Indonesische Ortsnamen auf chinesisch – Teil 1, Inseln

Oktober 6, 2009

In einer Reihe von Beiträgen will ich mich damit beschäftigen, wie indonesische Ortsnamen ins Chinesische übertragen werden. Aufgrund der logographischen Schrift des Chinesischen ist die Übertragung fremdländischer Namen nicht ohne weiteres zu erschließen. Grundsätzlich gibt es folgende Arten der Übertragung:

  • Transliteration, d.h. chinesische Schriftzeichen werden aufgrund ihrer ähnlichen Aussprache ohne Rücksicht auf die individuelle Zeichenbedeutung herangezogen. Z.B. 柏林 Bólín für Berlin. Dies ist bei weitem die häufigste Methode. Aufgrund der langen Geschichte von chinesischen Einwanderern in Indonesien gibt es viele Transliterationen, die auf alten Namen beruhen oder auf anderen chinesischen Sprachen und Dialekten als dem Mandarin.
  • Eine sinngemäße Übersetzung (Calque), d.h. ein Name wird anhand seiner Bedeutung übersetzt. Z.B. 牛津 Niújīn für Oxford, mit den jeweiligen chinesischen Zeichen für „Kuh“ und „Furt“. Heute sehr selten.
  • In Regionen außerhalb Chinas mit einer langen Geschichte chinesischer Einwanderung, wie die Vereinigten Staaten oder Südostasien, haben einige Orte auch spezifisch chinesische Namen, die mit dem ursprünglichen Namen keine Beziehung haben. Z.B. ist der chinesische Name für San Francisco „Alter Goldberg“, 舊金山 Jiùjīnshān. Naturgemäß sehr selten.
  • Eine Mischung aus Transliteration und Calque, z.B. 劍橋 Jiànqiáo für Cambridge. Das erste Zeichen mit der Bedeutung „Schwert“ wurde für seine Aussprache gewählt und das zweite Zeichen bedeutet „Brücke“.

Auch wenn bei der Methode die Transliteration bei weitem überwiegt, sind bei vielen Ortsnamen verschiedene Versionen im Gebrauch. Besonders häufig ist dies der Fall beim in Taiwan gebräuchlichen Taiwan-Mandarin (auch 國語  guóyŭ genannt), das dort von dem in der Volksrepublick verwendeten 普通话 pŭtōnghuà abweichen kann. Diese sind jeweils mit TW (für Taiwan) und BJ (für Beijing/Peking) gekennzeichnet. Wo diese Unterschiede sich lediglich auf die Form der Schriftzeichen beziehen, sind diese nicht berücksichtigt. Sofern in Hong Kong,  Singapur und Malaysia eine von TW und BJ abweichende Schreibweise gepflegt wird, werden diese entsprechend als HK,  SG und MY gekennzeichnet.

Die Großen Inseln

  • Java (auf indonesisch Jawa):  爪哇島 Zhăowā dăo. Der alte Name der Insel lautete auf sanskrit Jawadwīpa („Insel Java“), was in zeitgenössischen chinesischen Dokumenten als 耶婆提 yēbótí wiedergegeben wurde)
  • Sumatra (auf indonesisch auch Sumatera): 蘇門答臘島 Sūméndálà dăo. Der alte Name der Insel lautete auf sanskrit Swarnadwīpa oder Swarnabhūmi (Goldene Insel oder Goldenes Land), was entsprechend auf malaiisch auch Pulau émas genannt wurde. Das Chinesische verwendete hierfür eine Sinnübersetzung, 金洲 Jīnzhōu.
  • Borneo (auf indonesisch Kalimantan):  婆羅洲 Bóluó zhōu. Diese Insel ist aufgeteilt zwischen drei Nationen:  Indonesien, Malaysia (zwei Staaten, Sabah 沙巴 Shābā und Sarawak沙勞越  Shāláoyuè (TW)/ 沙捞越Shālāoyuè (BJ)/ 砂拉越 Shālāyuè (MY)) und Brunei (汶萊 Wènlái in TW, 文莱 Wénlái in BJ). Der chinesische Sprachgebrauch scheint den der westlichen Welt zu spiegeln, d.h. Borneo wird als Name der gesamten Insel bevorzugt, und das indonesische Kalimantan nur in einem spezifisch indonesischen Kontext verwendet. Hierfür wird加里曼丹島 Jiālĭmàndān dăo verwendet. Die Insel taucht unter verschiedenen Varianten in alten chinesischen Dokumenten auf, meist eine Variation auf Borneo: 渤泥 Bóní,婆利 Bólì, 婆羅 Bóluó, 婆羅乃 Bóluónăi.
  • Sulawesi (ehedem Celebes): 蘇拉威西島 Sūlāwēixī dăo. Der alte Name Celebes wurde als 西里伯 Xīlĭbó wiedergegeben.
  • Neuguinea/Papua/Irian: wie die einzelnen Namen zueinander stehen, habe ich ja bereits in einem früheren Artikel beschrieben. Hier möchte ich nur die jeweiligen chinesischen Transkriptionen aufführen. Neuguinea (auf indonesisch Niugini) ist 紐幾內亞 Niŭjīnèiyà in TW, und 新畿內亞 in HK, in Kurzzeichen in BJ als 新几内亚, beide Xīnjīnèiyà. Papua ist巴布亞 Bābùyà, Irian 伊利安 Yīlì’ān.

