Lapindo

Juli 15, 2008

Letztes Jahr, als die Entscheidung anstand, wohin es in Indonesien zum Indonesischlernen gehen sollte, verengte sich die Wahl schnell auf Denpasar oder Malang. Beide haben Universitäten mit bekannten BIPA-Programmen (Bahasa Indonesia Penatur Asing) und da man mal „was anderes“ als Bali sehen wollte, hieß es zunächst, es ginge nach Malang. Aber dann kam die Nachricht, daß „irgend etwas, vielleicht ein Erdbeben oder ein Erdrutsch“ passiert sei, so daß die Straße zum Flughafen unpassierbar sei. Und so wurde es Bali…(Wenn man noch nie in einem Land war, und zudem alles von anderen arrangiert wird, ist das so ungefähr der Informationsstand, den man so hat.)

Wann immer ich jetzt Leute treffe aus der Gegend um Malang, Pasuruan, Surabaya herum, erzähle ich diese Geschichte, und dann kam oft dieses Wort auf: Lapindo. Und ich dachte mir aus dem Kontext, wahrscheinlich bedeutet dies Erdrutsch oder so etwas, aber ich habe es nie in einem Wörterbuch gefunden (und es gibt durchaus Wörter, die so ähnlich klingen im Indonesischen, pidato „Rede“ zum Beispiel). Und nun wurde es mir zu bunt, so daß ich der Sache auf den Grund gegangen bin. Es stellte sich heraus, daß es sich hierbei um eine Erdgasfirma handelte, die in der Gegend Bohrungen anstellte, und der landläufig die Schuld für die Vorgänge gegeben wird. Die PT Lapindo Brantas gehört dem reichsten Mann Indonesiens, Aburizal Bakrie, der zur Zeit zudem den Posten des Koordinierenden Ministers für die Volkswohlfahrt bekleidet. Reich genug, um allen Opfern angemessene Entschädigungen zu zahlen, sollte er schon sein. Nach dem Ort des Geschehens heißt ist auch die Bezeichnung Banjir Lumpur Panas Sidoarjo (Sidoarjo-Heißschlammflut) geläufig, oder auch simpler Lumpur Sidoarjo, welches auch mit dem geradezu niedlich klingenden Lusi (oder auch Lumsi) abgekürzt wird. Aber nach meinen Erfahrungen bevorzugen Indonesier die Bezeichnung Lapindo.

Ein paar Quellen zum Schluß:

  • In diesem indonesischsprachigen Blog beschäftigt sich ein indonesischer Geowissenschaftler mit dem in großen Teilen Javas auftretenden Problem der durch Vulkanaktitivät ausgelösten Heißschlammfluten (oder wie auch immer man das auf deutsch nennen sollte). Dort gibt es auch einiges an Photos.
  • Update: Am 29. Juli erschien außerdem ein Artikel zum Thema in der Irish Times, den der Autor am 11. August in seinem persönlichen Blog veröffentlicht hat. U.a. nennt der Autor das ganze „Indonesiens Ground Zero“ und merkt sardonisch an, daß Surabaya jetzt um eine Touristenattraktion reicher sei.
  • Noch ein Update: Am 18. Dezember 2008 ist zudem ein Artikel in der New York Times erschienen. In der Zwischenzeit ist die Bakrie-Gruppe stark von der auch Indonesien erfassenden Finanzkrise betroffen gewesen, was auch zu einem erheblichen persönlichen Vermögensverlust für Aburizal Bakrie geführt hat. Jedoch scheint sich die Bakrie-Gruppe auf einen Vergleich mit den Lapindo-Opfern geeinigt zu haben.

Unten folgt ein Auszug aus dem indonesischsprachigen Wikipedia-Artikel:

Banjir Lumpur Panas Sidoarjo/Lapindo, adalah peristiwa menyemburnya lumpur panas di lokasi pengeboran PT Lapindo Brantas di Desa Renokenongo, Kecamatan Porong, Kabupaten Sidoarjo, Jawa Timur, sejak tanggal 27 Mei 2006. Semburan lumpur panas selama beberapa bulan ini menyebabkan tergenangnya kawasan permukiman, pertanian, dan perindustrian di tiga kecamatan di sekitarnya, serta mempengaruhi aktivitas perekonomian di Jawa Timur.

