Haben ber-Verben Objekte?

Wir hatten ja schon mal die Frage aufgeworfen, ob es ber-Verben mit direkten Objekten gibt.

Worum es nicht geht

Zunächst ein paar Bemerkungen zu ber-Verben, die nur scheinbar ein Objekt aufweisen. Zum einen gibt es ber-Verben, die sich auf eine selbsgerichtete Handlung beziehen und daher mit diri „selbst“ stehen können:

  • berdiam (diri) „schweigen“
  • berjemur (diri) „sonnenbaden, sich sonnen“
  • berhias (diri) „sich anziehen, sich zurechtmachen“

Sie müssen auch von den Fällen unterschieden werden, wo ber- eine Ableitung von einer Nominalphrase bewirkt. Hat das Kopfnomen ein Attribut, wird dieses mit abgeleitet, was dann zum Eindruck führt, daß ein ber-Verb ein Komplement hätte:

bersépatu „Schuhe tragen“ ist von sépatu „Schuh“ ableitet. Nun gibt es bersépatu hitam „schwarze Schuhe tragen“. hitam steht hier nicht als Komplement zu bersépatu, sondern vielmehr ber- steht für eine Ableitung von sépatu hitam „schwarze Schuhe“. D.h. die Grenzen können so gezogen werden: ber[sépatu hitam] und nicht [bersépatu] hitam.

Verben mit obyék non pasif

Sneddon (61, 266f) spricht von „those that take a complement“, und laut diesem Blogeintrag (J) nennen einige indonesische Sprachwissenschaftler das „obyék non pasif“. Zunächst ein paar Beispiele hierzu:

  • belajar bahasa Indonésia „Indonesisch lernen“
  • berbicara bahasa Jépang „Japanisch sprechen“
  • beternak ayam „Hühner züchten“
  • bermain olah raga „Sport treiben“
  • berpakaian piyama „Pyjama tragen“
  • bernyanyi lagu „ein Lied singen“
  • berisi air „Wasser enthalten“
  • berpindah tempat „den Ort wechseln“
  • berdagang barang-barang berharga „mit Wertgegenständen handeln“
  • berumur delapan tahun „18 Jahre alt sein“
  • bernama Idrus „Idrus heißen“
  • bertanam jagung „Mais anbauen“
  • berburu rusa „Rotwild jagen“
  • berjual ikan „Fisch verkaufen“

Alle obengenannten Verben ist gemein, daß die Objekte ein generisches Objekt bezeichnen, d.h. sie beziehen sich nicht auf eine spezifische Sache: bertanam jagung bezieht sich nicht auf eine bestimmte Maispflanze, und berburu rusa nicht auf ein bestimmtes Reh. Falls man sich auf etwas Bestimmtes beziehen will, muß man ein meng-Verb verwenden: menaman jagung (itu) „diese Maispflanze hier anbauen“ und memburu rusa (itu) „dieses Reh jagen“. (bernama Idrus könnte allerdings eher eine Ableitung von der Nominalphrase nama Idrus „der Name Idrus“, wie im vorherigen Abschnitt angesprochen, sein.)

Als Sonderfall gewissermaßen mag bertukar „(aus)wechseln, (aus)tauschen“ gelten, das mit einem Objekt stehen muß, welches jedoch in der Regel auch generisch ist:

  • Selama dua jam meréka duduk bertukar pendapat. „Zwei Stunden saßen sie und tauschten sich über ihre Meinung aus“ (LDTI)

Es gibt noch einige andere intransitive Verben, die mit einem Nominalkomplement stehen können:

  • menjadi présiden „Präsident werden“
  • punya uang „Geld haben“
  • suka kopi „Kaffee mögen“
  • mau téh „Tee wollen“
  • tahu hal itu „diese Sache wissen“
  • merangkap menteri keuangan „gleichzeitig Finanzminister sein“
  • menyangkut masalah politik „mit politischen Angelengeheiten zu tun haben“

Nicht alle diese Verben sind vergleichbar mit den obengenannten ber-Verben, z.B. steht suka auch mit Präpositionalkomplement.

Schließlich können ein paar intransitive Verben ein bahwa-Komplement haben:

  • berharap „hoffen“
  • berkata „sagen“
  • berpikir „denken“
  • berpendapat, beranggapan „meinen“
  • sadar „bewußt sein“
  • lupa „vergessen“
  • ingat „erinnern“

Im Gegensatz zum Deutschen können diese Verben kein Nominalkomplement haben.

  • Dia berkata bahwa ibunya sakit. Er sagt, daß seine Mutter krank sei. (LDTI)

Keine transitiven Verben?

Daß diese Verben dennoch als intransitiv angesehen werden, liegt also zum einen daran, daß die Nominalphrase allenfalls ein generisches Objekt darstellt, was in vielen Sprachen der Welt zu einer reduzierten Transitivität führt. Zum anderen kann man als syntaktischen Nachweis anführen, daß diese Konstruktion nicht im Passivfokus oder in einer Passivkonstruktion stehen kann.

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