Die Kleinen Inseln

  • Madura (nordöstlich von Java, Provinz Jawa Timur): 馬都拉島 Mădūlā dăo.
  • Bali (östlich von Java, Provinz Bali): 峇里島/巴里島 Bālĭ dăo in TW, 巴厘島 Bālí dăo in BJ.
  • Lombok (östlich von Bali, Provinz Nusa Tenggara Barat, NTB): 龍目島 Lóngmù dăo.
  • Sumbawa (östlich von Lombok, Provinz NTB):  松巴哇島 Sōngbāwā dăo.
  • Sumba (südöstlich von Sumbawa, Provinz Nusa Tenggara Timur, NTT): 松巴島 Sōngbā dăo.
  • Flores und Komodo (östlich von Sumbawa, Provinz NTT): 弗洛勒斯 Fúluòlèsī dăo, 科莫多島 Kēmùduō dǎo, 哥摩多島 Gēmóduō dǎo. Die auf Insel Komodo heimischen Komodowarane heißen auf chinesisch übrigens 科莫多龍 kēmùduō lóng, 科莫多巨蜥 kēmùduō jùxī oder auch科摩多巨蜥 kēmùduō jùxī.
  • Timor (Westtimor bildet den Ostrand der Provinz NTT): 帝汶島 Dìwèn dǎo. Das im Jahre 2002 unter dem Namen Timor Leste von Indonesien (als indonesische Provinz hieß es Timor Timur, abgekürzt TimTim) unabhängig gewordene Osttimor heißt entsprechend 東帝汶 Dōng Dìwèn.
  • Die Molukken (Maluku) (heute in zwei Provinzen aufgeteilt, Maluku und Maluku Utara): 摩鹿加群島 Mólùjiā qúndǎo. Zwei der wichtigsten Inseln der Molukken sind Halmahera und Ambon. Halmahera ist auf chinesisich 哈馬黑拉島 Hāmǎhēilā dǎo, wobei es auch unter dem Namen Jilolo/Gilolo bekannt ist, was auf chinesisch wiederum mit濟羅羅島 Jìluóluó dǎo wiedergegeben wird. Ambon lautet auf chinesisch 安汶島 Ānwèn dǎo.
  • Riau-Inseln (östlich von Sumatra, Provinz Kepulauan Riau): 廖內群島 Liàonèi qúndǎo.

Irian, Papua, Neuguinea, Papua-Neuguinea…

April 28, 2008

Die zweitgrößte Insel der Welt weist eine ungeheure ökologische und soziale Vielfalt auf: nicht nur weist die Insel, die mit rund 786.000km² weniger als 0.5% der Landfläche der Erde einnimmt, etwa 5-10% aller biologischen Spezies auf, sondern die 7,1 Millionen Einwohner sprechen zudem über 1.000 Sprachen. Die Sprachen der Küstenbewohner sind dabei großenteils austronesische Sprachen, die übrigen teilen sich in mehrere Papua-Sprachfamilien auf (einige der Papua-Sprachfamilien erstrecken sich zudem auf weitere Gebiete in Ostindonesien, wie den Molukken und Nusa Tenggara Timur). In diesem Beitrag soll es jedoch vor allem um die Benennungen für die Insel gehen.

Wikipedia

(Die Karte zeigt die Aufteilung der Insel: die zwei indonesischen Provinzen im Westteil, Papua Barat (hellgrün) und Papua (dunkelgrün), das Hauptgebiet des Staates Papua-Neuguinea (beige) im Ostteil.)