Wortliste folgt unten

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Irian, Papua, Neuguinea, Papua-Neuguinea…

April 28, 2008

Die zweitgrößte Insel der Welt weist eine ungeheure ökologische und soziale Vielfalt auf: nicht nur weist die Insel, die mit rund 786.000km² weniger als 0.5% der Landfläche der Erde einnimmt, etwa 5-10% aller biologischen Spezies auf, sondern die 7,1 Millionen Einwohner sprechen zudem über 1.000 Sprachen. Die Sprachen der Küstenbewohner sind dabei großenteils austronesische Sprachen, die übrigen teilen sich in mehrere Papua-Sprachfamilien auf (einige der Papua-Sprachfamilien erstrecken sich zudem auf weitere Gebiete in Ostindonesien, wie den Molukken und Nusa Tenggara Timur). In diesem Beitrag soll es jedoch vor allem um die Benennungen für die Insel gehen.

Wikipedia

(Die Karte zeigt die Aufteilung der Insel: die zwei indonesischen Provinzen im Westteil, Papua Barat (hellgrün) und Papua (dunkelgrün), das Hauptgebiet des Staates Papua-Neuguinea (beige) im Ostteil.)

Kurze Geschichte der Namen Neuguineas und seiner Landesteile

Der portugiesische Entdecker Jorge de Menezes stieß 1526 auf die Westspitze der Insel (manche Berichte sprechen auch von der Insel Waigeo, die der Hauptinsel vorgelagert ist) und nannte sie Ilha dos Papuas. Der Begriff Papua wurde dann für die portugiesische Einflußsphäre zwischen der Vogelkop-Halbinsel und Halmahera von den Molukken verwendet. Ein spanischer Entdecker namens Yñigo Ortiz de Retez nannte die Insel 1545 Nueva Guinea („Neuguinea“), weil er sich beim Anblick der Bewohner an die Einwohner von Afrikanisch-Guinea erinnert fühlte. Im Sprachgebrauch der meisten europäischen Sprachen, so auch dem Deutschen, hat sich Neuguinea als Bezeichnung für die gesamte Insel durchgesetzt.

Bis in 19. Jahrhundert blieb die Insel jedoch von den europäischen Kolonialisierungsbestrebungen unbehelligt, ganz im Gegenteil zu den Molukken (Gewürzinseln), von denen die Portugiesen im 16. Jahrhundert von den Niederländern vertrieben wurden. Erst 1828 erhob die Vereenigde Oostindische Compagnie Anspruch auf den Teil der Insel westlich des 141. Längengrads, wobei sie sich zunächst auf die Vogelkop-Halbinsel beschränkten. Schließlich kam es 1884 zu einer Vereinbarung zwischen drei europäischen Kolonialmächten. Der Westteil blieb als Holländisch-Neuguinea (bzw. Nederlands Nieuw-Guinea (N)) bei den Niederlanden, der Ostteil wurde aufgeteilt: der Norden kam an Großbritannien und der Südteil ans Deutsche Reich, das seinen Platz an der Sonne suchte. Britisch-Neuguinea kam 1902 unter dem Namen Territory of Papua praktisch unter australische Verwaltung (obwohl es offiziell britischer Besitz blieb). In Deutsch-Neuguinea (auch Kaiser-Wilhelms-Land genannt) verlagerte sich der Schwerpunkt der kolonialen Aktivität auf die der Hauptinsel nordöstlich vorgelagerten Insel Neupommern (heute Neubritannien).

