • Bésok kita télponan lagi ok? Morgen telefonieren wir wieder, ok?
  • Barengan aja! Laß es uns zusammen machen.

Endlich haben wir die Antwort gefunden: in der Standardsprache sind diese Verben als ber-an-Verben bekannt, aber die Vorsilbe wird üblicherweise in der Umgangssprache weggelassen. Im zweiten Teil soll es um diese Verben und ihre Bedeutungsnuancen gehen.


sok

April 26, 2008

sok ist eines dieser Wörter, die schwer klassifizierbar sind. Am ehesten handelt es sich um ein Adverb, ob es letztlich als Funktionswort klassifizierbar ist, bleibt offen. Es hat eine normalerweise negative Konnotation, „sich für X halten, sich einbilden X zu sein“, wobei „X“ in der Regel eine durch ein Adjektiv ausgedrückte Eigenschaft darstellt (aber manchmal steht X auch für ein Nomen oder ein Verb). Der Ausdruck scheint dann als Prädikat zu fungieren, also kein Nomen zu sein.

  • sok tahu (tahu „wissen“): alles besser wissen
  • sok suci (suci „heilig“): scheinheilig
  • sok jagoan (jago „Hahn): den großen Macker geben
  • sok gaya (gaya „Energie“): angeberisch mit seinem Auftreten prahlen
  • sok aksi (aksi „Aktion“): bombastisch tun
  • sok imut/cute: sich für hübsch halten
  • sok cantik (cantik „schön“): sich schön vorkommen
  • sok pintar (pintar „klug“): sich für klug halten
  • sok kaya (kaya „reich“): sich für reich halten
  • sok kerén (kerén „toll“): sich toll vorkommen

Hier noch ein paar Beispielsätze:

  • Liat tuh, doski sok gaya lagi!
  • Makanya, jangan sok tahu aja!

sok kann auch alleinstehend verwendet werden, im Sinne von „großkotzig, eingebildet“:

  • Seisi kelas dia yang paling sok.

LDTI hat zudem noch die Bedeutung „oft, manchmal“ (und als jangan sok negiert „denke nie im Leben daran, X zu machen“), die im KII nicht verzeichnet ist:

  • Dia sok datang malam-malam.
  • Jangan sok tanya macem-macem kalau Bapak lagi baca koran.


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bébas

April 23, 2008

Mr. Arbee weist in einer seiner Sprachkolumnen auf einen interessanten syntaktischen Unterschied hin bzgl. der Bedeutung von bébas, je nach dem, ob sie mit einem Nomen oder einem Verb stehen. Das Beispiel aus seiner Kolumne:

  • bébas rokok: „rauchfrei“, auch als bébas dari rokok „frei vom Rauchen“ umschreibbar.
  • bébas merokok: „frei zu rauchen“, auch als bébas untuk merokok „frei um zu rauchen“ umschreibbar.

Weitere Beispiele: bébas pajak „steuerbefreit“, bébas makan dan minum „all-you-can-eat/drink“

Quinn weist noch darauf hin, bébas nicht mit cuma-cuma „kostenlos“ und merdéka „frei von Fremdherrschaft, unabhängig“*) zu verwechseln:

  • Dengan imunisasi Indonésia akan bébas polio.
  • Dia mendapat makan dan minum cuma-cuma.
  • Indonésia menjadi merdéka pada tahun 1945.

*) wobei natürlich die Definition von merdéka so ähnlich wie bébas dari penjajahan „frei von Kolonialherrschaft“ umschrieben werden kann.

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