Kurze Geschichte der Namen Neuguineas und seiner Landesteile

Der portugiesische Entdecker Jorge de Menezes stieß 1526 auf die Westspitze der Insel (manche Berichte sprechen auch von der Insel Waigeo, die der Hauptinsel vorgelagert ist) und nannte sie Ilha dos Papuas. Der Begriff Papua wurde dann für die portugiesische Einflußsphäre zwischen der Vogelkop-Halbinsel und Halmahera von den Molukken verwendet. Ein spanischer Entdecker namens Yñigo Ortiz de Retez nannte die Insel 1545 Nueva Guinea („Neuguinea“), weil er sich beim Anblick der Bewohner an die Einwohner von Afrikanisch-Guinea erinnert fühlte. Im Sprachgebrauch der meisten europäischen Sprachen, so auch dem Deutschen, hat sich Neuguinea als Bezeichnung für die gesamte Insel durchgesetzt.

Bis in 19. Jahrhundert blieb die Insel jedoch von den europäischen Kolonialisierungsbestrebungen unbehelligt, ganz im Gegenteil zu den Molukken (Gewürzinseln), von denen die Portugiesen im 16. Jahrhundert von den Niederländern vertrieben wurden. Erst 1828 erhob die Vereenigde Oostindische Compagnie Anspruch auf den Teil der Insel westlich des 141. Längengrads, wobei sie sich zunächst auf die Vogelkop-Halbinsel beschränkten. Schließlich kam es 1884 zu einer Vereinbarung zwischen drei europäischen Kolonialmächten. Der Westteil blieb als Holländisch-Neuguinea (bzw. Nederlands Nieuw-Guinea (N)) bei den Niederlanden, der Ostteil wurde aufgeteilt: der Norden kam an Großbritannien und der Südteil ans Deutsche Reich, das seinen Platz an der Sonne suchte. Britisch-Neuguinea kam 1902 unter dem Namen Territory of Papua praktisch unter australische Verwaltung (obwohl es offiziell britischer Besitz blieb). In Deutsch-Neuguinea (auch Kaiser-Wilhelms-Land genannt) verlagerte sich der Schwerpunkt der kolonialen Aktivität auf die der Hauptinsel nordöstlich vorgelagerten Insel Neupommern (heute Neubritannien).

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 besetzte Australien die deutsche Kolonie, und erhielt 1920 ein Völkerbundmandat für das New Guinea Territory. Nach der Besetzung durch die Japaner im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Territorien des Ostteils unter dem Namen Territory of Papua and New Guinea unter gemeinsame australische Verwaltung gestellt. 1972 erreichte das Territory of Papua and New Guinea die Unabhängigkeit unter dem Namen Papua-New Guinea. Eine der vier Regionen des Landes trägt den Namen Papua, und besteht aus den folgenden fünf Provinzen und dem Hauptstadtdistrikt:

Nach der Unabhängigkeit Indonesiens von den Niederlanden nach dem Zweiten Weltkrieg verblieb West-Neuguinea bei den Niederlanden, die unter zunehmendem Dekolonialisierungsdruck der Vereinten Nationen standen. Niederländische Bestrebungen, der Kolonie die Unabhängigkeit zu gewähren oder mit dem Territory of Papua and New Guinea als eigenständigen Staat zu vereinigen, stießen auf erheblichen Widerstand seitens der indonesischen Regierung, die 1963 schließlich erreichen konnte, daß der Westteil unter indonesische Oberhoheit gestellt wurde.

West-Neuguinea wurde von indonesischer Seite in Irian Barat umbenannt. 1973 wurde die Provinz von der Suharto-Regierung in Irian Jaya, welches für den indonesischen Sieg (Sanskrit Jaya) stand. Nach dem Fall Suhartos 1998 kam es zu verschiedenen verwaltungstechnischen Umwälzungen: zum einen beschloß die Regierung im Jahr 1999, die Provinz in drei Provinzen aufzuteilen, mit den Namen Irian Jaya Barat (West-Irian Jaya), Irian Jaya Tengah (I) (Zentral-Irian Jaya) und Irian Jaya Timur (Ost-Irian Jaya). Der Beschluß, der auf erheblichen Widerstand der einheimischen Bevölkerung stieß, wurde 2003 vom Obersten Gericht als ungültig erklärt, obwohl die Abspaltung von West-Irian Jaya wegen der bereits verwirklichten Errichtung provinzieller Institutionen vom Gericht hingenommen wurde. Zusätzliche Konfusion wurde durch einen Namensänderung bewirkt: 2001 wurde die gesamte Provinz Irian Jaya in Papua (E) umbenannt, wobei nach der Gerichtsentscheidung Unklarheit bestand, ob die neue Provinz Irian Jaya Barat oder Papua Barat heißen sollte. 2007 erging schließlich ein Beschluß, daß der Name Papua Barat (I) lauten solle. (Quellen: Gwillim Law (E) und United Kingdom’s Permanent Committee on Geographical Names (E))

