Die zwei E

Das Indonesische hat eine ziemlich regelmäßige Rechtschreibung. Das größte Problem* in der Hinsicht stellt der Buchstabe <e> dar, der für zwei verschiedene Vokallaute steht. Für Deutschsprachige ist die Aussprache der verschiedenen Lautvarianten dabei kein großes Problem, da diese Laute auch im Deutschen vorhanden sind und ebenfalls in der Rechtschreibung nicht unterschieden werden. Es handelt sich um die folgenden Vokale:

  • /ə/, ist ein Murmelvokal, der im Deutschen stets an unbetonter Stelle vorkommt, vor allem in Vor- oder Nachsilben wie Gedicht oder Katze. Im Indonesisch auch e pepet genannt. Es fällt zwischen zwei Konsonanten in nicht-finaler Silbe gerade in der gesprochenen Sprache auch mal aus, was zu Fluktuationen in der Schreibweise führt wie z.B. Inggeris und Inggris oder Sumatera und Sumatra.
  • /e/ ist ein Vordervokal, der im Deutschen geschlossen /e/ als Langvokal und offen /ɛ/ als Kurzvokal gesprochen wird. Laut IRG hat das indonesisch nur ein Phonem /e/, das jedoch in offener Silbe als [e] (wie in soré „Abend“ [sore]) und in geschlossener Silbe [ɛ] (péndék „kurz“ [pɛndɛʔ]) realisiert wird. Wenn es in offener Silbe einer geschlossenen Silbe vorangeht, insbesondere wenn diese auch /e/ als Vokal enthält, ist eine Realisierung als [ɛ] für beide Vokale der Regelfall: bébék „Ente“ [bɛbɛʔ]. Dieser Laut wird in Malaysia e taling genannt und laut Krause in Indonesien e benar.

Während die unterschiedlichen Realisierungen von /e/ auch dialektalen Schwankungen unterworfen sind, ist der Kontrast zum Schwa weitaus wichtiger für den Lernenden. Denn beim e pepet und e benar handelt es sich um zwei ganz verschiedene Laute, deren falsche Verwendung zu Mißverständnissen führen kann. Daher werden diese Laute in vielen Lehrbüchern und Wörterbüchern voneinander unterschieden, indem das Schwa als einfaches <e> und der Vordervokal mit einem Accent aigu geschrieben wird, also enam „sechs „(é pepet, Schwa) und énak „lecker“ (é benar, Vordervokal). Auch ich halte mich in diesem Blog daran (falls ich irgendwo einen Akzent vergessen haben sollte, wäre ich um Hinweis dankbar).

Die Rolle der zwei E im Betawi und in der Umgangssprache

Es soll in diesem Beitrag jedoch wiederum um die Umgangssprache gehen. Wie in einem vorherigen Beitrag angedeutet, gibt es phonologische Veränderungen, bei denen /a/ eine Rolle spielt:

  • /a/ in der letzten Silbe wird zu /é/, wenn diese offen ist. Dies ist charakteristisch fürs Betawi und kann daher entsprechend stigmatisiert sein: ada > adé, apa > apé.
  • Über das Betawi hinaus auch in der allgemeinen indonesischen Umgangssprache ist die Regel, daß /a/ häufig in einer geschlossenen Silbe am Ende eines Wortes zu /e/ wird: benar > bener „wahr“.

Bei der fürs Betawi charakteristischen Veränderung von /a/ zu /é/ ist mir nicht klar, ob es sich um eine allgemeine phonologische Veränderung handelt, die bei allen Wörtern so eintritt. Bei der zweiten Veränderung, die auch in der Umgangssprache vorkommt, ist dies nicht der Fall. Zwar heißt es im „Slang“ (ein Werk, das ich im übrigen sehr schätze!) auf S. 21, daß „ein a in geschlossenen letzten Silben als e“ gesprochen wird, doch tauchen dann später in vielen Beispielsätzen durchweg Wörter auf, die in geschlossenen letzten Silben ihr a beizubehalten scheinen. Sneddon hat hier den entscheidenden Hinweis (CJI, S. 17f.): „Schwa in this position reflects ə in earlier Malay; this became a in Classical Malay, which is reflected in F[ormal] I[ndonesian]“. Da man jedoch beim Lernen des modernen Indonesischen Kenntnisse des vorklassichen Malays kaum voraussetzen kann, muß man sich genau merken, welche Wörter in der Umgangssprache diese Veränderung durchmachen können und welche nicht. Es wird hierbei sicherlich auch Unterschiede bei einzelnen Sprechern geben! Ich habe Wörter, die den Wandel zum Schwa aufweisen, in dieser Liste festgehalten, die zum Teil auf Texten beruht, die Sneddon im einem Anhang zu CJI anführt.

(* Ein weiteres, weniger schwerwiegendes Problem stellt silbenfinales <k> dar, das in Wörtern malaiischen Ursprungs zum Glottalverschluß /ʔ/ wird, in Fremdwörtern wie hak „Recht“ oder républik „Republik“ jedoch /k/ bleibt.)

Eine Antwort zu Die zwei E

  1. […] erwähnte phonologische Veränderungen in der Umgangssprache, 2.1 geht insbesondere auf den Wechsel von /a/ zu Schwa in manchen Wörtern in der Umgangssprache ein. In Kapitel 2.2 behandelt er vier sehr häufige Wörter, bei der in der Umgangssprache […]

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