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 besetzte Australien die deutsche Kolonie, und erhielt 1920 ein Völkerbundmandat für das New Guinea Territory. Nach der Besetzung durch die Japaner im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Territorien des Ostteils unter dem Namen Territory of Papua and New Guinea unter gemeinsame australische Verwaltung gestellt. 1972 erreichte das Territory of Papua and New Guinea die Unabhängigkeit unter dem Namen Papua-New Guinea. Eine der vier Regionen des Landes trägt den Namen Papua, und besteht aus den folgenden fünf Provinzen und dem Hauptstadtdistrikt:

Nach der Unabhängigkeit Indonesiens von den Niederlanden nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb West-Neuguinea bei den Niederlanden, die unter zunehmendem Dekolonialisierungsdruck der Vereinten Nationen standen. Niederländische Bestrebungen, der Kolonie die Unabhängigkeit zu gewähren oder mit dem Territory of Papua and New Guinea als eigenständigen Staat zu vereinigen, stießen auf erheblichen Widerstand seitens der indonesischen Regierung, die 1963 schließlich erreichen konnte, daß der Westteil unter indonesische Oberhoheit gestellt wurde.

West-Neuguinea wurde von indonesischer Seite in Irian Barat umbenannt. 1973 wurde die Provinz von der Suharto-Regierung in Irian Jaya, welches für den indonesischen Sieg (Sanskrit Jaya) stand. Nach dem Fall Suhartos 1998 kam es zu verschiedenen verwaltungstechnischen Umwälzungen: zum einen beschloß die Regierung im Jahr 1999, die Provinz in drei Provinzen aufzuteilen, mit den Namen Irian Jaya Barat (West-Irian Jaya), Irian Jaya Tengah (I) (Zentral-Irian Jaya) und Irian Jaya Timur (Ost-Irian Jaya). Der Beschluß, der auf erheblichen Widerstand der einheimischen Bevölkerung stieß, wurde 2003 vom Obersten Gericht als ungültig erklärt, obwohl die Abspaltung von West-Irian Jaya wegen der bereits verwirklichten Errichtung provinzieller Institutionen vom Gericht hingenommen wurde. Zusätzliche Konfusion wurde durch einen Namensänderung bewirkt: 2001 wurde die gesamte Provinz Irian Jaya in Papua (E) umbenannt, wobei nach der Gerichtsentscheidung Unklarheit bestand, ob die neue Provinz Irian Jaya Barat oder Papua Barat heißen sollte. 2007 erging schließlich ein Beschluß, daß der Name Papua Barat (I) lauten solle. (Quellen: Gwillim Law (E) und United Kingdom’s Permanent Committee on Geographical Names (E))

(Hier eine weitere Übersicht über die Geschichte des Westteils)

Der Ursprung der Namen

Wir wollen die Etymologien der verschiedenen bisher angesprochenen Namen in alphabetischer Reihenfolge besprechen:

Guinea

Die Insel als ganzes wird im europäischen Sprachraum ja in der Regel Neuguinea/New Guinea/Nieuw Guinea/Nueva Guinea usw. genannt. Guinea bezeichnet das Gebiet um den Golf von Guinea. Normalerweise wird angeführt, daß Guinea eine korrumpierte Form des Namens Ghana sei, den die Portugiesen im arabischen Maghreb aufgeschnappt hätten. In diesem philologischen Artikel führt der Autor jedoch an, daß dies unwahrscheinlich sei und plädiert für eine Entlehnung aus dem Berber, aguinao, welches „Schwarzer“ bedeute.

Im Indonesischen wurde zunächst der Begriff Nieuw Guinea bzw. Guinea Baru für die Insel verwendet, aber mittlerweile ist dies nicht mehr der Fall. Zwar gibt es den Begriff Nugini noch, aber er steht nur im Zusammenhang mit dem Landesnamen Papua Nugini, nicht mit der Insel als solcher.

Irian

Hierzu gibt es zwei Thesen. Die eine, häufig gehörte Erklärung ist, daß es sich hierbei um ein Akronym handelt, I.R.I.A.N., welches für den folgenden Slogan stehen soll:

  • Ikut Républik Indonésia Anti Nederland „Mit der Republik Indonesien gegen die Niederlande“

Dies wird jedoch schon aus sprachlichen Gründen angezweifelt, denn ikut geht nicht gut mit anti zusammen, und statt Nederland war eigentlich die Bezeichnung Belanda für die Niederlande geläufiger. Außerdem nannte die neue indonesische Regierung die Insel eben erst mal nicht Irian, was sich ja angeboten hätte, wenn sie diese Bezeichnung als Slogan aufgestellt hätte.