(Hier eine weitere Übersicht über die Geschichte des Westteils)

Der Ursprung der Namen

Wir wollen die Etymologien der verschiedenen bisher angesprochenen Namen in alphabetischer Reihenfolge besprechen:

Guinea

Die Insel als ganzes wird im europäischen Sprachraum ja in der Regel Neuguinea/New Guinea/Nieuw Guinea/Nueva Guinea usw. genannt. Guinea bezeichnet das Gebiet um den Golf von Guinea. Normalerweise wird angeführt, daß Guinea eine korrumpierte Form des Namens Ghana sei, den die Portugiesen im arabischen Maghreb aufgeschnappt hätten. In diesem philologischen Artikel führt der Autor jedoch an, daß dies unwahrscheinlich sei und plädiert für eine Entlehnung aus dem Berber, aguinao, welches „Schwarzer“ bedeute.

Im Indonesischen wurde zunächst der Begriff Nieuw Guinea bzw. Guinea Baru für die Insel verwendet, aber mittlerweile ist dies nicht mehr der Fall. Zwar gibt es den Begriff Nugini noch, aber er steht nur im Zusammenhang mit dem Landesnamen Papua Nugini, nicht mit der Insel als solcher.

Irian

Hierzu gibt es zwei Thesen. Die eine, häufig gehörte Erklärung ist, daß es sich hierbei um ein Akronym handelt, I.R.I.A.N., welches für den folgenden Slogan stehen soll:

  • Ikut Républik Indonésia Anti Nederland „Mit der Republik Indonesien gegen die Niederlande“

Dies wird jedoch schon aus sprachlichen Gründen angezweifelt, denn ikut geht nicht gut mit anti zusammen, und statt Nederland war eigentlich die Bezeichnung Belanda für die Niederlande geläufiger. Außerdem nannte die neue indonesische Regierung die Insel eben erst mal nicht Irian, was sich ja angeboten hätte, wenn sie diese Bezeichnung als Slogan aufgestellt hätte.

Außerdem soll die Bezeichnung schon vor der Unabhängigkeitsbewegung in Gebrauch gewesen sein, und zwar im Biak, einer austronesischen Sprache, die auf einer der Hauptinsel vorgelagerten Insel gesprochen wird, eine Bezeichnung für die Insel Neuguinea sein. Allerdings scheint dies nur in einigen Dialekten der Fall zu sein, in manchen Gegenden soll Irian „Sklave“ bedeuten. (Quelle)

Der Zusatz jaya in Irian Jaya bedeutet „Sieg“, genauso wie in Jakarta, das ebenfalls in Erinnerung an einen glorreichen Sieg so genannt wurde. Auch der Name der Hauptstadt unterstreicht den Anspruch derjenigen, die zum jeweiligen Zeitpunkt die Macht ausgeübt haben:

  • Hollandia (1910-1962)
  • Kota Baru (1962): bei der Übergabe der niederländischen Kolonie an die Indonesier wurde die Stadt zunächst in „Neue Stadt“ umbenannt.
  • Sukarnopura (1963-1968): Schließlich wurde die Stadt nach dem Präsidenten Sukarno „Sukarno-Stadt“ genannt.
  • Jayapura (1968-): Nach dem Sturz Sukarnos wurde die Stadt schließlich zur „Stadt des Sieges“.

Papua

Dieses Wort soll von einem malaiischen Wort stammen, das „kraushaarig“ bedeutet. Nun hatte das Sultanat von Tidore (westlich von Halmahera) lange eine Vormachtstellung in der Region, u.a. auch in den Inseln westlich von der Hauptinsel. Die Herrscher von Tidore sollen mit dem Wort ihre Sklaven bezeichnet haben (ob nur von Papua oder ingesamt, belibt unklar), und so soll es daher nach dem Zweiten Weltkrieg auch Widerstand von einigen Einwohnern Papuas gegen diese Bezeichnung gegeben haben (während die Bewohner des Ostteils, der schließlich zum Staat Papua-Neuguinea wurde, keine solchen Bedenken hatten). Es stimmt natürlich ein wenig skeptisch, wenn sowohl Irian und Papua die Bedeutung „Sklave“ haben können. Aber daß Irian die offizielle Bezeichnung der indonesischen Regierung seit 1963 gewesen ist und dementsprechend die Bezeichnung in der Bevölkerung unpopulär war, hat wohl den Ausschlag zur Änderung in Papua gegeben. (Quelle)

Nach der Aufteilung in die zwei Provinzen Papua und Papua Barat wird nun der eher religiös inspirierte Begriff Tanah Papua (Land Papua) für den Westteil insgesamt verwendet. (Quelle)


Sumba und Sumbawa

April 20, 2008

Die kleinen Sundainseln, ein Begriff, der im Indonesischen nicht mehr gebräuchlich ist, sondern durch Nusa Tenggara „Südostinseln“ abgelöst worden ist. Bis 1959 formten sie eine Provinz, Sunda Kecil, und wurden dann in drei Provinzen geteilt: Bali, Nusa Tenggara Barat und Nusa Tenggara Timur. 1976 wird Osttimor annektiert und zur vierten Provinz Loro Sae, später Timor Timur. Seit der Unabhängigkeit Osttimors 2002 sind es dann wieder nur drei Provinzen. (Quelle)

Nusa Tenggara Barat umfaßt Lombok und Sumbawa, während Nusa Tenggara Timur sich auf Flores, Solor, Lembata und das Alor-Archipel und Sumba und Westtimor erstreckt.

lesser_sunda_islands.png

Und ja, ich verwechsle immer mal die Inseln Sumba und Sumbawa. Ich habe jetzt eine Eselsbrücke gefunden: SumbaWa gehört noch zur Provinz Nusa Tenggara Barat (West), während Sumba schon zur Provinz Nusa Tenggara Timur (Ost) gehört. Sumbawa gehört also in die Inselkette Jawa, Bali, Lombok, Sumbawa, Flores (Eselsbrücke: Jeder bessere Liebhaber schwatzt fiel), während Sumba eher Timor (Eselsbrücke: S vor T im Alphabet) gegenüberliegt.


Krishna

April 16, 2008

Krisnawan bedeutet ja soviel wie „Anhänger des Krischna“, ist eine hinduistiche Gottheit, und im Westen auch durch neuzeitliche Anhänger bekannt, die durch Gesänge wie „Hare, Hare Krischna“ in Fußgängerzonen auffallen. Auf indonesisch wird aus krshna (in Devanagari कृष्ण) Krisna, und dann die Nachsilbe -wan, ebenfalls aus dem Sanskrit. Die weibliche Form lautet entsprechend Krisnawati, beide Formen können entsprechend als Kris abgekürzt werden.

Dieses interessante Blog über indogermanische Etymologien weiß, daß der Name vom proto-indogermanischen *kers- stamt, daß soviel wie „dreckig, dunkel“ bedeutet. Dies bezieht sich entweder auf Krischnas Haut, deren Tönung in den heiligen Schriften mit dunklen Gewitterwolken verglichen wird (verwandt damit auch russisch черный černyj „schwarz“). Entsprechend ist der chinesische Name von Krishna auch 黑天 „Schwarzer Himmel“, was die Interpretation stützt.

Ein anderer, aber weniger akzeptierter Ansatz wäre es, das Wort von der proto-indogermanischen Wurzel *ker- „Hitze, Feuer“ abzuleiten, was zum lateinischen carbō „Kohle“, wovon französisch charbon und englisch carbon. Dann mit Suffix versehen wurde *ker-tā- zum proto-germanic *χerþaz „brennender Ort“, welches letztlich dann zum englischen hearth und deutschen Herd.

Ganz falsch ist jedoch die Behauptung, daß die Namen Krischna und Christus verwandt wären. Zu letzterem vgl. den entsprechenden Eintrag aus oben erwähnten Blog.


Indonesische Namen

April 12, 2008

Zur Zeit kursiert im Internet die Geschichte des Batman Superman.

Aufregung in der Blogosphäre: Is this name for real?