Außerdem soll die Bezeichnung schon vor der Unabhängigkeitsbewegung in Gebrauch gewesen sein, und zwar im Biak, einer austronesischen Sprache, die auf einer der Hauptinsel vorgelagerten Insel gesprochen wird, eine Bezeichnung für die Insel Neuguinea sein. Allerdings scheint dies nur in einigen Dialekten der Fall zu sein, in manchen Gegenden soll Irian „Sklave“ bedeuten. (Quelle)

Der Zusatz jaya in Irian Jaya bedeutet „Sieg“, genauso wie in Jakarta, das ebenfalls in Erinnerung an einen glorreichen Sieg so genannt wurde. Auch der Name der Hauptstadt unterstreicht den Anspruch derjenigen, die zum jeweiligen Zeitpunkt die Macht ausgeübt haben:

  • Hollandia (1910-1962)
  • Kota Baru (1962): bei der Übergabe der niederländischen Kolonie an die Indonesier wurde die Stadt zunächst in „Neue Stadt“ umbenannt.
  • Sukarnopura (1963-1968): Schließlich wurde die Stadt nach dem Präsidenten Sukarno „Sukarno-Stadt“ genannt.
  • Jayapura (1968-): Nach dem Sturz Sukarnos wurde die Stadt schließlich zur „Stadt des Sieges“.

Papua

Dieses Wort soll von einem malaiischen Wort stammen, das „kraushaarig“ bedeutet. Nun hatte das Sultanat von Tidore (westlich von Halmahera) lange eine Vormachtstellung in der Region, u.a. auch in den Inseln westlich von der Hauptinsel. Die Herrscher von Tidore sollen mit dem Wort ihre Sklaven bezeichnet haben (ob nur von Papua oder ingesamt, belibt unklar), und so soll es daher nach dem Zweiten Weltkrieg auch Widerstand von einigen Einwohnern Papuas gegen diese Bezeichnung gegeben haben (während die Bewohner des Ostteils, der schließlich zum Staat Papua-Neuguinea wurde, keine solchen Bedenken hatten). Es stimmt natürlich ein wenig skeptisch, wenn sowohl Irian und Papua die Bedeutung „Sklave“ haben können. Aber daß Irian die offizielle Bezeichnung der indonesischen Regierung seit 1963 gewesen ist und dementsprechend die Bezeichnung in der Bevölkerung unpopulär war, hat wohl den Ausschlag zur Änderung in Papua gegeben. (Quelle)

Nach der Aufteilung in die zwei Provinzen Papua und Papua Barat wird nun der eher religiös inspirierte Begriff Tanah Papua (Land Papua) für den Westteil insgesamt verwendet. (Quelle)


Sumba und Sumbawa

April 20, 2008

Die kleinen Sundainseln, ein Begriff, der im Indonesischen nicht mehr gebräuchlich ist, sondern durch Nusa Tenggara „Südostinseln“ abgelöst worden ist. Bis 1959 formten sie eine Provinz, Sunda Kecil, und wurden dann in drei Provinzen geteilt: Bali, Nusa Tenggara Barat und Nusa Tenggara Timur. 1976 wird Osttimor annektiert und zur vierten Provinz Loro Sae, später Timor Timur. Seit der Unabhängigkeit Osttimors 2002 sind es dann wieder nur drei Provinzen. (Quelle)

Nusa Tenggara Barat umfaßt Lombok und Sumbawa, während Nusa Tenggara Timur sich auf Flores, Solor, Lembata und das Alor-Archipel und Sumba und Westtimor erstreckt.

lesser_sunda_islands.png

Und ja, ich verwechsle immer mal die Inseln Sumba und Sumbawa. Ich habe jetzt eine Eselsbrücke gefunden: SumbaWa gehört noch zur Provinz Nusa Tenggara Barat (West), während Sumba schon zur Provinz Nusa Tenggara Timur (Ost) gehört. Sumbawa gehört also in die Inselkette Jawa, Bali, Lombok, Sumbawa, Flores (Eselsbrücke: Jeder bessere Liebhaber schwatzt fiel), während Sumba eher Timor (Eselsbrücke: S vor T im Alphabet) gegenüberliegt.