Ein Singaporer javanischer Abstammung hat den offiziellen Namen Batman bin Suparman. Das klingt jetzt erstmal wie ein Jux, aber die Geschichte scheint zu stimmen.

Ein kurzer round-up aus der Blogosphäre:

  • Ursprünglich kam die Geschichte wohl im Blog Weird Asian News auf.
  • Schließlich erreichte die Geschichte auch den ehrwürdigen Sprachwissenschaftlerblog Language Log.
  • Selbst in der deutschsprachigen Blogosphäre schlug die Geschichte auf, der bekannteste Blog, der davon berichtete, war wohl der Hostblogger.

Einige Argumente, die dafür sprachen, daß die Geschichte kein Hoax ist:

  • das Sicherheitsfoto (ein wenig fragwürdig)
  • die Nummer der Ausweises (fehlt im obigen Foto, aber es kursieren Version, wo noch Teile der Nummer zu erkennen sind) ist ebenfalls stimmig
  • Dem Autor des Beitrags im Language Log ist es gelungen, zwei Belegstellen aus singaporianischen Blogs auf den Namen aus den Jahren 2005 und 2007 zu finden, die also offensichtlich vor dem jetzigen Wirbel geschrieben wurden.
  • die arabische Schrift ist eine akkurate Wiedergabe des Namens in der Jawi-Schrift.
  • der Name Suparman ist ein durchaus häufiger javanischer Name, von denen viele mit Su- (javanisch für „gut“) beginnen (Sukarno, Suharto) und manche auf -man enden.
  • Für Batman gibt es mehrere Erklärungsversuche:
    • Es könnte tatsächlich ein übler Scherz seitens der Eltern sein
    • u.U. eine Verkürzung des indischen Namens Batmanathan sein, was aufgrund des indischen Einflusses auf Java nicht überraschend sein würde, aber die Googletreffer weisen auf indische Personen hin, keine javanischen.
    • Fledermaus heißt kamprét, was auch manchmal als Übersetzung für „Batman“ verwendet wurde, bedeutet als Slangausdruck jedoch „Idiot, Lümmel, Straßenjunge“. Wenn es da nicht noch eine positive Nebenbedeutung gibt, auch unwahrscheinlich.

the Bandung-based rapper Iwa K released a song in the mid-90’s called “Batman Kasarung”, melding the Batman story with the Sundanese folk character Lutung Kasarung, a prince disguised as a monkey. So it appears that the Javanese parents of young Batman really were inspired by the comic book creation.

(Den Song kann man hier hören)

Der Rest des Beitrags soll sich damit beschäftigen, warum auf dem Ausweis Batman bin Suparman steht, und was dies bedeutet. Dafür müssen wir ein wenig in die indonesische Namensgebung einsteigen…

Indonesische Namen: Einzelnamen

Indonesier sind ja bekannt ja dafür, daß viele von ihnen nur einen Namen tragen, einen einzigen. In Zeitungen steht dann so etwas „X, der/die wie viele Indonesier nur einen Namen trägt/führt/hat„. Aber das Bild ist um einiges komplexer, denn in Indonesien bestehen sehr viele verschiedene Namensgebungssysteme nebeneinander her. Selbst wenn wir ethnische Besonderheiten wie die der Balinesen außen vor lassen (welches einen eigenen Eintrag wert ist), konkurrieren selbst in der Mehrheitsbevölkerung verschiedenen Prinzipien miteinander. In der Regel kann man aber sagen, daß im Indonesischen die im Deutschen allgemein übliche Aufteilung in Vor- und Familiennamen in der Regel nicht vorhanden ist!

Grundsätzlich ist zwischen Einzelnamen und Mehrfachnamen zu unterscheiden. Auf indonesisch heißt ersteres nama tunggal (so wie das Einzelkind anak tunggal heißt) und letzteres nama jamak (wobei nama keine Entlehnung aus dem Englischen oder Niederländischen ist, sondern schon viel früher aus dem Sanskrit entlehnt wurde). Bei einem nama tunggal handelt es sich also um das berühmte Beispiel von dem einzigen Namen, den viele Indonesier verwenden. Gerade in Java ist dies sehr häufig, wie die Beispiele der Politikergeneräle Sukarno, Suharto, Wiranto verdeutlichen. (Die Beispiele stammen alle aus diesem Wikipedia-Artikel „Nama Indonésia“ (I) und beziehen sich auf reale Persönlichkeiten.)

  • Name des Kindes Soeharto
  • Name des Vaters Kertosudiro
  • Name der Mutter Sukirah

Die Angewohnheit von Javanern (und anderen Indonesiern), nur einen Namen zu haben, führt regelmäßig zu Problemen: In Deutschland wird der Name als Vor- und Nachname eingesetzt: Soeharto Soeharto sozusagen. In den USA geht dies auch, obwohl oft auch der Name als Nachname angesehen wird und als Vorname Fnu (First Name Unknown) steht, was schon mal für einen gebräuchlichen indonesischen Namen gehalten wird. (Oder entsprechend als Nachname Lnu (Last Name Unknown)). Dies kann bei Behördengängen zu zahlreichen Problem führen.

In den Niederlanden wird häufig als Nachname Onbekend „Unbekannt“ eingesetzt, selbst bei Mehrfachnamen, wenn kein Familienname besteht, d.h. die Namen des Vaters und des Kindes nicht übereinstimmen.

Indonesische Namen: Mehrfachnamen

Der nama jamak kann hingegen nach verschiedenen Mustern vergeben werden:

Mehrfachname ohne Familiennamen: das Kind erhält mehrere Namen, die in keinem Zusammenhang mit den Namen der Eltern stehen.

  • Name des Kindes Siti Hartinah
  • Name des Vaters Soemohardjo
  • Name der Mutter Hatmanti

Mehrfachname mit dem letzten Namen als Familiennamen: Das Kind erhält mehrere Namen, von denen der letzte als Familienname verwendet wird, der in der Regel vom Vater weitervererbt wird (mit Ausnahme von matrilinearen Ethnien wie die der Minangkabau).

  • Name des Kindes Baharuddin Jusuf Habibie
  • Name des Vaters Alwi Abdul Jalil Habibie
  • Name der Mutter Tuti Marini Puspowardojo

Mehrfachname mit Patronymikon nach europäischem Muster: Das Kind erhält als letzten Namen, der auf den Namen des Vaters hinweist, mit einem Zusatz -putra, -putri „Sohn, Tochter“, analog dem russischen Vaternamen oder den isländischen Nachnamen.

Mehrfachname mit Patronymikon nach arabischem Muster: Das Kind erhält als letzten Namen den Namen des Vaters, ohne Zusatz.

Im Geburtsurkunden stehen immer die Namen des Vaters und der Mutter, also X, anak Y dan Z.

In Malaysia und Singapur: Sehr selten kommen patrilinear vererbte Familiennamen vor, aber in der Regel wird das Muster „Mehrfachname mit Patronymikon nach arabischen Muster“ bevorzugt, wobei hier ein Zusatz bin/binte (arabisch für „Sohn, Tochter“, abgekürzt b./bt(e).) eingefügt wird, der in Zeitungen u.ä. schon mal häufiger weggelassen wird.

  • Name des Kindes Anwar bin Ibrahim, in der Presse normalerweise Anwar Ibrahim genannt.
  • Name des Vaters Ibrahim bin Abdul Rahman
  • Name der Mutter Che Yan Hussein (andere Namensregeln, da ethnische Chinesin mit späteren Übertritt zum Islam)

Diese Situation wird durch gelegentliche Doppelnamen verkompliziert, die durch Namenszusätze erzeugt werden, die meist mit einem Namen zusammen stehen. Für männliche Namen sind dies:

  • Muhammad / Mohammad / Mohammed (oft abgekürzt als Mohd., Muhd., Md. oder M.)
  • Mat (malaiische Variante für Muhammad. Mat dient zudem als Rufname für Namen, die auf -mad oder -mat enden, wie z.B. Ahmad, Rahmat, Samad, etc.)
  • Ahmad
  • Abdul (wie im Arabischen ist dies kein eigener Name, sondern ein Zusatz mit der Bedeutung ‚Diener von‘, und muß von einem der Namen Gottes im Koran gefolgt sein; wie oben beim Vater von Anwar bin Ibrahim, Ibrahim bin Abdul Rahman — ‚Diener des Gnadenreichen‘)

Die häufigsten Zusätze bei weiblichen Namen:

Zurück zu Batman bin Suparman

Abschließend läßt sich also zum Fall des Batman bin Suparman sagen, daß er in Indonesien entweder lediglich Batman hieße oder Batman Suparman. Singapor (und Malaysia) scheinen zwingend die Führung mehrteiliger Namen vorzuschreiben, und dem müssen sich auch Nachkommen javanischer Einwanderer unterwerfen.


Java

April 5, 2008

Ich habe mich früher immer gefragt, warum die Japaner zu der indonesischen Insel nicht Java sondern Jawa (ジャワ) sagen… Erst als ich anfing, Indonesisch zu lernen, ging mir auf, daß es sich tatsächlich um [w] handelt und nicht um [v]. Die englische und auch deutsche Aussprache ist also von der Originalaussprache entfernt, während die japanische dem ganzen ziemlich nahe kommt.

Es bleibt noch der Hinweis, daß im Japanischen [v] nur in Fremdwörtern verwendet wird, und das erst seit der Nachkriegszeit, vorher wurde ein [v] abgewandelt, wie z.B. bideo von Video. Dies zeigt sich bei dem japanischen Wort für Kartoffe, das auf japanisch wörtlich „Java-Rübe“ bedeutet (da die Kartoffeln über den Handel mit den Niederländern nach Japan kamen): jaga-imo. Der chinesische Name von Java lautet übrigens 爪哇 zhao3wa1.

Der Ursprung des Namens selbst ist unklar. Im Wikipedia-Artikel über Java werden die folgenden Thesen genannt:

  • jáwa-wut-Pflanze, die reichlich auf der Insel vorgekommen sein soll.
  • jaú (auf indonesisch jauh), was „jenseits, fern“ bedeutet.
  • im Sanskrit heißt yava „Gerste“, eine Pflanze, für die Insel berühmt war.
  • java kommt von einem proto-austronesischen Wort, das „Heimat“ bedeutet.

negara – negeri

März 11, 2008

Zwei lautlich und semantisch sehr ähnliche Wörter, die überdies denselben Ursprung haben, nämlich nāgarī, was im Sanskrit „Stadt“ bedeutet. Dieses Wort mag bekannt sein aus dem Namen der für das Sanskrit gebräuchlichen Schrift, Devanāgarī; der Name war ursprünglich Nāgarī, sozusagen „städtische Schrift“, wobei später noch Deva „Gott“ hinzugefügt wurde. Auf dem Vorläufer der Devanāgarī-Schrift basieren übrigens die meisten indischen und südostasiatischen Schriften.

Nun zur Unterscheidung der beiden Wörter im Indonesischen:

negera

vor allem als Nomen gebräuchlich, in den zwei Bedeutungen „Land“ und „Staat“

  • Land: Di seluruh negara hanya ada satu orang yang berani bicara seperti Pak Permadi.
  • Staat: Uang itu uang negara.

Einige Zusammensetzungen mit negara

  • kepala negara:Staatsoberhaupt
  • milik negara: Staatsbesitz
  • negara bagian: Bundesstaat, Bundesland

und heute häufig zusammengeschriebene Komposita mit anderen Elementen aus dem Sanskrit:

  • warganegara:(Staats-)Bürger
  • mancanegara: ausländische Länder

negeri

Vor allem als Adjektiv gebräuchlich, in der Bedeutung „staatlich“

  • Cari sekolah? Swasta atau negeri.

Häufig verwendete Zusammensetzungen sind

  • universitas negeri: staatliche Universität
  • sekolah negeri: staatliche Schule
  • pegawai neger: Beamter
  • di dalam neger: im Inland
  • luar negeri: im Ausland
  • Menteri Dalam Negeri (Mendagri): Innenministerium
  • Menteri Luar Negeri (Menlu): Außenministerium

Es ist eine seltener gebrauchte Alternative zu negara „Land“:

  • Dia penjahat nomor satu di negeri ini.

Allerdings wird es auch in Zusammensetzungen mit Ländernamen gebraucht, wie Negeri Bélanda, Negeri Mesir. LDTI behauptet, daß das im Falle von Bélanda obligatorisch sei, allerdings scheint dies nicht der Fall zu sein. Ähnlich ist die Fügung di negeri orang „im Ausland (wörtl. im Land von (anderen ) Menschen).

Fazit

Beide Wörter können „Land“ bedeuten, doch nur negara kann „Staat“ bedeuten, und nur negeri „staatlich“, und nur negeri kann zusammen mit Ländernamen verwendet werden. Eine Eselsbrücke mithilfe des Japanischen: kokka heißt „Staat“, kuni „Land“ und kokuritsu „staatlich“.

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